Dienstag, 19.06.2018
 
Seit 06:50 Uhr Interview
StartseiteCorsoGqom! Vom Untergrund zum Mainstream28.05.2018

Zakifo Musikfestival in Südafrika Gqom! Vom Untergrund zum Mainstream

Hip-Hop und elektronische Musik sind der Sound der Jugend in Südafrika. Während sich Rapper noch deutlich an US-Trends orientieren, entwickeln Elektropioniere in den Townships einen ganz eigenen Sound: Gqom!

Von Leonie March

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Luftaufnahme vom Stadtstrand in Durban, Südafrika (Aufnahme vom 24.05.2010) (dpa / Ralf Krüger)
Stadt der innovativen Musikszene: Skyline von Durban (dpa / Ralf Krüger)
Mehr zum Thema

Das Künstler-Multitalent Nakhane Schmerzhafte Themen sind für ihn heilsam

Kulturfestival Hifa in Simbabwe Hoffnung auf Meinungsfreiheit

Afro-Tech-Ausstellung in Dortmund Silicon Valley auf Afrikanisch

Neues Museum in Kapstadt Afrika in all seiner Vielfalt?

Urban Africa Festival "Ein neues Zeitalter für afrikanische Popmusik"

Durban liegt ihm zu Füßen. Der Nachwuchs-Rapper ByLwansta performt mit seiner Band in einer hippen Bar auf einem der Hochhausdächer. Die meisten im multikulturellen Publikum sind Anfang bis Mitte Zwanzig. Sie tanzen, feiern, singen mit. Offenbar rappt der gleichaltrige ByLwansta ihnen aus der Seele.

Seine Texte handeln von seinem schweren Start als Junge aus der Provinz, der in die Großstadt zieht. Von Einsamkeit und Selbstzweifel. Vom Leben als junger Dunkelhäutiger in einer Welt, die weiße Werte anstrebt. Vom Druck sich anzupassen und der Suche nach sich selbst.

"Die Musik hat mir dabei geholfen, all das auszudrücken, zu verarbeiten und Druck abzulassen, erzählt ByLwansta. Ich wollte, dass die Leute zuerst auf meine Texte hören und erst dann auf die Beats. Dabei sehe ich mich in der Tradition von Lo-fi und Old School Hip-Hop, bei dem die Botschaft im Mittelpunkt steht. Es ist mir wichtig, authentisch zu bleiben. Und das kommt auch bei meinen Fans gut an. Nicht jeder mag Hip-Hop, aber jeder von uns hört gern eine gute Geschichte."

Hip-Hop ist in Südafrika so beliebt wie noch nie. Während der Apartheid war die kleine Szene um Pioniere wie ‚Prophets of da City‘, noch überschaubar. Heute gehören ihre Künstler wie AKA oder Nasty C, der ebenfalls beim Zakifo Musikfestival aufgetreten ist, zum Mainstream.

Südafrikanischer Hip-Hop orientiert sich an den USA

Einige Texte spiegeln den harten Alltag in den Townships wieder, die tiefe gesellschaftliche Kluft zwischen Arm und Reich. Sie erzählen aber auch vom Aufstieg der Rapper, die mit Rolex am Handgelenk gern ihren Reichtum zur Schau stellen. Es ist unübersehbar, woher ihre Vorbilder stammen.

"Der südafrikanische Hip-Hop ist häufig noch eine direkte Kopie des US-amerikanischen. Wir sind noch dabei einen eigenen Stil zu entwickeln. Unter anderem fließen Elemente traditioneller südafrikanischer Musik wie Mbaqanga ein, dem Zulu-Swing der 60er Jahre. Kommerziell erfolgreich aber ist eher das, was auch in den USA populär ist."

Innovativer als die Hip-Hop Szene ist dagegen die südafrikanische Elektroszene. Nach Kwaito wird in den Clubs nun zu den unverwechselbaren Beats eines vergleichsweise neuen Musikstils getanzt: Gqom heißt er, was aus dem Zulu übersetzt so viel heißt wie Trommel.

"House is more like four beats and Gqom is more like this and faster than House."

Musiker rappt auf Bühne (Leonie March)Südafrikas Zakifo Musikfestival (Leonie March)

Während House-Musik von Rhythmen im Ein-Viertel-Takt geprägt ist, lebt unsere Musik von gebrochenen Beats, erklärt DJ Lag, einer der Pioniere dieses Stils.

"Vor 2013 war Gqom nur in den Townships von Durban verbreitet. Dem Erfolg meiner Kollegin Babes Wodumo ist es zu verdanken, dass unsere Musik den Weg in den Mainstream gefunden hat. Heute hört man unsere Tracks überall - im Radio, in den Minibustaxis und natürlich in den Clubs. Die Leute hier tanzen gern und bei unserer Musik kann man gar nicht still sitzen bleiben."

Gqom schafft den Sprung in internationale Clubs

Auch die internationale Clubszene ist mittlerweile auf diesen düster-hypnotisch-rauen Sound aus Südafrika aufmerksam geworden. DJ Lag, der selbsternannte König des Gqom, produziert unter anderem Musik für ein Londoner Label.

"Seit zwei Jahren bin ich fast ununterbrochen auf Tour und lege in verschiedenen Clubs auf, die immer rammelvoll sind. Meine Mission ist es, unsere Musik noch bekannter zu machen. Ein Markenzeichen ist, dass sie sich ständig verändert. Zu Beginn war sie sehr düster, dann kamen Synthesizer und regelrecht zerhackte Samples aus der traditionellen Zulu-Volksmusik Maskandi dazu. In letzter Zeit arbeiten wir auch verstärkt mit MCs zusammen, die auf unsere Tracks rappen."

Beim Zakifo-Festival hat DJ Lag seine neuesten Kreationen aufgelegt. Die Tanzfläche auf dem Club über den Dächern der Millionenmetropole ist in dieser Nacht brechend voll. Es ist unübersehbar: Elektronische Musik und Hip-Hop sind der Sound der südafrikanischen Jugend.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk