• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 11:30 Uhr Sonntagsspaziergang
StartseiteCorsoZeichnen mit dem Rasenmäher25.06.2012

Zeichnen mit dem Rasenmäher

Der Kölner Künstler Ralf Witthaus plant eine "Internationale Rasenschau"

Seit fast fünfzehn Jahren hinterlässt Ralf Witthaus seine Spuren im Grün und schuf etwa in Leipzig ein Richard Wagner Festspielhaus. Jetzt will er die Welt mit seinen Rasenmäherzeichnungen erobern: mit der "Internationalen Rasenschau". Ihre Schauplätze sind Ostwestfalen Lippe und Neuseeland.

Von Kerstin Ruskowski

Zeichnen ist bei Ralf Witthaus wörtlich zu verstehen: Mit seiner Motorsense kann er sehr genaue Muster in Rasenflächen zeichnen. (Deutschlandradio - Daniela Kurz)
Zeichnen ist bei Ralf Witthaus wörtlich zu verstehen: Mit seiner Motorsense kann er sehr genaue Muster in Rasenflächen zeichnen. (Deutschlandradio - Daniela Kurz)

"Papa, wo kommen wir denn an, wenn wir unter unseren Füßen bohren?"

Als Ralf Witthaus seinem Vater diese Frage stellte, war er sieben Jahre alt.

"Und dann hat er halt geantwortet: Neuseeland. Was nicht ganz stimmt, weil eigentlich kommt man im Meer raus."

Und eigentlich hatte Witthaus die Geschichte auch schon fast wieder vergessen – bis vor zwei Jahren. Bei den Mäharbeiten zu seiner Bundesrasenschau im Kölner Grüngürtel machte Witthaus sich schon Gedanken über das nächste große Projekt. Schlicht, ihm fehlte eine Idee. An einem regnerischen Tag fragte er seinen ehrenamtlichen Helfer Willem Delange, der selbst Künstler ist und ihn schon bei mehreren Projekten unterstützt hat

"Wo wolltest Du schon immer mal hin? Und es regnete und Willem und ich, wir guckten uns an, sein Gesicht hellte sich auf und er sagte: 'Neuseeland'."

Witthaus erinnerte sich an die Worte seines Vaters. Und an die Frage, die ihn schon damals beschäftigt hatte: Wie sieht es auf der anderen Seite der Erde aus? Also beschloss er, in seinem nächsten Projekt die Themen Heimat und Ferne in den Vordergrund zu stellen. Die Idee des Bohrlochs war geboren. Nach der Bundesrasenschau lag auch der Titel auf der Hand: Internationale Rasenschau. In Deutschland soll das Bohrloch irgendwo zwischen Bad Oeynhausen, Löhne, Herford und Bielefeld entstehen – denn dort ist Witthaus geboren, aufgewachsen, zur Schule und zur Uni gegangen. Doch der Rasenmäherzeichner hat ganz bestimmte Vorstellungen, was den genauen Ort betrifft.

"Auf einer Größe von gut 100 Meter Durchmesser suche ich einen Ort, wo drinnen etwas passiert, wo gleichzeitig aber auch genug grüne Fläche da ist, damit ich ein Stück neuseeländische Landschaft hier oben zeichnen kann. Und in Neuseeland das Gleiche: Da muss was Spannendes sein und auf der anderen Seite brauche ich genug Gräser oder Rasenfläche, um das zu zeichnen, was ich in meiner Heimat gefunden habe."

Denn Zeichnen ist bei Ralf Witthaus wörtlich zu verstehen: Mit seiner Motorsense kann er sehr genaue Muster in Rasenflächen zeichnen – beispielsweise einen Baum, einen Zaun, Tiere oder auch Fußabdrücke. Bei der Internationalen Rasenschau will er die beiden Flächen in Deutschland und Neuseeland jeweils als Spiegel dessen nutzen, was sich auf der anderen Seite, in dem anderen Bohrloch befindet.

"Man muss sich das so vorstellen: Man steht auf einer riesigen Zeichnung in einer grünen Umgebung und man kann die Landschaft sehen, die auf der anderen Seite der Welt ist."

Für seine Rasenmäherzeichnungen bearbeitet Witthaus den Untergrund so lange, bis nur noch braune Erde zu sehen ist. Wer sieht, wie der Künstler und seine Helfer den Grünflächen zu Leibe rücken, ist oft irritiert – so auch dieser Herr bei der Bundesrasenschau 2010:

"Man sieht hier so Erdbrocken rumfliegen und ja, kann nur hoffen, dass das im nächsten Frühjahr wieder grün ist."

Diese Sorge ist unbegründet: Der Rasen im Kölner Grüngürtel ist inzwischen längst nachgewachsen. Witthaus hofft, dass die beiden Zeichnungen der Internationalen Rasenschau in Deutschland und Neuseeland gleichzeitig zu sehen sein werden. Für die Mäharbeiten im September und Oktober hat er pro Bohrloch fünf Tage mit 20 Helfern angesetzt, das heißt insgesamt 1600 Arbeitsstunden. Doch bevor es losgehen kann, muss Witthaus erst noch den richtigen Ort für seine Zeichnung finden – sowohl in Deutschland als auch in Neuseeland. Dort wird das Bohrloch im Botanischen Garten der Stadt Auckland entstehen - so viel steht fest. Doch wo genau er sein Bohrloch auf dem fast 65 Hektar großen Gelände gestalten wird, das muss Ralf Witthaus erst noch herausfinden: Am 6. Juli fliegt er deshalb nach Neuseeland.

"Also, ich kann das richtige Matching eigentlich erst dann entscheiden, wenn ich in Neuseeland über die dortigen Flächen gelaufen bin und dann einfach die Kompositionen, die sich ergeben können, miteinander vergleiche. Was macht Sinn? Was macht Sinn dort zusammenzubringen?"

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk