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Wohlfühl-Panzer für die indonesische Armee

Militärische Ungetüme, die niemand braucht

Von Udo Schmidt

Kampfpanzer vom Typ Leopard 2
Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 (picture alliance / dpa / Krauss-Maffei Wegmann)

Indonesien hat bei der deutschen Firma Rheinmetall mehr als 150 Panzer bestellt. Aber was will das Inselreich damit? Das südostasiatische Musterland mit prosperierender Wirtschaft hat zwar einen Konflikt mit West-Papua, aber dort im Regenwald würden die Panzer stecken bleiben. Offenbar handelt es sich um einen reinen Prestige-Kauf.

62 Tonnen schwer, rund acht Meter lang, der Leopard 2 – Panzer ist ein ziemliches Ungetüm. Indonesiens Armee hat ihn trotzdem bestellt, gleich 103 Stück, bei Rheinmetall runderneuert und ein wenig umgebaut – dazu 50 kleinere Marder-Schützenpanzer.

Indonesien ist ein von 240 Millionen Menschen bewohntes riesiges Inselreich in Südostasien, grundsätzlich kein Panzerland, meint der Militärexperte Bernhard Loo von der Singapurer Nanyang Universität.

"Militärisch gibt es für Indonesien ganz einfach keinen Grund, sich diese Panzer zuzulegen."

Indonesien ist ein Inselreich mit schlechter Infrastruktur, sagt Loo. Was sollen da schwerfällige Panzer ausrichten?

"Ich nehme an, dass die Panzer auf der Hauptinsel Java bleiben werden, weil sie auch kaum per Boot auf andere Inseln transportiert werden können. Mangels entsprechender Boote. Selbst auf Java ist die Infrastruktur schlecht."

Indonesien ist seit dem Ende der Diktatur Suhartos auf einem guten demokratischen Weg. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono hat die Korruption in seinem Land bisher zwar nicht erfolgreich genug bekämpfen können, trotzdem aber eine gute, weltweit anerkannte Figur gemacht. Indonesien gilt als Musterland in Südostasien, sowohl politisch als auch ökonomisch. In den Großstädten wächst eine kaufkräftige Mittelschicht heran, der Binnenmarkt boomt, die Wachstumsraten liegen konstant bei gut sechs Prozent.

Am Rande Indonesiens, in West-Papua allerdings gebärdet sich dieses demokratisch verfasste Land wie die alte Diktatur früherer Jahrzehnte. Menschenrechtsverletzungen der Armee sind dokumentiert, begangen an der dortigen Bevölkerung, die sich Autonomie oder besser einen eigenen unabhängigen Staat wünscht, und dabei Ost-Timor vor Augen hat, dass nach langem Bürgerkrieg seit gut zehn Jahren von Indonesien unabhängig ist.

103 deutsche Leopard-Panzer, die Sorge liegt nahe, dass diese gegen die eigene Bevölkerung in West-Papua eingesetzt werden könnten. Das ist unwahrscheinlich, sagt Militärexperte Bernhard Loo, aus mehreren Gründen:

"West-Papua ist die ärmste Provinz, ohne Straßen und die Panzer sind für einen Dschungelkampf gegen Rebellen nicht einsetzbar. Im Regenwald würden die ganz einfach stecken bleiben."

217 Millionen Euro umgerechnet gibt Indonesien für die Panzer aus, immerhin 63 der bestellten Leopard-Gebrauchtmodelle sind vom Typ MBT Revolution, der für den Straßenkampf ausgerüstet sein soll. Also doch Einsatzort West-Papua? Nein, sagt Experte Loo, mit den Panzern werden keine Menschenrechte verletzt.

Er hält die Anschaffung für ausschließlich machtpolitisch begründet. Um zwei Dinge gehe es dabei. Zum einen um die Machtbalance mit Malaysia, dem Nachbarstaat, dem einzigen, zu dem es eine Landgrenze auf Borneo gibt und dem Indonesien seit Jahrzehnten latent konfliktreich verbunden ist. Konfrontasi nennt man das in der indonesischen Landessprache Bahasa.

"Es geht um den einfachen Tatbestand, dass auch Malaysia etwa einhundert Panzer erhalten hat und Indonesien nicht zurückstehen wollte."

Malaysia hat die Panzer in Polen gekauft, T 90 sowjetischer Bauart, viele letztlich erworben als Ersatzteillager für die Zukunft.

Das Machtgleichgewicht in Südostasien, so Loo, wird durch die 103 eher unbeweglichen Leopard-Panzer aber nicht sehr berührt. Eben, weil sie unbeweglich bleiben werden, folgt man den Ausführungen des Militärexperten.

Daher, so Loo, sind die Panzer, die Java wahrscheinlich mangels Infrastruktur niemals verlassen werden, ganz schlicht und einfach dazu da, das Militär und vor allem die Generalität glücklich zu machen:

"Mehr als alles andere geht es um die Armee und deren Führung. Die soll sich gut fühlen."

Und das Militär ist wichtig in Indonesien. 2014 wird ein neuer Präsident gewählt. Der Amtsinhaber darf dann nicht noch einmal antreten. Fünf Kandidaten werden derzeit gehandelt, alle sind hochrangige Militärs. Und auch der amtierende Präsident Yudhoyono ist ehemaliger General.

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