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Wolkige Geschäfte

Angeblich behindert der Datenschutz die Nutzung von Cloud-Computing im Firmenbereich

Von Jan Rähm

Das Projekt "Cloud4E" will mittelständischen Unternehmen ermöglichen, Simulationen flexibel in die Cloud zu verlegen.
Das Projekt "Cloud4E" will mittelständischen Unternehmen ermöglichen, Simulationen flexibel in die Cloud zu verlegen. (picture alliance / dpa / Peter Steffen)

Cloud-Computing boomt. Allerdings eher auf privatem Feld. Im geschäftlichen Bereich sind die im Internet virtualisierten Dienste noch nicht sehr verbreitet. Durch welche Maßnahmen sich das ändern könnte, wurde nun auf dem Kongress "Trusted Cloud" diskutiert.

Staatlich geförderte Projekte wie "CLOUDwerker" oder "Cloud4E" sollen dem geschäftlichen Einsatz der Cloud den Weg bereiten. "CLOUDwerker" zum Beispiel soll Handwerksbetrieben den Alltag erleichtern, indem Auftragsbearbeitung und Kundenmanagement als einfach nutzbarer Dienst im Internet gebucht wird. "Cloud4E" will mittelständischen Unternehmen ermöglichen, Simulationen flexibel in die Cloud zu verlegen, statt sie auf eigener teuerer Hardware durchzuführen. Beide Cloud-Dienste sind Projekte, die zeigen müssen, ob sie auf Akzeptanz stoßen. Es ist gerade Akzeptanz, die bisher noch den großen Erfolg der Cloud in Deutschland verhindert. Das Problem ist nicht ganz neu. Bereits um die Jahrtausendwende herum buhlten elektronische Marktplätze um die Gunst der geschäftlichen Anwender, hatten dabei aber nur mäßigen Erfolg, erinnert sich Henning Kagermann, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften.

"Zur Zeit des Internetbooms damals war die Gesellschaft nicht reif. Ich glaube die Technologie war nicht reif. Heute kommen die gleichen Ideen wieder und ich würde sagen, sowohl Technologie wie Gesellschaft ist reif dafür. Das gilt in gleichem Maße derzeit für Cloud-Computing."

Dabei ist das Thema Cloud heute in aller Munde. Es sind vor allem private Anwender, die Urlaubsbilder und Dokumente im Internet speichern und Softwarelösungen aus dem Netz benutzen. Doch die Anbieter der Dienste kommen meist aus Übersee. Deutsche Anbieter? Bisher selten anzutreffen. Vor allem in Sachen Cloud-Infrastruktur haben wenige, international aufgestellte Unternehmen den Markt unter sich aufgeteilt.

"Von der Anbieterseite sind wir, wenn wir natürlich auf die Hardwareseite gucken, im Hintertreffen, keine Frage, weil die Firmen haben natürlich jahrelange Erfahrung im Aufbau von cloudcenter-artigen Data Centern. Also hier ist ein großes Maß an Erfahrung, was wir so nicht haben. Auf der Nutzerseite würde ich das nicht so sehen. Ich glaube nicht, dass die Amerikaner trotz dieser großen Anbieter in der Nutzung von Cloud-Services weiter sind. Also von daher gesehen, gibt es große Möglichkeiten, hier gleichzuziehen."

Auch die Internetwirtschaft in Deutschland will vom Cloud-Boom profitieren. Sie setzt auf Vertrauen. Vertrauen darin, dass die eigenen Daten vor fremden Zugriff sicher sind und Vertrauen darauf, dass die eigenen Daten sicher im Sinne von ausfallsicher gespeichert sind. Und so sieht der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar gerade die deutschen Datenschutzbestimmungen nicht als Hinderungsgrund für virtuelle Datendienste, sondern vielmehr als einen Standortvorteil für deutsche Angebote in der Cloud.

"Der zentrale Hinderungsfaktor für die Cloud ist das mangelnde Vertrauen in die Cloud-Services und die Befürchtung, dass da andere auf die eigenen Daten zugreifen und das kann für Firmen ziemlich bitter werden, wenn die eigenen Geschäftsgeheimnisse, wenn die Kundendaten möglicherweise an die Konkurrenz gehen. Das will man vermeiden, deshalb zögert man. Deshalb wäre ein guter Datenschutz, der dann in der Cloud auch garantiert ist, nicht ein Geschäftshindernis, sondern die Vorraussetzung für gute Geschäfte."

Das Stichwort lautet: Trusted Cloud. Und so machen sich derzeit Bundesregierung, Forschung und Wirtschaft daran, sichere und verlässliche Cloud-Lösungen für die Geschäftswelt zu etablieren. Was Deutschland dabei auf dem internationalen Markt zusätzliche Punkte einbringen könnte, sind die etablierten Kernkompetenzen der Wirtschaft in Deutschland wie das weltweit angesehene Ingenieurwesen oder der Maschinenbau. Dieter Kempf, Präsident des Branchenverbands BITKOM:

"Das ist aus meiner Sicht die Verbindung von industrieller Produktion mit intelligenter ITK-Nutzung, also das, was unter dem Stichwort Industrie 4.0 steht. Da haben wir allerbeste Chancen, mit Wertschöpfung aus Deutschland heraus international punkten zu können, weil wir hervorragendes Engineering-Know-how im Maschinenbau, in elektrotechnischer Industrie, in Verfahrenstechnik haben und wenn wir dies bündeln mit unserem softwaretechnischen Prozess-Know-how, dann glaube ich, spielen wir da in der Zukunft eine große Rolle - wenn wir dies wollen."

Künftig geht es also darum, die Kompetenzen gezielt einzusetzen und sinnvolle virtuelle Dienste zu etablieren. Klappt das, profitieren nicht nur die Anbieter, sondern auch Kleinbetriebe, Handwerker und mittelständische Unternehmen von den Lösungen in der Cloud.

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