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Wirtschafts-Presseschau

27. Juni 2017Die Wirtschaftspresseschau

Wieder einmal auf Kosten der Steuerzahler werden in Italien die beiden maroden Regionalbanken Banca Popolare di Vicenza und Banca Veneto abgewickelt. Bei den Kommentatoren stößt das auf wenig Gegenliebe.

Eine italienische Flagge und die Flagge der EU. (Deutschlandradio / Ellen Wilke)
Eine italienische Flagge und die Flagge der EU. (Deutschlandradio / Ellen Wilke)

DER STANDARD aus Wien schreibt:

"Die Hilfsaktionen stoßen sauer auf, weil die EU den Bürgern längst weisgemacht hat, dass keine öffentlichen Mittel mehr in darniederliegende Kreditinstitute fließen werden. Doch immer wieder finden Nationalstaaten, EU-Kommission und Aufsicht Argumente, warum das neue Regelwerk im aktuellen Fall gerade nicht angewendet werden muss. Mit der Vorgangsweise wird gleich mehrfacher Schaden angerichtet: Die Banken finanzieren sich viel zu billig, weil niemand an einen echten Ausfall glaubt, die leere Staatskasse wird massiv belastet; und für die Glaubwürdigkeit der EU heißt das: Es gilt das gebrochene Wort."

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG bedauert:

"Aus den misslichen Erfahrungen im Veneto wie zuvor in Siena mit Monte dei Paschi wollen die italienischen Politiker und Bankaufseher leider nichts lernen. Vielmehr lautet die Schlussfolgerung, dass die europäischen Regeln, auch diejenigen der Bankenunion, an die Erfordernisse des kurzatmigen italienischen Populismus angepasst werden müssten. Italien ist wieder einmal gegen Regeln, die zu mehr Selbstverantwortung führen. Es fordert dafür aber mehr Haftung der anderen Europäer."

Und die TAGESZEITUNG - TAZ - fragt:

"Wieso soll die Allgemeinheit jenen Anlegern das Risiko abnehmen, die sich beim Kauf ihrer Obligationen von attraktiven Zinsen locken ließen? Nicht alle von ihnen wurden am Schalter über den Tisch gezogen. Und weiterhin gilt das starke Argument für die europäischen Bail-in-Regeln: Es gibt schier keinen Grund, dass Investitionen in Banken gleichsam risikolos erfolgen, dass die Gewinne privatisiert, die Verluste dagegen verstaatlicht werden."

Der japanische Airbag-Hersteller Takata hat nach seiner gewaltigen Rückrufaktion Insolvenz anmelden müssen. Einen der Gründe sieht das HANDELSBLATT darin, dass

"die sogenannte Gleichteile-Strategie im Automobilbau riesige Dimensionen angenommen hat. Dass in möglichst vielen Modellen die gleichen Teile verbaut werden, soll die Kosten senken. Doch bei Fehlern in den Produkten zeigt sich die Kehrseite dieser Strategie. Für den japanischen Zulieferer Takata wird ein solches Problem nun zur Überlebensfrage. Für andere Zulieferer ist der Fall ein Warnsignal: Sie brauchen eine starke Kultur, um mit Fehlern offen umzugehen – das könnte ihr Überleben sichern."