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StartseiteKommentare und Themen der Woche"Das Neue in der Medienwelt ist der ständige Wandel"21.03.2016

Zehn Jahre Twitter"Das Neue in der Medienwelt ist der ständige Wandel"

Der Papst ist dabei, Barack Obama, Lukas Podolski sowieso und auch der Deutschlandfunk macht mit. Die Rede ist von Twitter. Der Kurznachrichtendienst feiert seinen zehnten Geburtstag nicht ohne Sorgen. Aber es ist auf jeden Fall gut, dass es Twitter gibt, findet unser Kommentator.

Von Marco Bertolaso (@mbertolaso)

Auf dem Display eines iPhones sind App-Logos von Twitter zu sehen. (picture alliance / ZB / Jens Büttner)
Twitter feiert den zehnten Geburtstag ist Teil der Revolution unserer Medienwelt. (picture alliance / ZB / Jens Büttner)
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Als Horst Köhler im Mai 2009 zum Bundespräsidenten wieder gewählt wurde, da geschah das Unerhörte. Das Ergebnis wurde verbreitet, noch bevor es offiziell verkündet wurde. Damals gab es heftigen Streit und sogar Forderungen, im Bundestag Störsender einzurichten. Die Episode trug dazu bei, Twitter in Deutschland bekannt zu machen. Und selbst dieser Vorfall erinnert daran, was eine wesentliche Leistung sozialer Netzwerke ist: Sie schaffen Transparenz, sie machen es möglich, Informationen in Echtzeit zur Verfügung zu stellen, sie entziehen sich der Zensur. Kein Wunder also, dass Twitter in einigen Diktaturen verboten ist.

Twitter als Beispiel für die neue Kommunikationswelt

Inzwischen sind mehr als 500 Millionen Menschen bei Twitter, aber auch Institutionen, Verbände und Unternehmen. Sie alle senden und empfangen Botschaften. Insofern ist Twitter eine schöne Metapher für die Revolution in der Kommunikationswelt. Lassen Sie uns einige Punkte genauer betrachten.

Ob es zum Beispiel Twitter in zehn Jahren noch gibt, das weiß niemand. Das Unternehmen erfüllt derzeit nicht die Hoffnungen seiner Aktionäre. Soll heißen: Die mediale Revolution ist permanent. Hier hat nichts Neues einfach etwas Altes ersetzt. Das Neue, das ist der ständige Wandel.

Die unheilige Suche nach der steilen These

Ob Erika Steinbach nun per Fax an eine Redaktion poltert, in einem Interview mit der "FAZ" oder bei Twitter  – der Inhalt ist der gleiche. Aber die unheilige Suche nach dem einen knackigen Satz, nach der einen steilen These, sie wird durch soziale Medien weiter bestärkt. Bei Twitter kann man in 140 Zeichen nicht "Krieg und Frieden" schreiben, aber man kann einen Roman empfehlen. Es kommt also immer auf uns an, was wir mit einem Angebot machen. Mehr Aufklärung über Mediennutzung zum Beispiel in den Schulen kann da wohl nie schaden.

Grenzenlos und immer schneller

Als Schüler habe ich gestaunt, wenn ich in der Bahnhofsbuchhandlung die "Washington Post" vom Vortag sah. Als Student brachte mir CNN Bilder aus dem Irak-Krieg nach Hause, eine Auswahl wohlgemerkt, im Sinne des eingebetteten Journalismus. Über Twitter kann heute jeder mit Smartphone und Netz alles von überall berichten, über den Twitter-Zukauf Periscope kann er ein Video live übertragen. Grenzen spielen keine Rolle mehr, auch kaum mehr Grenzen von Datenmengen, und alles wird immer schneller.

Klassischer Journalismus aktueller denn je

Was können Journalisten tun, um nicht im rasenden Stillstand zu enden? Wer in einem Meer aus Informationen schwimmt, darf darin nicht untergehen. Informationen zu gewinnen, den Wahrheitsgehalt zu überprüfen, die Einordnung, all das ist aktueller denn je. Auch weil bei Twitter, Facebook und Co. andauernd Interessen beteiligt sind. Einerseits Interessen der Unternehmen selbst, die ihre Algorithmen auf den Werbeumsatz trimmen. Andererseits die vielfältigen Absichten der Akteure, ob sie nun BMW heißen oder SPD, Papst Franziskus oder Lukas Podolski.

"Möchte keinen Tag mit dem Internet gegen die alte Zeit tauschen"

Alles mag komplizierter werden und weniger übersichtlich. Dennoch möchte ich als Journalist keinen Tag mit Internet und Web 2.0 gegen die frühere Zeit tauschen. Wenn wir es gut machen, können wir heute mehr erfahren und schneller. Und wir können mehr Menschen informieren. Das alles machen wir beim Deutschlandfunk mit Ihrem Rundfunkbeitrag. Deshalb kann das letzte Wort in diesem Kommentar nur lauten: Danke!

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