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StartseiteCampus & KarriereWortgefecht im Wasserwerk14.06.2004

Wortgefecht im Wasserwerk

Deutsche Debattier-Meisterschaften in Bonn

<strong>Volle Ränge im Bonner Wasserwerk, dem ehemaligen Bundestag. Am vergangenen Wochenende trafen sich hier 156 Studierende aus rund 30 deutschen Hochschulen zum Finale der so genannten 4. Deutschen Debattiermeisterschaften. Seit 2001 kann man in Deutschland von einer engagierten studentischen Debattierszene sprechen, die sich jährlich mehrmals zu Wortgefechten trifft und in universitären Debattierclubs organisiert ist. Der Redewettstreit, der von der Wochenzeitung "die Zeit" ideell und finanziell unterstützt wird, stand dieses Mal unter der Schirmherrschaft eines bekannten Politikers und leidenschaftlichen Redners. </strong>

Von Antje Allroggen

Reden was das Zeug hält (intuitivmedia.net)
Reden was das Zeug hält (intuitivmedia.net)

Die Debatte, sie hat ihren großen Ursprung in den Universitäten. In der mittelalterlichen Universität, der Scholastik. Sie war eine Schule der Disputation. Geradezu choreographisch organisiert. Es gab die lectio, die Nachfolge der lectio ist die heute nicht sehr aufregende Vorlesung, und es gab die disputatio, da war ramba zamba.

Norbert Blüm, ehemaliger Arbeitsminister der Kohl-Regierung und prominenter Repräsentant der Bonner Republik, hatte am gestrigen Sonntagnachmittag das studentische Rededuell wortgewaltig eröffnet – das bislang größte Turnier in der Geschichte des deutschen Debattierens. Drei Tage lang hatten sich über 100 Studierende aus 30 verschiedenen deutschen Hochschulen auf das große Finale vorbereitet. Acht waren schließlich bis zur Endrunde übrig geblieben: Junge Männer, allesamt in korrekt sitzenden Anzügen, das Haar glatt gekämmt, der Auftritt zum Rednerpult sicher und gekonnt.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich freue mich ganz besonders, heute hier stehen zu dürfen.

(Klatschen im Publikum)

Thema des studentischen Rededuells war die leider wenig Spannung verheißende Überschrift: "Bill Gates ist wichtiger als Johann Wolfgang von Goethe", die allen Debattanden erst 15 Minuten vor Redebeginn von der Jury mitgeteilt worden war. Der verbale Schlagabtausch orientiert sich nach festen Regeln des Britischen Parlaments: Zwei Teams – Regierung und Opposition – treten jeweils zum Rededuell an und versuchen, den Gegner mit Argumenten und rhetorischen Mitteln zu bezwingen.

Verehrtes Publikum, verehrte Damen und Herren, gerade als Absolvent einer hessischen Gesamtschule ist es mir eine besondere Ehre, das Wort an Sie richten zu dürfen.

Was uns noch fehlt, ist das Informatik-Gymnasium, da, wo Informatik im Vordergrund steht. Wie soll das denn aussehen? Wir wollen ein spezielles Gymnasium errichten.

Nun, dann kam die Informatikerschwemme, die Welle, die Flut.

Ich möchte eingehen auf die Frage: Was ist überhaupt Humanismus, ich möchte dann thematisieren, welche Bedeutung hat der heute für die Gesellschaft, und dann möchte ich abschließend darauf eingehen, was wirklich im Leben zählt.

Jetzt zu Bill Gates. Was war das wesentliche Verdienst von Bill Gates? Es ist die Leistung, einen Computer, ein Betriebssystem so aufzustellen, dass auch ich als Historiker, dass auch ich als Geisteswissenschaftler, dass auch ich als Absolvent einer hessischen Gesamtschule in der Lage bin, einen Computer zu bedienen.

Lachen und Klatschen im Publikum

Am Ende eines knapp dreistündigen Schlagabtausches überzeugte die Fachjury der Diskussionsbeitrag des Heidelberger Debattierclubs. Moniert wurde, dass es keine einzige Frau bis in das Finale in Bonn geschafft hatte.

Es gibt eigenartigerweise wenig Frauen unter den Debattierern, und es gibt intern auch immer wieder die Diskussion, woher kommt das, wieso beteiligen sich Frauen so wenig. Auch von den einzelnen Clubs gibt es immer wieder Anstrengungen, das zu ändern, Frauen aktiv in die Clubs reinzuholen. Also wir sind uns noch nicht einig, woran das liegt.

"Allerdings ist es wirklich schade, weil eine Frau immer einen anderen Aspekt in die Debatte einbringt.

Christina Reich, Vorsitzende des Bonner Debattierclubs und Mitglied der Jury. Die Zahl der studentischen Diskutanden ist in den vergangenen drei Jahren von neun auf 27 angestiegen. Organisiert sind die Vereinigungen im "Verband der Debattierclubs an Hochschulen". Viele begeisterte Jung-Redner hoffen, mit Hilfe der neuen Diskussionsschmieden endlich wieder an die Hoch-Zeiten akademischer Disputationen anknüpfen zu können. Die beiden Final-Sieger Christian Gollner und Jan Lemnitzer:

Ich wär sehr froh, wenn die deutsche Debattierszene eines Tages so wichtig und angesehen und bedeutsam ist wie die britische und die Clubs aus Cambridge und Oxford sind schon so ein bisschen unsere Vorbilder.

Ein wichtiger Beitrag unserer Clubs ist neben der Teilnahme an Turnieren auch, möglichst viele Studenten für das Debattieren zu begeistern und möglichst vielen Studenten Feedback zu geben wie man ein geübterer Redner wird, und das sehen wir als unseren Beitrag, klein, bescheiden, aber immerhin, zur deutschen Debattierkultur.

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