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StartseiteVerbrauchertippWas Fußball-Fans am Arbeitsplatz beachten müssen 29.05.2018

WM-ÜbertragungenWas Fußball-Fans am Arbeitsplatz beachten müssen

Millionen Fußball-Fans werden die WM in Russland verfolgen - wenn sie nicht gerade arbeiten. Denn bei aller Begeisterung: An den Bestimmungen des Arbeitsrechts ändert auch eine WM nichts. Der Spagat zwischen den Interessen fußballbegeisterter Mitarbeiter und den Belangen eines Unternehmens kann aber dennoch gelingen.

Von Klaus Deuse

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Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft (dpa)
Ob und wie man sich auch während der Arbeitszeit über die Fußballspiele informieren kann, erklärt der Dlf-Verbrauchertipp (dpa)

Frank Vogt arbeitet als Elektriker bei einem Maschinenbauunternehmen im Schichtbetrieb. Wie viele andere möchte er trotzdem kein wichtiges Spiel verpassen. Darum hat er, wie er glaubt, eine Lösung gefunden.

"Mit einem Kollegen habe ich auch schon gesprochen. Der wäre eventuell bereit, der ist nicht so ein ganz großer Fußballfan, eine Schicht mit mir zu tauschen."

Eine solche Tauschaktion ist jedoch nicht zulässig, stellt die Bochumer Fachanwältin für Arbeitsrecht Dr. Katja Mihm fest. Denn: "Die Arbeitsleistung ist immer grundsätzlich eine höchstpersönliche Leistung. Also man hat nicht das Recht, selber zu entscheiden, dass man sich von jemand anders vertreten lässt."

Es sei denn, so Katja Mihm, man beantragt einen solchen Tausch bei der Unternehmensleitung und erhält dafür die Genehmigung. Dann steht man auf der sicheren Seite und kann bei der Fußballübertragung Zuhause oder in einer Kneipe mitfiebern. Mag auch während der WM quasi der öffentliche Ausnahmezustand gelten, die Vorschriften des Arbeitsrechts bleiben bestehen.

"Man kann grundsätzlich sagen, dass die Fußball-WM jetzt kein besonderes Ereignis ist, was die normalen Regelungen per se außer Kraft setzt."

Dekoration am Arbeitsplatz ist nicht immer erlaubt

Selbst wenn die deutsche Elf einen Sieg nach dem anderen erringen sollte, dann heißt das noch lange nicht, dass man seinen Arbeitsplatz aus Begeisterung mit Fanartikeln dekorieren darf.

"Ohne Erlaubnis grundsätzlich nicht. Es ist natürlich die Frage, inwieweit dann anlässlich der WM vielleicht doch eine gewisse Duldung dann auch des Arbeitgebers einsetzt. Aber einen durchsetzbaren Anspruch hat der Arbeitnehmer grundsätzlich erst einmal nicht."

Vor allem bei Unternehmen mit Publikumsverkehr ist Zurückhaltung Pflicht. Das gilt ebenso für das persönliche Erscheinungsbild der Mitarbeiter im Hinblick auf Gesichtsschminke, Fanshirts oder Halsbänder in den Deutschlandfarben. Der bekennenden Begeisterung sind Grenzen gesetzt. Doch wie hält man sich erlaubterweise auf dem Laufenden über das Geschehen auf dem Spielfeld während der Arbeitszeit? Normalerweise wird Radiohören geduldet. Aber eine Fußballreportage zu verfolgen ist, so die Arbeitsrechtlerin Dr. Katja Mihm, etwas völlig anderes als Hintergrundmusik.

"Weil das natürlich auch die Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, so dass dann die Arbeitsleistung erst einmal grundsätzlich nicht ordentlich ausgeübt wird."

Hören von Fußballübertragungen kann verboten werden

Das Hören von Fußballübertragungen kann folglich verboten werden. Auch die via Kopfhörer eines Smartphones. Fragen der Arbeitsausübung unterliegen immer dem Direktionsrecht des Arbeitgebers. Auch was das Aufstellen eines Fernsehgerätes am Arbeitsplatz betrifft. Und das heißt während einer Fußball-WM: "Ist also nicht erlaubt. Weil, wenn man dann Fernsehen schaut, schon die Arbeit nicht in dem Umfang ausübt."

Der Spagat zwischen den Interessen fußballbegeisterter Mitarbeiter und den Belangen eines Unternehmens kann aber dennoch gelingen. Und zwar durch Vereinbarungen zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung. Etwa indem man Fans Freistellungen einräumt, die für die gewährte  Freistellung ihre Arbeitszeit vor-, bzw. nacharbeiten oder dafür ihr angespartes Arbeitszeitkonto verwenden. Ansonsten zieht König Fußball im Arbeitsalltag den Kürzeren.

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