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StartseiteCampus & KarriereSurvival-Camp für angehende Lehrer28.08.2015

Workshop in MagdeburgSurvival-Camp für angehende Lehrer

Um junge Menschen, die Lehrer werden wollen, vor Enttäuschungen zu bewahren, versucht die Uni Magdeburg Studieninteressierte bereits im Vorfeld über aufmüpfige Schüler, nervige Helikopter-Eltern und ständig wachsende Anforderungen, aber auch über die schönen Seiten des Berufs aufzuklären - mit einem ganz speziellen Workshop.

Von Keywan Tonekaboni

(Carsten Rehder/dpa)
Kinder in einer Grundschule: Die Anforderungen an den Lehrerberug wachsen stetig. (Carsten Rehder/dpa)
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Ein Grüppchen Studieninteressierter betritt schüchtern den modernen Seminarraum. Begrüßt werden sie von Katrin Nodorf und Silke Tettenborn. Beide arbeiten in der Lehrerausbildung an der Magdeburger Otto von Guericke-Universität. Sie haben einen Workshop geplant, um Interessierte am Lehramts-Studium eben darauf vorzubereiten. Unentschlossene sollen bei ihrer Entscheidung unterstützt werden – diejenigen mit Studienplatz-Zusage können ihre Wahl nochmal überdenken. Doch gekommen sind nur eine Handvoll, wie etwa die 17-jährige Schülerin Caroline.

"Ich wollte mich über das Lehramt-Studium halt informieren, weil ich zur Grundschule gehen will. Ich wusste halt noch nicht, dass hier in Magdeburg keine Grundschule ist, aber ich wollte mich halt nur weiter informieren."

Dabei geht es in der Veranstaltung weniger um allgemeine Informationen, wie  Studiengänge, Kurse und Abschlüsse. Denn die beiden Dozentinnen wollen den künftigen Studierenden gleich zu Beginn einen Einblick in den Lehrerberuf geben. Und das ganz grundsätzlich: Ist die Wahl des Studiengangs auch die richtige? Silke Tettenborn vom Zentrum für Lehrerbildung sieht Begeisterung für den künftigen Beruf als notwendige Voraussetzung.

"Wir wollen natürlich die Bewerber informieren und vor allem auch dafür begeistern, was diesen Beruf ausmacht und natürlich auch darüber informieren was es ausmacht, um die Bewerber die nicht dieses Gefühl haben, also diesen Job nicht aus einer Berufung heraus machen wollen, sondern einfach weil er Geld bringt, eine sichere Anstellung, denen auch ein Stück weit zu zeigen, Lehrer ist mehr als Unterricht."

Die Wahl für den Lehrerberuf ist für manche Schüler deshalb naheliegend, da sie diesen täglich vor Augen haben. Doch das ist zu wenig, um auf Dauer mit der Entscheidung zufrieden zu sein. Neben dem Fachwissen für das entsprechende Unterrichtsfach verlangt der Lehrerberuf persönliche, soziale und pädagogische Kompetenzen. Die Studieninteressierten sollen daher hier ihre Erwartungen reflektieren. Katrin Nodorf, die neben der Uni auch selbst als Lehrerin arbeitet, hat dafür verschiedene Methoden im Sinn.

"Es geht über Gespräche, aber auch über Fallbeispiele und kleine Rollenspiele, Lehrer/Schüler, darum in diese Rolle zu schlüpfen und die Studierenden sollen versuchen, einen Perspektivenwechsel einzunehmen, wie sehe ich mich in einer möglichen Rolle als Lehrer."

Übernachtungsmöglichkeit auf dem Campus

Doch jetzt sitzt nur eine Handvoll Interessierte da und wirkt leicht überfordert. Da mit so wenigen Teilnehmern die Rollenspiele nicht funktionieren, greifen die beiden Bildungs-Wissenschaftlerinnen zu Plan B. Ein Plan B, betont Katrin Nodorf gegenüber der Gruppe, sei für Lehrer immer wichtig.

"Die Zeit reicht jetzt für ein paar wenige Folien, auf denen wir versuchen darzustellen was den Beruf des Lehrers ausmacht."

Dann referiert sie knapp eine halbe Stunde frontal, darüber was ihr am Lehrerberuf wichtig ist. Die Anwesenden folgen fast reaktionslos den Ausführungen. Nur gegen Ende gibt es ein paar zaghafte Nachfragen. Für Fabian, der noch einen Studienplatz sucht, ist wenig Neues dabei:

"Ja, die Veranstaltung hat mich eigentlich echt verstärkt in meinem Wunsch noch, da sie gesagt haben, dass es sehr viel wert auf die Erziehung gelegt wird und, naja, sie haben auf jeden Fall so erzählt, was Lehramt eigentlich ausmacht, was ich im Endeffekt auch schon wusste, mit der Erziehung."

Und auch wenn Caroline jetzt etwas mehr Orientierung hat, konnte sie für sich nicht viel mitnehmen:

"An meinem Wunsch hat sich jetzt nichts geändert, außer das er noch stärker geworden ist. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass Grundschullehrer nicht verbeamtet werden, aber sonst so gut wie alle Lehrer. Ja, das war eigentlich das Neuste jetzt so für mich."

Zu kurz kommt das Ziel der Veranstaltung: die Reflexion der eigenen Erwartungen mit den Anforderungen des Lehrerberufs. Das Angebot wird von den potenziell zahlreich vorhandenen Studienbewerbern kaum angenommen. Und das, obwohl die Universität versucht, die Veranstaltung möglichst attraktiv zu gestalten: Neben der Beratung sollen persönliche Betreuung, abendliches Grillen und kostenlose Übernachtung auf den Campus locken. Die geringe Resonanz erklären sich die Bildungswissenschaftlerinnen Katrin Nodorf und Silke Tettenborn mit dem Überangebot an Informationsveranstaltungen. Schade, denn eine gute Idee verpufft so im Nirwana zwischen Abitur und Semesterstart.

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