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StartseiteVerbrauchertippDas Kleingedruckte genau lesen17.02.2017

ZahnzusatzversicherungenDas Kleingedruckte genau lesen

Ein Zahnarztbesuch ist bisweilen nicht nur schmerzhaft, sondern auch teuer, besonders dann, wenn ein größerer Eingriff ansteht. Deshalb entscheiden sich viele Patienten für eine Zahnzusatzversicherung. Experten raten allerdings dazu, Tarife genau zu vergleichen.

Von Klaus Deuse

 Perspektive eines Patienten beim Zahnarzt auf dem Behandlungsstuhl. Die Ärztin oder Zahnarztassistentin hält zwei Behandlungsgeräte in der Hand und beugt sich über den Mund des Patienten. ( picture alliance / dpa / © Andreas Gebert)
Oft sei eine Zahnzusatzversicherung unnötig, sagen Experten. Billiger sei es, Geld selbst beiseite zu legen. ( picture alliance / dpa / © Andreas Gebert)
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Für Michael Weber endete der Zahnarztbesuch mit einer folgenreichen Diagnose. Drei Zähne im Unterkiefer konnten nicht erhalten werden.

"Mein Zahnarzt empfahl mir dann die Implantate. Ich hab dann aber Gott sei Dank einen Kostenvoranschlag machen lassen. Und dann hab ich fast einen Schlag bekommen."

Über 2.500 Euro sollte der 45-Jährige als Eigenanteil dazu zahlen. Um für mögliche spätere Fälle vorzubeugen, schloss er eine Zahnzusatzversicherung ab.

"Weil ich schon denke, dass ich von meinem Lebensalter her noch ein bisschen Luft nach oben habe."

Im Durchschnitt zahlen gesetzlich Krankenversicherte pro Zahnersatz rund 850 Euro dazu. Zusätzlich zum Festbetrag, den die Krankenkasse bezahlt, wie Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW erläutert.

"Zahnzusatzversicherungen sollten diejenigen abschließen, die einen höherwertigen Zahnersatz wünschen. Das ist insbesondere eine Implantatversorgung.

Heute bekommt man für einen fehlenden Zahn einen Festzuschuss. Das heißt: Egal welche Maßnahme man macht und wie teuer diese Maßnahme ist, man bekommt nur einen bestimmten Betrag."

Bei privaten Zahnzusatztarifen geben die Versicherungsunternehmen die Höhe des Erstattungsbetrages meist in Prozent an. Hier sollte man sich aber nicht allein von der Höhe des Prozentsatzes blenden lassen. Denn es kommt entscheidend darauf an, ob sich dieser prozentuale Erstattungsbetrag auf die gesamte Rechnung bezieht – oder auf den Betrag, der übrig bleibt, nachdem die gesetzliche Krankenkasse ihren Festbetrag gezahlt hat.

Tarifvergleich ist schwierig

Das macht einen Vergleich der Tarife schwierig. Einen kleinen oder größeren Eigenanteil müssen die Versicherten fast immer noch zahlen. Bezieht sich der Prozentbetrag etwa auf die gesamte Rechnungssumme, kann das bis zu 20 Prozent der Rechnungssumme ausmachen. Ohnehin gilt: Auch Zahnzusatzversicherungen bieten keine 100prozentige Kostendeckung. Außerdem schließen diese Versicherungen manche Form von Zahnersatz auch aus. Man muss, sagt Elke Weidenbach, genau auf die Definition achten. Zum Beispiel bei Inlays.

"Da wird dann letztendlich nur der Zahnersatz bezahlt und nicht das Gold-Inlay."

Und sie fügt noch ein Beispiel an.

"Zum Beispiel sollte man schauen, ab welchem Zahn im hinteren Bereich überhaupt keine Keramikverblendung mehr bezahlt wird, sondern nur eine Metallverblendung."

Selber sparen statt Zahnzusatzversicherung

Genau zu vergleichen kann sich auszahlen. Zahnzusatzversicherungen kosten, je nach Leistung, für eine 30-jährige Person bis 30 Euro pro Monat und für eine 55jährige Person bis zu 50 Euro. Insgesamt kommen also Beträge zwischen 360 und 600 Euro im Jahr zusammen. Verbraucherschützerin Weidenbach hält es in vielen Fällen für sinnvoller, auf eine Zahnzusatzversicherung komplett zu verzichten und das Geld selbst zurückzulegen. Denn:

"Wenn man das zehn Jahre anspart, dann könnte man schon einige Implantate selber bezahlen."

Oder auch Inlays. Michael Weber ist inzwischen klar:

"Man musste schon im Detail hinschauen, um zu erkennen, dass eine 100prozentige Abdeckung auch eine Zahnzusatzversicherung nicht übernimmt."

Zusatzversicherung nicht vom Krankenkassenwechsel betroffen

Der Wechsel von einer gesetzlichen Krankenversicherung zu einer anderen bleibt übrigens ohne Einfluss auf eine private Zahnzusatzversicherung. Um unter den über 300 verschiedenen Tarifen den persönlich passenden zu finden, kann man sich an die Versicherungsberatung der Verbraucherzentralen wenden.

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