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StartseiteKalenderblattZiemlich real für eine Fiktion10.10.2010

Ziemlich real für eine Fiktion

Vor 25 Jahren starb der Schauspieler, Regisseur und Produzent Orson Welles

Mit der fiktiven Reportage "Krieg der Welten" hatte Regisseur Orson Welles in den 1930er-Jahren eine Massenpanik ausgelöst. Ihn amüsierte, dass sich viele in New York in ihren Kellern versteckten.

Von Ida Krenzlin

Orson Welles bei der Aufnahme zum Hörspiel "War of the Worlds" am 30.10.1938 in New York (AP Archiv)
Orson Welles bei der Aufnahme zum Hörspiel "War of the Worlds" am 30.10.1938 in New York (AP Archiv)

"This is Orson Welles, ladies and gentlemen.”"

Als Orson Welles 1939 nach Hollywood kam, galt er als Wunderkind. Im Alter von 24 Jahren war er ein in ganz Amerika bekannter Radiomann mit eigener Show, ein erfolgreicher Hörspielregisseur und Theaterleiter. Mit seiner Kompanie hatte er ein Jahr zuvor New York in Angst und Schrecken versetzt.

""New York, New Jersey. Warning. Poison and black smoke is falling in … Fire!"

"Krieg der Welten" - die fiktive Reportage über die Ankunft der Marsmenschen hatte 1938 eine Massenpanik ausgelöst. Dass sich viele New Yorker verstört im Keller versteckt hatten, amüsierte Orson Welles. Ein Halloweenscherz sei das Hörspiel gewesen, das ihm einen einmaligen Vertrag mit einer Produktionsfirma in Hollywood einbrachte. Mit einem Budget von 700.000 Dollar konnte er sein Meisterwerk "Citizen Kane" drehen, einen Film über einen machthungrigen Presse-Magnaten:

"Das ist der einzige Film, den ich jemals gemacht habe mit so einem Vertrag. Wenn mir jemand noch einmal so einen Vertrag anbieten würde, ich glaube, ich könnte einen noch besseren Film machen. Aber mir wurde nie eine zweite Chance gegeben."

Für "Citizen Kane" bekommt Orson Welles seinen ersten und einzigen Oscar. Als Filmregisseur wird er nie wieder an den Erfolg des "besten Films der Kinogeschichte", wie es allgemein heißt, anknüpfen. Von Hollywood wird er bald fallen gelassen. Aber Orson Wells ist ein Allroundgenie und feiert woanders Erfolge: als Produzent, Radioreporter, Autor von Hörspielen und Theaterregisseur. Seine Liebe gilt vor allem Shakespeare. Um dessen Dramen auf die Bühne seines notorisch klammen New Yorker Mercury-Theaters zu bringen, vermietet er es für Hörspiel-Aufnahmen. Oft führt er selbst Regie und spielt gleich drei oder vier Hauptrollen auf einmal. Und natürlich singt er auch.

Orson Welles wird 1915 in Wisconsin geboren. Die Begeisterung für Literatur, Kunst und Musik vermitteln ihm seine Eltern. Die Mutter, eine Konzertpianistin, führt ihn an Shakespeare heran und an die Musik. Sie stirbt früh, und der Junge wächst beim Vater auf, einem reichen, kunstverständigen Fabrikanten und Erfinder, der ihn mit Theaterleuten und Sportreportern zusammenbringt. Mit 15 Jahren wird Orson Welles Vollwaise. Bald darauf bricht er nach Irland auf und hat den Mut, sich als "25-jähriger New Yorker Theaterstar" auszugeben. Er hat Talent, bekommt Rollen und behauptet sich mit großem Erfolg auf Dublins Theaterbühnen. 1933 kehrt Orson Welles nach Amerika zurück, beginnt seine Karriere als New Yorker Radiomoderator und Regisseur. Er ist ein Arbeitstier, schreibt, produziert, schauspielert, oft wochenlang ohne Pause. Welles:

"Für mich ist Arbeiten Teil des Lebens. Ich wüsste nicht, wie man beides auseinanderhalten sollte. Ich weiß, dass das geht und viele das auch tun. Ehrlich gesagt, die beste Antwort auf die Frage, die ich geben kann, ist, dass diese beiden Dinge, also Arbeit und Leben, in meinem Verständnis nicht trennbar sind. Für mich ist Arbeit ein Ausdruck des Lebens."

Doch nach seinem Scheitern in Hollywood geht er – enttäuscht – Ende der 40er-Jahre erneut nach Europa. Es beginnt eine neue Arbeitsphase, mit wenig Geld produziert er seine Filme außerhalb der großen Studios. Es entstehen Literaturadaptionen wie Othello, Macbeth und später, 1962, Kafkas Prozess, für dessen Verfilmung er Romy Schneider und Jeanne Moreau gewinnt. Für einen Film kehrt er noch einmal nach Hollywood zurück: 1958 dreht er den Film-Noir-Klassiker "Im Zeichen des Bösen". Mit seinen Arbeiten bewegt sich Orson Welles zwischen legendären Projekten und historischen Flops. Die Liste seiner abgebrochenen Filmprojekte ist länger als die seiner vollendeten. Das Geld dafür verdient er als Schauspieler, wie etwa als Harry Lime in "Der Dritte Mann".

Bis 1970 dreht, lebt und arbeitet Welles in Europa. Dann zieht er endgültig zurück nach Kalifornien. Um Geld für seine eigenen Projekte aufzutreiben, spielt er in über hundert Filmen mit, dreht Reklame-Spots für kalifornischen Wein oder synchronisiert Zeichentrickfilme. Am 10. Oktober 1985 stirbt Orson Welles mit 70 Jahren in Hollywood. Bis zum letzten Moment hat er gearbeitet. In seiner Schreibmaschine steckt noch ein Papier mit Direktiven für eine neue Fernsehshow.

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