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20. April 2018Die Wirtschaftspresseschau

Nicht nur der Opel-Betriebsrat lehnt das Sanierungskonzept des Mutterkonzerns PSA ab, auch aus der Politik kommt Kritik. Doch nach Ansicht der meisten Kommentatoren ist die Lage bei Opel so desolat, dass an einer harten Sanierung kein Weg vorbeiführt.

Opel-Werk in Rüsselsheim (dpa/Arne Dedert)
Opel-Werk in Rüsselsheim (dpa/Arne Dedert)

Opel sei in Deutschland einfach nicht wettbewerbsfähig, notiert das HANDELSBLATT:

"Während es Ford schafft, im Werk Köln einen Fiesta binnen elf Stunden zu produzieren, benötigen die Rüsselsheimer 28 Stunden, bis ein fertiges Auto vom Band rollt. Diese Differenz kostet. Laut Berechnungen des Center Automotive Research hat Opel einen Personalüberhang von rund 5.000 Mitarbeitern. So viel ist klar: Ohne radikale Schritte werden die Rüsselsheimer, die seit bald 20 Jahren immer wieder hohe Verluste schreiben, nie aus den roten Zahlen kommen. Alle bisherigen Restrukturierungen waren zu halbherzig."

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG allerdings empfiehlt PSA, ein paar Besonderheiten zu beachten:

"Das Werk Eisenach ist ein großes Symbol der deutschen Wiedervereinigung. Gibt man dem Werk, den 1.800 Leuten dort, die versprochene Chance? Oder streicht man rigoros, und zwar noch weit vor Ablauf der ursprünglichen Drei-Jahres-Frist? Tavares und seine Leute in Paris täten gut daran, ein wenig mehr auf deutsche Befindlichkeiten einzugehen: Das Gespräch suchen. Wort halten. Chancen aufzeigen. Opel den Respekt zollen, den sie selbst einfordern. Denn sonst wird das leider schwierig mit der Rettung des Autobauers."

Ebenfalls ein Thema ist das Frühjahrsgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsinstitute. Nach Einschätzung der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG lässt es

"wenig Zweifel daran, dass der deutsche Aufschwung langsam aber sicher zu Ende geht, dass der Spielraum fürs Geldausgeben nicht größer, sondern kleiner wird. In der Unternehmenswelt ist klar, was in solchen Phasen zu tun ist: Man investiert in jene Bereiche, die in Zukunft das meiste Wachstum versprechen und übt sich ansonsten in Sparsamkeit. Von einer solchen Denkweise ist im politischen Betrieb leider wenig zu spüren."

Dabei gäbe es doch so viel zu erledigen, meint die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG:

"Das extrem komplizierte Steuerrecht müsste dringend entrümpelt und Bürger wie Unternehmen entlastet werden. Die Finanzpolitiker sollten zudem ihre Etats umschichten: weg von immer mehr Sozialleistungen hin zu Investitionen in digitale und Verkehrsinfrastruktur sowie Bildung. Zu wenig von all dem findet sich im Koalitionsvertrag. Wenn das politische Berlin von Euro-Partnern mehr Reformeifer verlangt, sollte es mit gutem Beispiel vorangehen."