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StartseiteCampus & KarriereWirtschaft mit Bachelor zufrieden23.10.2013

Wirtschaft mit Bachelor zufrieden

Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts über Anforderungen an Uni-Absolventen

Laut einer Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) sind die meisten Unternehmen mit dem aktuellen Hochschulsystem zufrieden. Sie schätzen demnach die Leistungen von Bachelorabsolventen. Studierendenvertretungen fordern trotzdem mehr Masterstudienplätze.

Von Verena Herb

Die Ergebnisse der Studie sind sehr an den Bedürfnissen der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes ausgerichtet  (AP)
Die Ergebnisse der Studie sind sehr an den Bedürfnissen der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes ausgerichtet (AP)

Ein Ergebnis der Befragung habe ihn überrascht, erklärt Thomas Straubhaar, VWL-Professor an der Universität in Hamburg und Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts HWWI:

"Der Bachelor gilt aus Sicht der Unternehmen, der Wirtschaft durchaus als vollwertiger berufsorientierter Abschluss. Die sind durchaus zufrieden mit dem, was die Absolventen von Bachelorstudiengängen mitbringen."

Ab jetzt werde er deshalb seinen Studierenden auch nicht mehr unbedingt raten, einen Master dran zu hängen, erklärte der Ökonom bei der Vorstellung der Studie, die das HWWI für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers durchgeführt hat. Erik Marquardt, Vorstandsmitglied des FZS - des Freien Zusammenschlusses von Studentinnenschaften, setzt dem jedoch die Bedürfnisse der Studierenden entgegen:

"Es ist auch ein bisschen die Frage, was die Studierenden wollen: Denn es ist durch das G8-Abitur so, dass die Studierenden sich sehr früh für einen Studiengang entscheiden und dann einfach auch noch einmal ne Neuorientierung suchen. Ich glaube, dass man ihnen den Freiraum da auch lassen sollte."

Diesen Freiraum nutzen drei Viertel der Studierenden an Universitäten, die Hälfte der Männer und Frauen, die an einer Fachhochschule studieren, hängen noch einen Master dran. Doch dieser steigenden Nachfrage nach Studienplätzen stehe keine Nachfrage nach Masterabsolventen in Wirtschaft und Wissenschaft gegenüber - so die Aussage des Wirtschaftsinstituts in Hamburg, das für die Studie rund 200 Unternehmen befragt hat. Klar ist, dass die Ergebnisse der Studie sehr an den Bedürfnissen der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes ausgerichtet sind - weniger an den Bedürfnissen der Studierenden, die von Erik Marquardt vertreten werden. Und da es bei Bildung auch immer ums Geld geht, plädiert Thomas Straubhaar dafür, dass die knappen öffentlichen Mittel gezielt eingesetzt werden: Eben...

"...zu jenen Studiengängen, die dem tatsächlichen Bedarf des Arbeitsmarktes entsprechend. Also muss der Bildungssektor selber nach Optimierungspotenzial suchen. Und eine Antwort, die wir geben, lautet eben: Dass der Ausbau der Masterstudienplätze gerade mit Blick auf knappe finanzielle Mittel sich viel stärker am tatsächlichen Bedarf, der später auf dem Arbeitsmarkt manifest wird, orientieren sollte."

Die Unternehmen sollten entsprechend klare Bekenntnisse abgeben zum Bachelor, sollten mehr Praktikumsplätze zur Verfügung stellen und die Betreuung von Abschlussarbeiten anbieten. Forderungen, die nicht neu sind und grundsätzlich eine engere Verzahnung von Hochschulen und Unternehmen verlangen. Das findet FZS-Vertreter Marquardt grundsätzlich gut, räumt aber ein:

"Ich glaube, das ist ein bisschen komplexer und Hochschulen haben eine weitergehende Aufgabe, als einfach nur Nachwuchs für Unternehmen zu produzieren."

Doch genau das ist der Ansatz der Studie: Wie kann man das Bildungssystem umstrukturieren, um den drohenden Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen und auch Studienabbrecherquoten zu verringern. Neben einer Straffung der Studienangebote sollen duale Studienangebote gefördert werden.

In diesem Zusammenhang spiele auch das Prinzip des "Life Long Learnings" eine wichtige Rolle: Dass den Menschen nach einem Abschluss später auch immer wieder die Möglichkeit gegeben werden soll, hin und her zu wechseln - zwischen Theorie an der Hochschule und Praxis im Unternehmen. Doch dafür seien die Strukturen längst nicht genügend ausgebaut - betont der 26-jährige Erik Marquardt. Der die Idee des lebenslangen Lernens jedoch ebenfalls als Zukunftsmodell befürwortet.

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