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17. November 2017Die Wirtschaftspresseschau

Darüber geredet wurde schon länger, doch das Ausmaß der jetzt von Siemens angekündigten Stellenstreichungen und Standortschließungen hat einige Kommentatoren offenbar doch schockiert.

Siemens- Niederlassung in Dresden (dpa/picture alliance/Arno Burgi)
Siemens- Niederlassung in Dresden (dpa/picture alliance/Arno Burgi)

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG schreibt:

"In bislang kaum dagewesener Härte wird mit dem beabsichtigten Abbau von rund 3.500 Arbeitsplätzen Deutschland am stärksten betroffen sein. Das Technologieunternehmen will zudem vier Standorte mit einem Schlag aufgeben, was es so bisher nicht gegeben hat. Das zeigt die Dramatik, die eine globale Energiewende ausgelöst hat. Die Dynamik der Umbrüche auf den Energiemärkten dürfte in Zukunft sogar zunehmen."

Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG erklärt das genauer:

"Betroffen ist neben dem Segment Prozessindustrie und Antriebe einmal mehr die Kraftwerkssparte Power & Gas, die das Geschäft mit Turbinen für Gaskraftwerke umfasst. Die weltweiten Anstrengungen im Klimaschutz lassen den Markt schrumpfen, und die verbliebenen Aufträge sind hart umkämpft. Trotz alledem: Die Sparte arbeitet nach wie vor profitabel. Warum nicht ein, zwei Prozentpunkte Marge für die Mitarbeiter opfern? Und muss es ausgerechnet den Standort Görlitz in der strukturschwachen Lausitz treffen?"

Siemens-Chef Kaeser spiele mit dem Feuer, finden die NÜRNBERGER NACHRICHTEN:

"Er hat ehrgeizige Pläne, will den Konzern komplett umbauen, aus einem schwerfälligen Tanker einen Flottenverband machen. Dazu kommt die zweite Runde der digitalen Revolution, von der keiner der weltweit 370.000 Arbeitsplätze des Konzerns verschont bleiben wird. Für all diese Pläne und Herausforderungen braucht Kaeser die Mitarbeiter. Er muss sie mitnehmen auf diese Reise - und nicht vor den Kopf stoßen."

Unter Führung Kanadas und Großbritanniens haben sich knapp 20 Staaten beim Weltklimagipfel auf eine Allianz für den Kohleausstieg verständigt. DIE WELT hebt allerdings ebenso wie andere Zeitungen hervor:

"Als Vorbild taugen die meisten Länder der Anti-Kohle-Allianz nicht, weil sie im Gegensatz zu Deutschland auf einen Atomausstieg verzichtet haben. Das trifft auf Kanada zu, das einige seiner Uraltmeiler in den letzten Jahren fleißig aufpoliert hat. Der andere Wortführer, Großbritannien, hat sogar das größte Neubauprogramm für Atomkraftwerke in der westlichen Welt mit einem Umfang von 16 Gigawatt aufgelegt. Finnland baut neue Meiler, Frankreich ebenfalls, Belgien denkt über eine nukleare Laufzeitverlängerung nach. Die Kehrseite der Anti-Kohle-Medaille lassen die jubelnden Ökogruppen tunlichst unter den Tisch fallen."