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StartseiteKommentare und Themen der WocheNetanjahu hat besonnen gehandelt29.07.2017

Zankapfel TempelbergNetanjahu hat besonnen gehandelt

Während die meisten Akteure im Tempelberg-Streit und auch einige Medien reflexhaft reagierten, habe die israelische Regierung besonnen gehandelt, kommentiert Sebastian Engelbrecht. Das Verhalten von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas habe dagegen zu weiterer Gewalt ermutigt.

Von Sebastian Engelbrecht

Israelische Sicherheitskräfte vor dem Felsendom auf dem Tempelberg in Jerusalem (AFP / Ahmad Gharabli)
Israelische Sicherheitskräfte vor dem Felsendom auf dem Tempelberg in Jerusalem. (AFP / Ahmad Gharabli)
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Die jüngste Tempelberg-Krise zeigt, dass die Akteure im Nahost-Konflikt mit Reflexen reagieren – und mit ihnen einige Medien, die über den Konflikt berichten. Gerade im Streit um den Tempelberg hat die israelische Regierung in der Vergangenheit immer wieder besonnen gehandelt. Sie tat es auch in diesem Fall.

Im Juni 1967 ging ein 1.900 Jahre lang gehegter Traum des Judentums in Erfüllung: Israel eroberte den Tempelberg. Aber der israelische Verteidigungsminister Mosche Dajan verzichtete darauf, den alten Traum wahr zu machen und das Plateau wieder in Besitz zu nehmen. Er überließ die religiöse Souveränität einer jordanischen Stiftung, dem "Waqf". Die Stiftung verwaltet seither die heiligen Stätten des "Haram al-Sharif", des "edlen Heiligtums" der Muslime.

Zum Status quo gehört seitdem auch, dass die israelische Polizei über die Sicherheit wacht an diesem Ort, der Juden und Muslimen gleichermaßen heilig ist.

Der Respekt der israelischen Regierung gegenüber den Muslimen an ihrer drittheiligsten Stätte setzt sich bis heute fort: Knesset-Abgeordnete dürfen den Tempelberg nicht mehr betreten, nachdem ein rechtsnational gesinnter Abgeordneter vor zwei Jahren mit seinem Auftritt provoziert hatte, ähnlich wie im Jahr 2000 der Oppositionspolitiker Ariel Sharon.

Netanjahu hat besonnen gehandelt

Bei aller Kritik, die die israelische Siedlungs- und Besatzungspolitik verdient: Auch in der jüngsten Tempelberg-Krise hat Ministerpräsident Netanjahu besonnen gehandelt. Er hat die Metalldetektoren an den Eingängen für muslimische Besucher zum "edlen Heiligtum" wieder abbauen lassen. Damit wollte er die Proteste der Muslime auf den Straßen von Ost-Jerusalem und in der arabischen Welt entschärfen.

Wo aber bleibt in der Tempelberg-Krise die Besonnenheit auf der arabischen Seite? Drei junge palästinensische Männer haben am 14. Juli zwei israelische Polizisten auf dem Tempelberg getötet. Die palästinensischen Muslime feiern die Attentäter als Helden und Märtyrer. Die jugendlichen Täter ließen sich zu einer fanatischen Tat aufpeitschen – zu einem symbolischen Rettungsakt für die heiligen Stätten der Muslime unter israelischer Besatzung. Auf den Straßen der arabisch-israelischen Stadt Umm El-Fahem, der Heimatstadt der Attentäter, herrschte bei der Beerdigung der Täter ein religiös-politischer Triumphalismus – wie in Ost-Jerusalem schon seit Wochen.

Unvernünftig und überflüssig

Die Parolen demonstrierender muslimischer Palästinenser, die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit Israel durch den palästinensischen Präsidenten Abbas, dazu noch die aufheizenden Statements des türkischen Präsidenten Erdogan haben zu weiterer Gewalt ermutigt. All das ist unvernünftig und überflüssig. Es folgt der Idee des Attentats: Der Mord an den israelischen Polizisten war eine Provokation, eine Aufstachelung zur Gewalt.

Das Aufstellen von Metalldetektoren war eine legitime Reaktion darauf – der Versuch, Gewalt einzudämmen. Dieses Vorgehen erscheint allerdings im Kontext des komplizierten Status quo im Herzen Jerusalems wie eine Verletzung der muslimischen Autoritäten.

Solange es kein Friedensabkommen zwischen Israel und den Palästinensern gibt, ist dieser Status quo am Tempelberg viel wert. Er garantiert einen relativen Frieden auf dem Tempelberg, wo Muslime sich zum Gebet versammeln, und an der Westmauer unterhalb des Berges, wo Juden beten.

Fragwürdige Reflexe

Ebenso fragwürdig wie die Solidarisierung der arabischen Herrscher mit der tobenden Menge in Ost-Jerusalem erscheinen die Reflexe mancher Journalisten. Der politische Fehler wurde auch in diesem Falle bei der israelischen Regierung gesehen, das Aufstellen der Metalldetektoren als "unvernünftig" gebrandmarkt. Aber mit Reflexen ist es nicht getan.

Vielmehr gilt: Die israelische Regierung hat am Tempelberg besonnen gehandelt. Und das nicht zum ersten Mal.

 

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