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19. Januar 2018Die Wirtschaftspresseschau

Für "Augenwischerei" halten nicht wenige Kommentatoren die von Apple angekündigten Milliarden-Investitionen in den USA. Sie seien vor allem den Vorteilen der Steuerreform geschuldet.

Apple-Logo (imago/Waldmüller)
Apple-Logo (imago/Waldmüller)

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU erklärt:

"Lange bunkerte Apple gigantische Schätze außerhalb der Heimat, weil der Firma die US-Tarife nicht passten - Verantwortung hin oder her. Nun bietet Trump an, den Großteil des Reichtums zu verschonen. Und schon fließen die Milliarden. Damit zeigt Apple, dass Trumps Doktrin von 'America first' funktionieren kann, so rücksichtlos sie gegenüber der übrigen Welt ist. Das Kapital strömt in die USA, angelockt von Dumpingkonditionen. Dabei ist Apple nicht nur wahrscheinlich, sondern mit Sicherheit der Konzern, der am wenigsten einen Nachlass bräuchte."

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG sieht es ähnlich:

"Ob es einem passt oder nicht: Apples Kurswechsel ist Trumps Erfolg. Trotzdem empfiehlt sich die Methode nicht zur Nachahmung. Die US-Steuerreform hat viele Haken, und in jedem Fall geht der gesellschaftliche Friede verloren. Heute machen die Bosse zähneknirschend ihren Kotau, und bei erstbester Gelegenheit werden sie zu Lasten von Staat oder Arbeitnehmern agieren. Eine Verrohung der Sitten gibt es nie gratis, sie rächt sich immer. Die Apple-Milliarden haben sich die USA teuer erkauft."

Nicht unbeachtet bleibt auch eine neue Studie des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Demnach wäre eine Reduzierung des Treibhausgasausstoßes um 80 Prozent bis zum Jahr 2050 möglich und volkswirtschaftlich verkraftbar. Das HANDELSBLATT schreibt:

"Der BDI hat seit vielen Jahren ein massives Problem. Er bekennt sich einerseits immer wieder öffentlich zu den deutschen Klimaschutzzielen. Andererseits aber bezieht er jedes Mal dann eine defensive oder gar ablehnende Haltung, wenn es darum geht, die Ziele umzusetzen. Das ist seit gestern vorüber. Der Verband hat eine Studie vorgelegt, an deren Ergebnissen er sich künftig messen lassen muss."

DER TAGESSPIEGEL aus Berlin wertet die neue Position der Industrie als

"Durchbruch, wichtiger und nachhaltiger wirksam als die meisten politischen Klimaschutzpläne und -ziele. Wer jetzt noch vor einer 'Deindustrialisierung' durch den Klimaschutz warnt und vom 'Wahnsinn Energiewende' spricht, ist isoliert und bewegt sich ins Abseits. Die deutsche Industrie will Klimaschutz und Energiewende, das steht jetzt fest. Das Jahr ist noch jung, aber der Klimaschutz hat einen mächtigen Verbündeten dazubekommen."