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StartseiteCampus & KarriereUS-Einreiseverbote als Chance?01.02.2017

Wissenschaftsstandort DeutschlandUS-Einreiseverbote als Chance?

Angesichts der neuen US-Einreiseverbote betont die Bundesregierung die Offenheit Deutschlands für Wissenschaftler aus den betroffenen Ländern. Forschungsministerin Johanna Wanka stellt aber auch klar: Ein offensives Anwerbeprogramm lehnt sie ab.

Von Christiane Habermalz

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am 29.01.2016 in Berlin bei der Pressekonferenz zur Evaluation "Wie geht es weiter mit der Exzellenz-Initiative für Wissenschaft und Forschung?" (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellte diese Woche eine Zahl auf ihre Website: 34.351. So viele wissenschaftliche Kooperationen mit ausländischen Hochschulen und Forschungsinstituten unterhalten deutsche Universitäten – in insgesamt 155 Ländern. Eine Zahl, auf die man stolz ist in Deutschland, und die in den kommenden Jahren noch weiter ausgebaut werden soll. Die über 100 Seiten starke Internationalisierungsstrategie, mit der Bundesforschungsministerin Johanna Wanka den Austausch in Bildung, Wissenschaft und Forschung weiter vorantreiben, liest sich in Zeiten von nationaler Abschottung und der Errichtung von Grenzzäunen wie ein Kontrastprogramm. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka betonte heute in Berlin:

"Dass wir jetzt die aktuelle Situation haben, die Bedrohung der Freiheit von Wissenschaft an vielen Standorten in der Welt, und deswegen ist es glaube ich auch ein Zeitpunkt wo man noch mal ganz deutlich hier sagen muss, was der Grundansatz unserer Internationalisierungsstrategie ist: das ist die Offenheit, das Setzen auf Zusammenarbeit und Vernetzung, Wissenschaft muss international sein, völlig unabhängig von der Nation und dem Ort.

Mehr statt weniger Engagement in Afrika und Asien

Klar ist: Deutschland setzt gerade jetzt nicht auf weniger, sondern auf mehr internationale Vernetzung, auch über ein verstärktes Engagement in Afrika und Asien. Mehr als 90 Prozent des globalen Wissens entsteht den Angaben des Ministeriums zufolge außerhalb Deutschlands. "Für Deutschland ist es als Hightech-Standort zentral, in weltweite Wissensflüsse und Wertschöpfungsketten integriert zu sein", heißt es in dem Papier. Und Deutschland ist mittlerweile gut aufgestellt, so das Zeugnis von Jürgen Mlyneklangjähriger Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, jetzt Sprecher des High-Tech-Forums "Internationalisierung".

"Wie steht Deutschland betreffs Forschung international da? Sehr gut! Das deutsche Forschungs- und Wissenschaftssystem war noch nie so attraktiv seit dem Zweiten Weltkrieg, wie es heute ist."

In den letzten sechs Jahren haben sich laut Bericht die Mittel des Bundes für internationale Forschungskooperationen mehr als verdoppelt. Studierende und Wissenschaftler sind mobiler geworden. 37 Prozent der deutschen Studierenden gehen mittlerweile ins Ausland, allerdings erst 4 Prozent der Azubis. Das muss besser werden, räumt Wanka ein: Bis 2020 soll wenigstens jeder Zehnte Auszubildende während seiner Lehre Auslandserfahrung machen. Gleichzeitig ist Deutschland unter den Top Five der beliebtesten Zielländer für internationale Studierende – nach den USA, GB, Australien und Frankreich.

Eine Chance für den Wissenschaftsstandort Deutschland?

Doch mit Sorge blickt man auf die politischen Entwicklungen in der Türkei und Russland, in Großbritannien und den USA. Schon jetzt hätten die amerikanischen Einreiseverbote für Wissenschaftler eine enorme Auswirkung, kritisierte Wanka. Am schlimmsten sei die Unsicherheit. Und es stellten sich viele Fragen für internationale Forschungsprojekte:

"Für uns ist jetzt auch ganz wichtig: Die Rohdaten: Wer hat den Zugriff, wenn die plötzlich zumachen? Wir sehen, dass die USA ein ganz wichtiger Strandort ist international in der Wissenschaft, und wenn dieser Standort geschwächt wird, wenn das was bisher dort galt, Weltoffenheit, nicht mehr zum Tragen kommt, dann ist es ein Nachteil für uns alle, weil dann die Internationale Wissenschaft, die Leistungskraft geschwächt wird." 

Kein Aktives Head Hunting

Die Unionsfraktion im Bundestag sieht in den Abschottungstendenzen der anderen bereits eine Chance für den Wissenschaftsstandort Deutschland – und forderte gestern, ein Sonderprogramm aufzulegen, um internationale Spitzenforscher aus muslimischen Staaten, aber auch aus den USA und Großbritannien nach Deutschland zu holen. Doch Aktives Head Hunting komme für sie nicht in Frage, stellte Wanka heute klar:

"Ein Anwerbeprogramm oder ein Abwerbeprogramm würde ich politisch auf keinen Fall akzeptieren. Das ist kontraproduktiv, weil wir von der Grundhaltung auf Kooperation setzen." 

Vielleicht ist es aber auch völlig ausreichend, als Kontrast zu Trumps Einreiseverboten die Tore weit offen zu halten. Mlynek fasst es so zusammen:

"Unsere Antwort und unsere Empfehlung, die lauten: Mauern runter, Offenheit, Willkommenskultur."

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