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StartseiteCampus & KarriereWo steckt das neue System?16.02.2010

Wo steckt das neue System?

Stand der Entwicklung eines Online-Verfahrens zur Studienplatzvergabe

Der Startschuss für das neue Studienzulassungssystem ist gefallen: Nach längeren Diskussionen mit den Bundesländern und der Hochschulrektorenkonferenz hat das das Bildungsministerium jetzt den Entwicklungsauftrag für die Online-Studienplatzbörse an T-Systems gegeben.

Von Peter Welchering

Zukünftige eine neue Auswahl? Studenten sitzen in einem vollen Hörsaal  in der Humboldt-Universität in Berlin. (AP)
Zukünftige eine neue Auswahl? Studenten sitzen in einem vollen Hörsaal in der Humboldt-Universität in Berlin. (AP)

Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat mit großem PR-Aufgebot ein neues Studienzulassungssystem in Auftrag gegeben. Das soll innerhalb der nächsten 18 Monate von den Programmierern der Telekom-Tochter T-Systems in Frankfurt am Main entwickelt werden. Und weil T-Systems in der Vergangenheit schon mal so einige Probleme mit komplexen Softwareprojekten hatte, siehe das Mautsystem, hat die Bildungsministerin erst einmal ein sogenanntes Pflichtenheft, auch Lastenheft genannt, in Auftrag gegeben. Das haben die Forscher des Fraunhofer-Instituts First in Berlin geschrieben. Und es ist sehr umfangreich geworden. Gleichzeitig sagt das Pflichtenheft aber wenig über das Vergabesystem mit seinen Programmtechnischen Details aus, das da zum Wintersemester 2011/2012 in Betrieb genommen werden soll. Professor Stefan Jähnichen vom Fraunhoferinstitut First in Berlin umschreibt das so:

"Also, wir haben keine konkreten technischen Anforderungen gestellt, also Anforderungen schon aber keine Lösung vorgegeben. Wir haben nicht gesagt, benutzen sie bitte die und die Datenbank oder benutzen bitte den und den Browser, sondern das ist offen, das liegt in der Entscheidung des Entwicklers, also der Firma, die die Entwicklung betreibt."

Und das ist T-Systems, die jetzt beginnt, das Webportal und die dahinter liegende Datenbank zu programmieren. Und zwar mit folgenden Rahmenvorgaben. Ungefähr 10.000 Bewerbungen pro Tag muss das System abarbeiten können. Es muss rund um die Uhr im World Wide Web verfügbar sein. Die einfache Bedienbarkeit ist Pflicht. Und die Zusatzinformationen über Studiengänge, Hochschulen und Studienorte müssen leicht erreichbar sein. Vor allen Dingen sollen die Studienbewerber schneller ihre Zulassung bekommen und somit rechtzeitig zum Semesterbeginn mit dem Studium loslegen können. So ungefähr steht es jedenfalls im Pflichtenheft. Stefan Jähnichen von Fraunhofer First:

"Ich hoffe mal, dass sie das dann alles verstanden haben aber trotzdem haben wir natürlich ständig Konsultationen mit T-Systems, das fängt jetzt auch sofort an, wo wir auch dann uns um vielleicht Unklarheiten oder vielleicht unscharfe Definitionen natürlich noch kümmern wollen, das heißt wird gehen davon aus, dass wir eigentlich in einer ständigen Kommunikation mit T-Systems sein werden."

Und diese ständige Kommunikation wird auch notwendig sein. Denn im Augenblick weiß noch niemand, wie dieses Webportal genau aussehen wird und was nach der Umwandlung der Dortmunder Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) in die Stiftung für Hochschulzulassungen im kommenden Frühjahr noch an Systemanforderungen dazu kommt. Noch ist gar nicht ausgemacht, dass auch wirklich alle bundesdeutschen Hochschulen ihre gesamten Studiengänge über das neue Webportal vergeben. Und deshalb programmieren die Entwickler von T-Sytems nach dem Startschuss von Bundesbildungsministerin Schavan auch noch nicht sofort wie wild drauf los. Stefan Jähnichen:

"Wir möchten mit T-Systems natürlich erstmal Klarheit darüber haben, dass das mit dem Lastenheft wirklich funktioniert. Die müssen halt sehr schnell anfangen auch mit den konkreten Arbeiten, es muss auf der Seite des Auftraggebers natürlich auch die Struktur geschaffen haben, um schnelle Entscheidungen zu treffen, was beispielsweise Änderungen angeht. Dann müssen die auch sehr schnell bearbeitet werden, die Bereitschaft der Hochschulen mitzumachen ist natürlich ein Risiko und so können sie weitermachen."

Im Augenblick sind Webportal und Datenbankanwendung für das Studienplatzsystem eher als Vision, denn als Projekt zu werten. Das räumt auch Professor Jähnichen ein:

"Man muss klar sagen, dass der Zeitrahmen, der gegebene Zeitrahmen für die Entwicklung des Systems sehr sportlich ist. Das heißt, wir haben natürlich von den Zeitvorgaben ein gewisses Risiko, dessen sind wir uns auch bewusst, wir müssen auch sehen, dass wir die Hochschulen anbinden müssen, also auch von Seiten der Hochschulen müssen natürlich noch Arbeiten gemacht werden. Also, das ganze System, die ganze Systementwicklung ist sicherlich nicht ohne Risiko und es gibt sicherlich auch einen kritischen Pfad, den wir stark beachten werden, aber wir hoffen doch, dass wir das System, in der gegebenen Zeit entwickeln können."

Mit den ersten Testläufen müsste also in einem Jahr begonnen werden. Dann wird sich herausstellen, ob solch ein komplexes System überhaupt in dieser knappen Zeit erfolgreich an den Start gebracht werden kann. Die kritischen Punkte, die unter Umständen zum Systemabsturz führen könnten, mag Professor Jähnichen nicht auf den Tisch legen:

"Also, es gibt bestimmt noch ein paar andere Punkte, die man an der Stelle mitsagen sollte. Aber ich würde das jetzt nicht ausführlich diskutieren wollen, wir werden unseren Auftraggeber regelmäßig darüber informieren, wo wir Risiken sehen und wir werden auch möglichst dafür sorgen, dass die Risiken beseitigt werden."

Gut möglich also, dass wir doch noch ein wenig länger auf das so viel beschworene Studienplatzvergabesystem warten müssen.

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