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WM 2026 in NordamerikaWer für wen stimmte

Die Delegation der gemeinsamen Bewerbung der USA, Kanada und Mexiko jubelt beim FIFA-Kongress über den Zuschlag für die WM 2026. (Pavel Golovkin/AP/dpa)
Die Delegation der gemeinsamen Bewerbung der USA, Kanada und Mexiko jubelt beim FIFA-Kongress über den Zuschlag für die WM 2026. (Pavel Golovkin/AP/dpa)

Im Vorfeld der Vergabe der WM 2026 war wegen der offenen Abstimmung viel über eine mögliche Einflussnahme durch Amerikas Präsident Donald Trump diskutiert worden. Das Abstimmungsverhalten der Länder erzählt aber auch andere Geschichten - zum Beispiel über die Westsahara.

Es war - wie so oft - ein Tweet von Trump, der für helle Aufregung sorgte. Die Wahl des WM-Ausrichters 2026 kommentierte der US-Präsident mit den Worten: "Die USA haben eine starke Bewerbung mit Kanada und Mexiko abgegeben. Es wäre doch schade, wenn Länder, die wir immer unterstützen, nun gegen die USA arbeiten. Warum sollten wir diese Länder in Zukunft unterstützen, wenn sie uns nicht unterstützen?" Eine wenig verdeckte Drohung, die laut Vergabeprozess auch eigentlich verboten ist.

Bei der Abstimmung war ein neues Wahlsystem zum Einsatz gekommen. Erstmals ermittelte der FIFA-Kongress den WM-Gastgeber in offener Abstimmung aller Verbände (PDF mit Einzelstimmen in der Übersicht). Doch auch das neue System war - wie Trumps Tweet zeigte - nicht frei von Einflussnahmen. Durch die offene Abstimmung hätten sich beispielsweise Entwicklungsländer genötigt sehen können, für den Dreierbund aus USA, Kanada und Mexiko zu stimmen, so die Kritik.

Nordkorea stimmt für Marokko

Die FIFA veröffentlichte nach dem Kongress das Abstimmungsverhalten der einzelnen Länder. Und das bot einige Überraschungen. Die größte: Einen Tag nach dem vielbeachteten Gipfeltreffen zwischen Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un stimmte der Verband Nordkoreas für Marokko. Die Hintergründe dieses Stimmverhaltens sind nicht bekannt.

Südamerikas Konföderation CONMEBOL hatte sich eigentlich geschlossen hinter die nordamerikanische Bewerbung gestellt. Selbst Venezuela, dessen Regierung große Spannungen mit den USA hat, hielt sich daran - doch Brasilien scherte aus und wählte Marokko. In der Konföderation für Nordamerika, Mittelamerika und die Karibik holte die nordamerikanische Bewerbung alle Stimmen, die möglich waren - mit Ausnahme einer Enthaltung aus Kuba. Aus Europa stimmten mehrere Verbände gegen die amerikanische Bewerbung, beispielsweise die Niederlande und Frankreich. Deutschland votierte für Nordamerika, Spanien enthielt sich.

Streit um Westsahara nachteilig für Marokko

Marokko vereinigte in Afrika dagegen längst nicht alle Stimmen auf sich. Von 52 stimmberechtigten afrikanischen Verbänden votierten gleich elf gegen Marokko. Das könnte man auf Trumps Drohungen zurückführen - doch es könnten auch andere Gründe eine Rolle spielen. Zum Beispiel der Westsaharakonflikt: Norwegen sprach sich auch deshalb für Nordamerika aus, weil die Westsahara-Frage in der Bewerbung außen vor gelassen sei.

Der Status der Westsahara ist ungeklärt, Marokko beansprucht das Gebiet als "südliche Provinzen" seines Landes. In dieser Frage zog Marokko einst seinen Botschafter aus Südafrika ab, Namibia teilte vorab mit, "niemals eine Kolonialmacht zu unterstützen". Auch mit dem Iran gibt es Streit in dieser Frage - und der stimmte, da seine Beziehungen zu den USA mindestens genauso schlecht sind, für keine der beiden Bewerbungen.

Offenheit zeigt die Konflikte

Das neue Abstimmungsverhalten zeigt also, wie politisch aufgeladen die WM-Vergabe ist. Die neue Offenheit trägt Konflikte offen zu Tage. Früher votierten nur die wenigen Funktionäre des Exekutivkomitees geheim - dieses System galt als höchst korruptionsanfällig. Die Vergaben der Turniere nach Russland (2018) und Katar (2022) sind bis heute Gegenstand von Ermittlungen.

Diese Nachricht wurde am 13.06.2018 im Programm Deutschlandfunk gesendet.