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StartseitePost aus BrasilienDeutschland? Keine Gewinnertypen!14.06.2014

WM-UmfrageDeutschland? Keine Gewinnertypen!

Wer wird Weltmeister? Eine nicht-repräsentative DLF-Umfrage unter brasilianischen Straßenkünstlern, Straßenfegerinnen, Schulkindern und Taxifahrern zeigt: Eine Mehrheit entscheidet sich für Brasilien. Die deutsche Elf wird dagegen unterschiedlich bewertet.

Von Jonas Reese

Brasilianischer Fan in Sao Paulos Innenstadt (oh)
Brasilianischer Fan in Sao Paulos Innenstadt (oh)

Egal wen man fragt. Die Antwort kommt immer schnell, ohne großes Überlegen: Brasil. Mit einem leicht gesummten „s" und langgezogenen „i". Egal ob man Fabio den Straßenkünstler fragt. Die Straßenkehrerinnen Graca, Severina, Silvana und Edluisa. Die Schuljungen Lucas und Felipe. Oder den Verkehrspolizisten Marcos. Sie alle antworten auf die Frage, wer die WM gewinnt: Natürlich, ihr geliebtes Heimatland.

Straߟenkünstler Fabio in Sao Paulos Innenstadt  (oh)Straߟenkünstler Fabio in Sao Paulos Innenstadt (oh)

Auch Taxifahrer Edvaldo sagt das. „Die werden schon dafür sorgen", meint er. Schließlich ist das ja die Lula-WM. Lula, der beliebte Ex-Präsident, hatte die Bewerbung Brasiliens vorangetrieben und in einer Mischung aus Optimismus und Größenwahn das Turnier riesiger geplant als eigentlich notwendig. Es sollte die Größe und Stärke seines Landes zeigen. Deshalb meint Edvaldo: „Die Schiedsrichter werden schon so pfeifen, damit das klappt, das hat man ja im Spiel gegen Kroatien gesehen." Ausführlich wurde nach dem Eröffnungsspiel in allen Medien darüber diskutiert, ob Brasiliens Stürmer Fred wirklich gefoult wurde oder eine Schwalbe hingelegt hat.

Und die einzige Mannschaft, die dem Gastgeber in die Quere kommen könnte ist Alemanha - da sind sich auch fast alle Beteiligten einig. Deutschland hat ein starkes Team: Müller (gesprochen Mulla), Schweinsteiger (gesprochen: Sveinsdeiger) und Götze (Gotzi). Lieblingsspieler vom neunjährigen Felipe: Jerome Boateng. Warum? „Na ja, er wirkt sympathisch und souverän."

Straߟenkehrerinnen in Sao Paulos Innenstadt bei der Mittagspause (oh)Straߟenkehrerinnen in Sao Paulos Innenstadt bei der Mittagspause (oh)Nein, meint dagegen Edvaldo in seinem nagelneuen, blitzenden weißen Taxi: „Die Deutschen gehören doch immer zu den Favoriten, aber am Ende gehen sie leer aus." Starkes Team aber keinen Gewinnergeist, da helfe auch ein Strandressort im schönen Bahia nicht. „Ich bin selbst Bahianer. Ich weiß  wovon ich spreche."

Und die anderen Mannschaften: Spanien zu alt. Argentinien zu abhängig von Messi. Holland. Spielen die überhaupt mit? Italien. "Ja, ist immer gefährlich. Und hat auch immer das hübscheste Team", findet Straßenkehrerin Severina. Aber sie wird die Spiele wahrscheinlich kaum sehen können, bedauert sie. Noch nicht mal die brasilianischen. Sie und ihre Kolleginnen müssen sechs Tage die Woche arbeiten. „Aber dann machen wir schon mal etwas ausführlicher vor einer Fußball-Kneipe sauber und gucken mit einem Auge zu."

(oh)Pförtner Zé an seinem Arbeitsplatz in Sao Paulo (oh)Pförtner Zé hofft sogar auf Deutschland als Weltmeister. "Lieber Deutschland als Brasilien", sagt er. Diese ganze WM-Euphorie geht ihm auf die Nerven. "Bloß nicht Brasilien. Dann könnten sich die ganzen Politiker auch noch damit schmücken." Aber am liebsten wäre es ihm, wenn Argentinien gewänne. Der Erzrivale aus dem Nachbarland. Oder noch besser: Spanien, durch ein Tor des abgeworbenen und eingebürgerten Stürmerstars Diego Costa. Der hätte eigentlich für die Selecao auflaufen sollen, hat sich dann aber für Spanien entschieden. Oder nein: Natürlich. Uruguay soll gewinnen. Im Finale gegen Brasilien. Im Maracana-Stadion. Wie 1950. Das alte Trauma.

Dann lehnt sich Zé zufrieden in seinem kleinen Pförtnerhäuschen zurück. Dick eingepackt in seiner knallgelben Brasilien-Jacke. In diesen Tagen hat er sich extra einen kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher auf die Fensterbank gestellt.

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