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StartseiteForschung aktuellWo stecken die Zecken?23.10.2013

Wo stecken die Zecken?

Zeckenzählung in Baden-Württemberg soll Risikokarten verbessern

Hirnhautentzündung oder Borreliose: Zecken gehören in Deutschland zu den gefährlichsten Krankheitsüberträgern. Im Süden krabbeln besonders viele Exemplare, die Viren und Bakterien in sich tragen. Ein Forschungsprojekt in Baden-Württemberg untersucht die Lebensweise und Verbreitung der Spinnentiere.

Von Volker Mrasek

Blick auf ein saugendes Zeckenweibchen auf menschlicher Haut (AP)
Blick auf ein saugendes Zeckenweibchen auf menschlicher Haut (AP)

Littwin: "Wir sind jetzt in der Waldstadt, östlich direkt vom Wildparkstadion."

Pfäffle: "Es ist sehr bewölkt. Kalt. Herbst."


Miriam Pfäffle und Nina Littwin sind beide Biologinnen und Parasitologinnen am Karlsruher Institut für Technologie. Und an diesem Herbsttag im Hardtwald unterwegs, nicht weit von der Hochschule entfernt. Dort befindet sich eine ihrer Untersuchungsflächen, erzählt Pfäffle:

"Wir haben hier mehrere ein Quadratmeter große Parzellen. Die sind durch Schneckenzaun eingegrenzt."

In diesen sonderbaren Parzellen steckt ein Haufen schmaler Holzstäbe. Bis in Kniehöhe ragen sie aus der Laubstreu am Waldboden ...

"Sechs mal acht: 48." - "48." - "48 Stöcke."

Mit den Holzstäben locken Pfäffle und Littwin Zecken an. Die Parasiten klettern daran hoch, um sich bei nächster Gelegenheit auf ein Wirtstier zu stürzen und ihm Blut abzusaugen. Auf ihren Wachtposten können die Zecken von den Forscherinnen bequem gezählt werden:

"Wie viele hier draufsitzen jetzt? Eins, zwei, drei, vier, fünf, sieben ... sieben Weibchen. Und auch noch ein paar Männchen." - "Das wird dreimal in der Woche gemacht von März bis Oktober. Und November bis einschließlich Februar einmal in der Woche."

Die Karlsruher Biologinnen sind an einem Projekt des baden-württembergischen Umweltministeriums beteiligt. Sein Ziel ist es, quasi alles über Zecken in Deutschlands Südosten herauszufinden: wo sie genau vorkommen; welche Krankheitserreger sie tragen; wie die Vegetation und das Klima in ihrem Lebensraum beschaffen sind und welche Wirtstiere dort vorherrschen.

Das können viele sein, wie Miriam Pfäffle sagt: Die winzigen Larven der Zecken stürzten sich gerne auf Kleinsäuger wie Mäuse und Igel, die ausgewachsenen Holzböcke eher auf Rehe oder Wildschweine:

"Wir wollen wirklich alles zusammenfassen. Das ist eigentlich ziemlich einzigartig bis jetzt."

Zecken tragen und übertragen zum Beispiel das FSME-Virus. Einen Erreger, der für den Menschen sehr gefährlich werden kann. Denn er löst eine Hirnhautentzündung aus, die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis, warnt Pfäffle:

"Da ist noch sehr, sehr, sehr viel, was man nicht weiß. Es gibt sogenannte Hotspots, in denen diese Viren auftreten in Zecken. Die können so groß wie ein Fußballfeld sein. Und außen herum findet man keine einzige Zecke. In Bayern gibt's auch Studien. Da ist ein Waldstück, und das ist getrennt durch einen Waldweg. Auch kein wirklich breiter Waldweg. Aber auf der einen Seite gibt's FSME und auf der anderen keinen."

Warum das so ist - darauf erhofft sich Miriam Pfäffle Antworten in dem Projekt. Außerdem sollen die Verbreitungskarten für FSME viel genauer werden. Bisher gelte ganz Baden-Württemberg als Risikogebiet, so die Biologin. Doch wie erwähnt, sagt Pfäffle,

"kommt FSME in bestimmten Hotspots vor. Deswegen kann man das gar nicht so pauschal sagen."

Littwin: "Also, das Baumwolltuch ist an einem Besenstiel befestigt. Und das zieh' ich jetzt auf einer Strecke von zehn Metern über den Untergrund im Wald."

An insgesamt 25 Waldstandorten werden Zecken jetzt in Baden-Württemberg gesammelt, gezählt und untersucht. Es gibt auch schon vorläufige Ergebnisse.

Die größten Bestandsdichten erreichen die Parasiten demnach in Auwäldern mit bis zu vier Individuen pro Quadratmeter, gefolgt von Buchen- und Eichenmischwäldern. Weitgehende Fehlanzeige dagegen unter Nadelhölzern, und praktisch gar keine Zecken gibt es offenbar in Höhenlagen über 800 Metern. Päffle:

"Zum Beispiel am Feldberg haben wir eine Station. Die ist ungefähr bei 1200 Metern. Da haben wir bis jetzt noch keine Zecke gefunden."

Den Spinnentieren ist es dort zu kalt. Und sie schaffen es nicht, sich von der Larve über die Nymphe bis zum ausgewachsenen Holzbock zu entwickeln.

Auwälder wiederum sind Zecken sehr genehm. Denn dort ist es sehr feucht, und sie neigen nun mal zum Austrocknen:

"Die Unterseite drehen wir jetzt nach oben. Und jetzt geht's ums Schauen und Finden". "Da ist ein Weibchen. Sieht man an dem rötlichen Körper und dem schwarzen Schild." "Und 'ne Kreuzspinne haben wir auch gefangen."

Im kommenden Jahr rechnen Nina Littwin und Miriam Pfäffle übrigens mit wenig Zecken. In dieser Saison gab es nämlich keine Bucheckern und nur wenig Eicheln im Wald. Deshalb sind die Mausbestände mangels Nahrung zusammengebrochen. Viele Zeckenlarven dürften also diesmal keinen Wirt gefunden haben und verendet sein, wie Miriam Pfäffle vermutet:

"Das ist meine Hypothese, aber das können wir natürlich erst nächstes Jahr herausfinden."

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