• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 08:10 Uhr Interview
StartseiteDeutschland heuteKeine deutsche Pizza in die Schweiz14.01.2015

ZollbehördenKeine deutsche Pizza in die Schweiz

Die deutschen Pizzabäcker im Grenzgebiet zur Schweiz sind empört. Keine Pizzalieferungen mehr frei Haus über die Grenze - so hat es die Schweizer Oberzolldirektion Bern entschieden. Wieso gelten für Pizzen aus Konstanz plötzlich die gleichen Vorschriften wie für Großcontainer aus den USA?

Von Thomas Wagner

Eine Pizza wird geschnitten (Jan-Martin Altgeld)
Bis die Zollformulare ausgefüllt sind, ist die Pizza kalt (Jan-Martin Altgeld)
Weiterführende Information

Paketzustellung - Das Internet und der Zoll
(DRadio Wissen, Agenda, 23.03.2011)

Essen - Ich will Pizza!
(DRadio Wissen, Redaktionskonferenz, 07.08.2013)

"Pizza-Blitz guten Tag? Wo? Leider dürfen wir nicht in die Schweiz liefern" und das, obwohl die Schweiz doch nur ein paar Kilometer entfernt liegt, in Sichtweite des Konstanzer Lieferservice "Pizza-Blitz". Sei es die Pizza Funghi, die Margherita, die Quattro Stagioni – so gut wie alles, was der große Ofen bei "Pizza Blitz" hergab, war begehrt, gleich drüben, jenseits der deutsch-schweizerischen Grenze.

"In die Schweiz hatten wir jeden Tag fast zehn Lieferungen gehabt. Doch jetzt ist das verboten. Ich weiß nicht, wieso."

Keine Grenze wie jede andere

Armin Hamdi ist Chef des kleinen Betriebes. Warum er nun plötzlich seine Pizzen nicht mehr zu seinen Kunden in die Schweiz liefern darf, kann er nicht verstehen. Und so geht es vielen Pizzabäckern mit eigenem Lieferservice entlang der deutsch-schweizerischen Grenze, von Bad Säckingen über Waldshut bis nach Konstanz. Denn was seit Jahrzehnten kein Problem war, ist plötzlich ein Riesenproblem: Die deutsch-schweizerische Grenze ist keine Grenze wie jede andere.

"Letztlich ist es so, dass die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz eine EU-Außengrenze, die einzige letzte verbliebene EU-Außengrenze Deutschlands. Und sie unterscheidet sich bürokratisch nicht zu Grenzen zu anderen Drittländern. Und das hat nun mal zur Folge, dass sie hier, wo sie nur über eine Brücke am Rhein gehen müssen, dieselben Vorschriften haben wie im Hamburger Hafen, wenn ein Container in die USA verschifft wird", so Claudius Marx, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Hochrhein Bodensee. Will heißen: Für die Einfuhr eines Pizza-Pappkartons mit lecker duftendem Inhalt in die Schweiz gilt die gleiche Regel wie für die Einfuhr eines Großcontainers. Die Ware muss ordnungsgemäß verzollt werden. Doch was beim Container Routine ist, wird bei der Pizza einigermaßen schwierig:

"Beim Pizzaservice ist das insofern dramatisch, weil die Pizza ja nur Spaß macht, wenn die Pizza noch heiß zu Kunden kommt, also möglichst schnell ausgeliefert wird. Und damit verträgt es sich nicht, dass der Pizza-Kurier sich nun am Zoll in die Schlange stellt, um diesen Export zu deklarieren, wie jeden anderen Export auch. Und hinzu kommt, dass die Öffnungszeiten der Zollämter, wo sie das überhaupt tun können, nicht kompatibel sind mit der Nachfrage. Weil die haben sie überwiegend am Abend oder am Wochenende. Und da haben die meisten Zollämter gar nicht mehr offen."

Diese Regelung gilt eigentlich seit Jahrzehnten. Doch irgendwie hat es ebenfalls Jahrzehnte gedauert, bis in der Schweiz der kleine Pizza-Grenzverkehr ins Visier der Zollbehörden geriet. Denn: Auch anderen Lieferanten sind zunehmend auf den Geschmack gekommen: Bratwürste, Döner, Torten, Brötchen – derlei Leckereien landeten in zunehmenden Mengen frisch und warm auf dem Tisch der eidgenössischen Kundschaft - das war den eidgenössischen Behörden dann doch des Guten zu viel. Deshalb darf nun keine Bratwurst, kein Döner, vor allem aber keine Pizza mehr ohne Zollformular die Grenze überqueren.

"40 Prozent unserer Kundschaft sind weg"

"Das geht gar nicht. Wollen Sie eine Pizza essen, die kalt geworden ist oder an der der Zöllner schon rumgefummelt hat? Also die Sache ist gegessen."

Mahmud Ilkurdi vom Konstanzer Pizza-Service Milano ist, wie die meisten seiner Kollegen im deutschen Grenzgebiet zur Schweiz, stocksauer über die neuen Regelungen der Schweiz. Ilkurdi fürchtet gravierende Umsatzeinbußen.

"40 Prozent unserer Kundschaft ist weg. Und wenn das so weitergeht, werden viele Pizza-Service in Konstanz zumachen müssen."

Denn: So mancher Pizza-Service hat überhaupt erst wegen der Schweizer Kundschaft aufgemacht. Und das hat nicht nur mit Teig und Belag zu tun.

"Also die Margherita in der Schweiz kostet 14 Franken. Und die bei uns hier kostet fünf Euro. Also das ist ein Unterschied von acht Euro."

Will heißen: Wegen des starken Frankenkurses und des eher schwächelnden Euros sind deutsche Pizzen frei Haus für Schweizer Kunden bislang ein Schnäppchen gewesen – was aber zur Folge hatte, dass bei so manchem Schweizer Pizza-Bäcker der Ofen ausging. Die Schweizer Zollbehörden sprechen dann auch von währungsbedingten Wettbewerbsverzerrungen zwischen schweizerischen und deutschen Pizza-Bäckern, die es auszugleichen gelte. Während die Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee in Gesprächen mit der Schweiz doch noch versucht, eine Ausnahmelösung für die bislang doch wie geschmiert laufende deutsch-schweizerische Pizza-Connection hinzubekommen, haben sich viele Schweizer bereits mit dem "Aus" für die Frei-Haus-Dienstleistungen angrenzender Pizzabäcker im deutschen Grenzgebiet abgefunden.

"Ja, in meiner Straße, wenn ich es selbst hole, kriege ich für zehn Franken eine Pizza, 32 Zentimeter Durchmesser. Das reicht gut für mich. Und da kann ich im Pyjama gehen, wenn ich will."

"Ich gehe in eine Pizzeria und eß'  eine. Ist doch viel gemütlicher, in eine Kneipe zu gehen und einen guten Wein dazu zu trinken."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk