Sport am Wochenende / Archiv /

 

Zahltag bei der WM

Fußballweltverband FIFA zeigt sich in Südafrika spendabel in Südafrika

Von Jens Weinreich

Das Gesicht der großzügigen FIFA: Der Präsident des Fußballweltverbandes, Joseph Blatter, bei einem Besuch in Hamburg.
Das Gesicht der großzügigen FIFA: Der Präsident des Fußballweltverbandes, Joseph Blatter, bei einem Besuch in Hamburg. (AP)

Es lohnt sich sportlich und auch finanziell für die Teams, bei der Fußball-WM in Südafrika Schritt für Schritt in der K.O.-Runde weiterzukommen: Für den vierten WM-Titel hat der Deutsche Fußball-Bund beispielsweise 250.000 Euro für jeden Spieler des 23-köpfigen WM-Kaders ausgelobt, aber auch der Fußballweltverband lässt die Kassen klingeln.

Im Vergleich zu früheren Weltmeisterschaften zeigt sich die FIFA in Südafrika durchaus spendabel. 3,2 Milliarden US-Dollar erlöst der Konzern im WM-Zeitraum 2007-2010. Davon gehen rund dreizehn Prozent an die 32 Endrunden-Teilnehmer. Jedes Team erhielt eine Million Dollar für die WM-Vorbereitung und acht Millionen für die Gruppenphase. Ab jetzt wird verdient: neun Millionen für das Achtelfinale, 14 Millionen fürs Viertelfinale, und dann ein Aufpreis für die besten vier Mannschaften – bis zu 30 Millionen für den Weltmeister.

Als Entschädigung an die Vereine, die WM-Teilnehmer abstellen, werden weitere 40 Millionen Dollar ausgeschüttet. Im Vergleich zur WM 2006 in Deutschland zahlt die FIFA 60 Prozent mehr. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen haben gerade die Klubs in den vergangenen Jahren hart um dieses Geld gekämpft, und auch die Nationalverbände argumentieren zu recht, dass all jene, die die Vermarktungseinnahmen der FIFA ermöglichen – also die Spieler – angemessen entlohnt werden sollten. Präzise betrachtet müsste die FIFA eigentlich eine größere Summe weitergeben, und die Diskussionen darüber laufen auch. Dies geht einher mit den Bestrebungen, Spielervertretern und Trainern in der FIFA Gehör und Stimme zu verschaffen.

Blatter ist derzeit in einer komfortablen Situation. Die Einnahme-Situation ist sehr gut, die Probleme beim Ticketverkauf, der finanziell weit unter den exorbitanten Hochrechnungen bleibt, belasten die FIFA nicht direkt, sondern vor allem das WM-Organisationskomitee. Blatter kann mit zusätzlichen und höheren Ausschüttungen wie etwa an die WM-Teilnehmer in gewisser Weise auch Gunst erkaufen. Er nutzt dies weidlich aus, mit großer Geste verkündete er kürzlich auf dem FIFA-Kongress Bonuszahlungen an die 208 Nationalverbände und die sechs Kontinental-Konföderationen. Jeder Nationalverband erhält eine Jahreszuweisung zusätzlich: je 250.000 Dollar. Jede Konföderation bekommt 2,5 Millionen.

Eigentlich wäre die FIFA verpflichtet, sämtliche Überschüsse komplett an die Basis weiterzugeben. Denn die Institution, die als Weltkonzern agiert, ist nach Schweizer Recht ein eingetragener Verein, der keine Steuern zahlen muss. Die FIFA dürfte eigentlich nicht profitorientiert agieren und derart hohe Rücklagen bilden. Dies gehört zu den vielen bizarren Konstellationen in der Parallelgesellschaft FIFA. Für den Weltverband, der seine WM als Franchise-Unternehmen vermarktet, gelten nicht nur in der Schweiz Sondergesetze. Und Präsident Blatter durfte jüngst auf dem Kongress ungerügt jubilieren, er fühle sich wie "auf einer Aktionärsversammlung”.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Sport aktuell

"Hooligans gegen Salafisten"Schrei nach Aufmerksamkeit

Deutsche Fußballhooligans in Bratislava

Sie nennen sich "Hooligans gegen Salafisten": 300 Mitglieder dieser Gruppe haben sich gestern in Dortmund versammelt. Darunter auch etliche Rechtsextremisten, die einen wesentlichen Teil dieser bundesweiten Gruppierung ausmachen.

SchwimmenLandestrainer mit Vorgeschichte

Zum 1. Oktober bekommt ein Landesverband im deutschen Schwimmsport einen neuen Landestrainer. Möglicherweise ein Angestellter auf Abruf, denn gegen den Mann läuft ein Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen.

GolfMartin Kaymer vor dem Ryder Cup

Der deutsche Golfspieler Martin Kaymer

Die Golf-Welt schaut nach Schottland. In Gleneagles heißt es Europa gegen die USA. Es geht um den Ryder Cup und somit nicht um Geld, sondern um Patriotismus und Prestige. Beim alle zwei Jahre ausgetragenen Kampf der Kontinente spielte zuletzt Martin Kaymer die Hauptrolle. Heiko Oldörp blickt zurück und schaut gleichzeitig voraus auf das diesjährige Duell.