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StartseiteWirtschaft und GesellschaftDer gelähmte Riese03.03.2016

Wirtschaft im IranDer gelähmte Riese

Mit dem Ende der Sanktionen beginnt im Iran das große Investieren ausländischer Konzerne. Es ist unbestritten, dass die Islamische Republik ein riesiges Potenzial besitzt. Aber die Wirtschaft ist ein schwerfälliges Geflecht aus Macht und Geld, mit vielen undurchsichtigen Akteuren. Anders gesagt: Es gibt enormen Reformbedarf.

Von Reinhard Baumgarten

Man sieht im Hintergrund eine Ölraffinerien, im Vordergrund Wasser und einen Steg. (AFP / Str)
Die iranische Ölindustrie hat Modernisierungsbedarf - hier zu sehen: Khark Island am Persischen Golf. (AFP / Str)
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Experten sind sich einig: Der Iran besitzt ein immenses Potential und könnte bei klu­ger Politik binnen weniger Jahre zum wirtschaftlichen Powerhouse am Persischen Golf werden. Dazu müssten aber weitreichende Reformen ins Werk gesetzt werden, er­klärt der Politologe Sadegh Zibakalam.

"Das größte Problem hier besteht darin, dass die iranische Wirtschaft eine kor­rupte staatlich ge­­lenkte Wirtschaft ist. Es hängt nicht davon ab, wer gerade regiert, denn er kann im Grunde nichts ändern. Die gesamte Wirt­schaft wird vom Herrschaftssystem gelenkt."

Das Herrschaftssystem ist ein von außen undurchdringliches Geflecht aus Macht-, Ein­fluss- und Interessengruppen.

"Alle große Industrieunternehmen oder die großen Handelsfirmen gehören dem Staat oder den halbstaatlichen Institutionen, wie den Revolutionswächtern, den Bassidji genannten Volksmilizen und vielen ähnlichen Organen. Das ist ein grundsätzliches Problem."

Vergebliche Reformversuche

Dieses grundsätzliche Problem hat Präsident Rohani schon oft angesprochen. Aber alle Versuche, die Wirtschaft zu reformieren, bestehende Privilegien einflussreicher Grup­pen abzubauen, den privaten Sektor zu stärken und mehr Wettbewerb zu ermög­lichen, sind am Widerstand konser­va­tiver Opponenten gescheitert. Die hartnäckige Gegen­wehr fußt dabei nicht auf ideologischer Treue zu den Zielen der Revolution. Es geht um sehr weltliche Dinge: Einfluss, Geld, Macht.

Die Regierung Rohani will auslän­dische In­ve­s­toren ins Land locken und sogar Auslandskredite in Höhe von 50 Milliar­den Dollar aufnehmen. Durch den Atomdeal wird im Ausland eingefrorenes iranisches Kapital frei. Doch das wird nicht reichen. Der Iran braucht viel Geld. Allein im Gas- und Ölsektor besteht ein Investitionsbedarf von gut 150 Milliarden Dollar.

Das Land be­sitzt die viertgrößten bekannten Öl- und die größ­ten Gasreserven der Welt. Die ira­ni­sche Wirtschaft ist diversifizierter und breiter aufgestellt als die Wirt­schaf­ten der arabischen Golfstaaten. Ausländische Investoren könnten helfen, die iranische Wirt­schaft aus ihrem Dämmerzustand zu holen. Doch von höchster Stelle gibt es Vor­behalte.

"Es sind meistens die Zionisten"

Revolutionsführer Ayatollah Khamenei warnt vor internationalen Firmen, Konzernen und Großkapitalisten. "Das sind meistens Zio­nisten, die die Welt vertilgen wollen. Das gilt nicht nur für Amerika. Es ist vielerorts so. Auch in Europa und anderswo haben sie immensen Einfluss. "

Die Regierung von Präsident Rohani sieht das offenbar entspannter. Sie hat schon um­fangreiche Verträge mit etlichen internationalen Partnern abgeschlossen. Aus gutem Grund: Die Zahl der Arbeitslosen nähert sich im Iran der Acht-Millionen-Marke.

Schmiergeld oder Geldstrafe

Mostafa betreibt im Norden Teherans einen Laden für Computerspiele. Nichts gehe mehr, sagt der 34-Jährige. "Mein Laden ist gerade gegenüber, aber ich hocke seit einer halben Stunde hier draußen rum." Wenn sein Geschäft laufe, klagt der Ladenbesitzer Alireza, profierten andere davon. "Manchmal müssen wir die Behörde schmieren, ansonsten drohen dicke Geldstrafen."

Rang 135 von 174 Staaten nimmt der Iran laut Transparency International in Sachen Korruption ein. Vieles kann und muss hier besser werden, wenn wirtschaftliche Ge­sun­dung eintreten soll.

 

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