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StartseiteKultur heuteBanksafe für große Kunst29.11.2017

Zollfreilager in MeiningenBanksafe für große Kunst

Zollfreilager haben einen schlechten Ruf, werden sie doch immer wieder auch für dunkle Geschäfte missbraucht. In Deutschland gibt es mittlerweile auch ein erstes Zollfreilager - ausgerechnet im beschaulichen Thüringer Städtchen Meiningen. Ein Anziehungspunkt für Kunstsammler und -händler.

Von Carsten Probst

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Zollfreilager "ZentralDepot" in Meiningen (ZentralDepot / Andreas Gehrke)
Zollfreilager "ZentralDepot" in Meiningen (ZentralDepot / Andreas Gehrke)
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Beeindruckend sieht er aus, der dreistöckige, alleinstehende Bau des Zentraldepots:  Schon von außen strahlt er mit seinen eng stehenden Fensterreihen trutzige Massivität aus – wäre da nicht auch ein großes, buntes Glasfenster, ein Werk des Künstlers Helmut Federle. Das Foyer wirkt mit seinen Marmorwänden wie das Entree eines kleinen Luxushotels, aber die Conciergen sitzen in ihrer Kabine hinter schusssicherem Glas.

"Im Prinzip lagern wir das ein, was zu groß ist für das traditionelle Banksafe. Also wir sind ein Banksafe für Sachen, die größer sind", sagt Nicolas Perren, der das Projekt "ZentralDepot" zusammen mit seinem Kompagnon Ulrich eröffnet hat.

Hinter sicheren Bundesbank-Mauern

Perren, ein Mann von Welt, war vor seiner Tätigkeit als Eigentümer dieses Kunstlagers Architekt, und als solcher hat er dieses Haus selbst mitgebaut.  Es entstand ursprünglich als Geldverwahrungsort für die neugegründete Landesbank Thüringen nach der Wende. Der Architekt Hans Kollhoff war von der Bundesbank mit dem Bau beauftragt worden und entschied sich für die historisierende Variante, die entfernt an einen Renaissancepalazzo erinnert. Nicolas Perren war damals leitend im Kollhoff-Team beschäftigt. Als die Bundesbank das Gebäude dann später nicht mehr benötigte und wieder verkaufen wollte, erwarben Perren und Schulte es für vergleichsweise günstige 3, 5 Millionen Euro und bauten es zu eben solchem Ort um, an dem Sammler wertvoller Gegenstände ihre Schätze sicher verwahren sollen.

Zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen wie eben das schusssichere Glas, der einstige riesige Banksafe und Schutz vor Feuer, Wasser und Schimmelbildung waren ja bereits im Gebäude vorhanden. Und in die gesicherte Zufahrtsschleuse  können auch 40-Tonnen-LKWs zur sicheren Entladung einfahren. 

"Für mich war von Anfang an sehr reizvoll, dass man im Grunde ein Kunstlager hat, das eben nicht ein anonymes Hochregallager ist, sondern dass man das respektiert, was vorgefunden wird."

Diskret, aber nicht heimlich

Der Berlin-Frankfurter Galerist Helmut Schuster berät Nicolas Perren für das Zentraldepot in Kunstdingen. Er verfügt über ein großes Netzwerk im Kunstbereich und nutzt auch selber einen Raum zur Lagerung von Bildern, die er selbst erworben hat und eventuell auch weiterverkaufen will. Überall in den Räumen begegnet einem noch die edle tischlermäßige Ausstattung aus der Landesbank-Zeit. Schuster betont, man sei den Kunden gegenüber zwar zur Diskretion verpflichtet, aber betreibe keine Heimlichtuerei.

"Wir haben hier die Möglichkeit, ein Gebäude anzubieten, das ein absolutes Äquivalent ist zu dem, was gesammelt wird. Wir bieten, wie das in Amerika schon ganz lange Modell ist, auch einen Showroom an, wir bieten in begrenzter Form, wenn's die Sicherheit nicht berührt, Öffentlichkeit an." 

Im sozusagen Allerheiligsten des Zentraldepots findet sich hier der ehemalige Banksafe. Eine meterdicke, 600 Kilogramm schwere Safetür öffnet sich. Dies ist die Zone mit der höchsten Sicherheitsstufe, zu der Besucher normalerweise keinen Zutritt haben. Einige hölzerne Transportkisten stehen hier, über Eigentümer und Inhalt wird nicht geredet. Nicolas Perren aber beteuert:

"Was bei uns ganz wichtig ist, ist, dass wir die Kunden kennen. Es ist ein kleines Haus, das muss man auch ganz deutlich sagen. Wir haben hier knapp 3000 Quadratmeter, entsprechend ist es nicht ein Riesenlager, und wir wollen nicht, dass hier irgendwelche Sachen abgelagert werden, von denen man nichts weiß."

Kein rechtsfreier Raum

Perren, ein gebürtiger Schweizer, kennt natürlich die Berichte und Diskussionen in der Presse über Zollfreilager und betont: Noch habe der Deutsche Zoll gar nicht die Freigabe für die Zollfreiheit erteilt, und dann betreffe dies auch nur einen kleinen Bereich von etwa 400 Quadratmetern.

"Das ist auch das Missverständnis an dem Zollfreilager. Der Zoll hat Zugriff auf das Zollfreilager. Ich muss dem genaue Listen geben,  und entsprechend ist es nicht einfach ein ungeschützter Bereich, wie man das so in der Presse liest, sondern es ist einfach ein viel überwachterer Bereich, als ein normales Lager."

Das Zentraldepot in Meiningen ist ein verschwiegener Ort, keine Frage, ungewöhnlich ist er in seiner architektonischen Finesse auch. Wer etwas Wertvolles diskret verbergen und sicher aufbewahren will, der wählt vermutlich genau einen solchen Ort. Das freilich ist noch nicht illegal. Der deutsche Zollkodex verlangt von den Lagerorten absolute Transparenz.

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