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StartseiteInterview"Wir suchen den dritten Weg"15.11.2010

"Wir suchen den dritten Weg"

DOSB-Generaldirektor will Sportwetten neu organisieren

Das Lotteriemonopol habe gut funktioniert, das Monopol bei den Sportwetten hingegen nicht, sagt Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Vesper plädiert daher für ein staatlich reguliertes und kontrolliertes Modell, das auch private Anbieter einschließen soll, sofern sie die Bedingungen für die Lizenzvergabe erfüllen.

Michael Vesper im Gespräch mit Dirk Müller

Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes  (AP)
Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (AP)

Dirk Müller: Hunderte Millionen stehen auf dem Spiel, die im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Spielfeld erwirtschaftet werden, oder demnächst erwirtschaftet werden könnten: durch Sportwetten auf die Ergebnisse von Fußballspielen, von Partien im Handball, Basketball oder auch Eishockey. Denn die Sportverbände und die Vereine wollen, dass das staatliche Wettmonopol endlich fällt. Die Lottogesellschaften der Bundesländer, alleinige Herrscher auf diesem Markt, sehen das ganz anders. Sie wollen private Anbieter unbedingt verhindern, sind für stärkere Kontrollen dagegen im Internet, weil sich dort zunehmend internationale Wettagenturen breit machen, die Deutschen kräftig mitwetten, dabei sind in Deutschland private Wettanbieter verboten, bislang jedenfalls.

Schluss also mit dem Monopol, sagen die Sportvereine und die Sportverbände. Darüber sprechen wollen wir nun mit Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Guten Morgen!

Michael Vesper: Guten Morgen, Herr Müller!

Müller: Herr Vesper, verdient Bayern München nicht Geld genug?

Vesper: Ja. Darum geht es auch gar nicht. Es geht nicht darum, dass Bayern München aus den Oddset-Wetten oder aus den Sportwetten insgesamt nun eine zusätzliche Einnahmequelle erschließen soll, sondern es geht darum, wie das Glücksspiel insgesamt, also Lotterien und Sportwetten, in den kommenden Jahren organisiert werden sollen. Und der Staatsvertrag, den die 16 Länder geschlossen haben, läuft in einem Jahr aus, die Länder haben sich verpflichtet, ihn zu evaluieren und dann zu einer Anschlussregelung zu kommen, und das Kernergebnis dieser Evaluation lautet, dass das Lotteriemonopol im Bereich der Lotterien gut geklappt hat, es hat gut funktioniert, es ist auch gut begründet, und im Bereich der Sportwetten hat es eben nicht funktioniert, sondern hier hat sich ein schwarzer Markt, ein grauer Markt entwickelt, sodass die staatliche Oddset-Wette, die angeblich das Monopol hat, noch gerade drei bis fünf Prozent des gesamten Marktes abdeckt, und das kann so nicht bleiben.

Müller: Aber Sie wollen doch mit der möglichen Liberalisierung auch Geld verdienen für Ihren Verband?

Vesper: Es geht nicht um Liberalisierung, sondern es geht darum, ein staatlich reguliertes und kontrolliertes Konzessionsmodell zu schaffen.

Müller: Also Privatisierung?

Vesper: Das heißt, es können auch Private Sportwetten veranstalten, wenn sie eine Lizenz beantragen und wenn sie dann die Bedingungen für diese Lizenz erfüllen. Heute ist es doch so, dass 95 Prozent des Marktes völlig dereguliert sind. Die privaten Sportwetten gehen völlig am Ordnungssystem des Staates vorbei. Weder der Fiskus, noch der Sport haben davon irgendetwas. Und das wollen wir ändern! Deswegen eine Konzession und ein Teil dieser Konzessionsbedingungen wird sein, dass die Sportwettenveranstalter dann auch eine Konzessionsabgabe zahlen, von der der Sport einen Vorteil hat, aber natürlich auch der Staat und weitere gemeinnützige Zwecke.

Müller: Aber nun ist ja der DOSB, der Deutsche Olympische Sportbund, nicht verantwortlich für die Marktfreiheit auf dem Wettanbietermarkt. Herr Vesper, die Frage deshalb, weil im Grunde geht es Ihnen doch ums Geld. 80 Millionen sollen dafür herausspringen. Stimmt das?

Vesper: Es geht sicherlich auch ums Geld, aber es geht nicht nur ums Geld. Es kann ja nicht sein, dass von etwa fünf bis sieben Milliarden Euro, die derzeit von deutschen Wettern auf dem deutschen Markt umgesetzt werden, kein einziger Cent in Deutschland verbleibt, weder beim Staat, noch beim Sport. Ohne Sportveranstaltungen könnte es überhaupt keine Sportwetten geben und deswegen ist es, glaube ich, richtig, dass der Sport auch anmahnt, dass er einen Teil dieser Einnahmen für sich bekommt. Heute ist es wie gesagt so, dass die Unternehmen, bei denen deutsche Wetten mit Milliardenbeträgen insgesamt abgeschlossen werden, dass von dort überhaupt nichts beim deutschen Staat verbleibt und eben auch nicht beim Sport. Das wollen wir ändern.

Müller: Die 80 Millionen, ist das eine Zahl, die Sie bestätigen können?

Vesper: Das ist eine Größenordnung, die sich daran orientiert, was der Sport vor dem Bundesverfassungsgerichtsurteil von 2006 von der Oddset-Wette bekommen hat, wie er daran partizipiert hat. Wichtig ist: Diese Mittel fließen ausschließlich in den gemeinnützigen, in den gemeinwohlorientierten Sport. Das soll nicht dazu dienen, die Proficlubs reicher zu machen, sondern es geht darum, den gemeinnützigen Sport zu fördern. Damit verbunden wäre dann ja auch die Möglichkeit, zu werben und Sponsoring-Verträge abzuschließen. Das gilt dann nicht nur für die privaten Veranstalter, sondern auch für den staatlichen Veranstalter Oddset. Dann könnten die Profivereine mit denen Sponsoring-Verträge abschließen, wie das um uns herum in allen Nachbarländern von Deutschland heute schon passiert.

Müller: Reden wir, Herr Vesper, über die vermeintliche Kehrseite. Die staatlichen Lottogesellschaften, sieben Milliarden nehmen die insgesamt ein. 500 Millionen, wenn wir das richtig gelesen haben, gehen ja auch in Richtung Amateursport. Jetzt argumentieren die staatlichen Lottogesellschaften, wenn das Wettmonopol fällt, dann fällt auch das Lottomonopol, und das wäre wiederum sehr schlecht für Sie, 500 Millionen.

Vesper: Das wäre in der Tat sehr schlecht für uns, und deswegen sind wir auch sehr für die Beibehaltung des Lotteriemonopols, also des Monopols im Bereich von Lotto und ähnlichen großen Lotterien, und es ist ein großer Erfolg und findet unsere volle Zustimmung, dass die 16 Ministerpräsidenten einstimmig erklärt haben, dass sie bei diesem Monopol auf jeden Fall bleiben wollen.

Müller: Das heißt, in Ihrem Herzen sind Sie zweifach disponiert? Sie sind einerseits Marktwirtschafter und auf der anderen Seite Monopolist?

Flaggen verschiedener euopäischer Länder sind an einer Annahmestelle für Sportwetten in Stuttgart zu sehen. (AP)Flaggen verschiedener euopäischer Länder sind an einer Annahmestelle für Sportwetten in Stuttgart zu sehen. (AP)Vesper: Nein, wir suchen den dritten Weg. Wir glauben, dass es im Bereich der Lotterien nicht nur möglich, sondern geboten ist, am Monopol festzuhalten, weil es hier auch darum geht, die Bürger vor betrügerischen Lotterieanbietern zu schützen. Deswegen sollte das staatliche Monopol als eine Folge des Verbraucherschutzes beibehalten werden, während in den Sportwetten dieses Monopol eben nicht funktioniert hat. Dort gibt es eben diesen Schwarzmarkt und es muss unser Ziel sein, diesen Schwarzmarkt in die Legalität zu holen und dorthin zu kanalisieren.

Müller: Wie groß ist die Gefahr, wenn die Sportwetten privatisiert werden, dass dann noch mehr manipuliert wird?

Vesper: Wissen Sie, die Manipulationen machen nicht vor dem System der Organisation der Wetten halt. Der Fall Hoyzer ist der staatlichen Oddset-Wette passiert. Es geht auch darum, Regeln zu finden, mit denen solche Manipulationen nach Möglichkeit ausgeschlossen werden können. Wir sind beispielsweise dafür, mit der Lizenz ein Verbot bestimmter Live-Wetten zu verbinden, also die Wette auf den nächsten Einwurf oder Einzelereignisse, die leicht zu beeinflussen sind. Heute kann auf all diese Dinge gewettet werden im illegalen Markt. Wir wollen das abschaffen, auch im Interesse der Integrität des sportlichen Wettbewerbes, die wir zu hüten haben.

Müller: Warum finden Sie das in Ordnung, dass die Proficlubs dann noch mehr Geld verdienen können?

Vesper: Es geht darum, dass die Profis Sponsoring- und Werbeverträge abschließen können mit Unternehmen wie Oddset beispielsweise. Wir haben ja gesehen, dass einige Fußballvereine auch mit den Lottounternehmen bereits solche Sponsoring-Verträge abgeschlossen haben, die wir dann an den Banden sehen, was nach dem EuGH-Urteil und nach dem Bundesverfassungsgerichtsurteil eigentlich problematisch ist.

Müller: Grauzone?

Vesper: Ja! Wir möchten gerne, dass hier ein normaler Wettbewerb im Sportwettenbereich stattfindet, aber nach vom Staat aufgestellten und kontrollierten Regelungen. Es kann nicht so weitergehen, dass über 95 Prozent des Marktes faktisch dereguliert sind und völlig am staatlichen Ordnungssystem vorbeigehen.

Müller: Bei uns heute Morgen im Deutschlandfunk Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Vielen Dank für das Gespräch und auf Wiederhören!

Vesper: Gerne!

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