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Seit 17:35 Uhr Kultur heute
StartseiteForschung aktuellDer Dialekt der Wölfe02.03.2016

ZoologieDer Dialekt der Wölfe

Wölfe leben in Rudeln und verständigen sich selbst über größere Distanzen über ihr Wolfsgeheul. Was diese Rufe bedeuten, ist bislang noch nicht entschlüsselt. Britische Forscher haben deswegen tausende Tonaufnahmen von Wölfen analysiert. Eine Erkenntnis: Wölfe haben Heul-Dialekte.

Von Lucian Haas

Zwei Wölfe im Wildpark Eekholt in Schleswig-Holstein (  picture alliance / dpa)
Mit Computer-Algorithmen wurde das Geheul von unterschiedlichen Wölfen analysiert. ( picture alliance / dpa)
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Wenn Wölfe heulen, klingt das für das menschliche Gehör erst einmal nur nach langgezogenen Tönen. Zwar weisen die heulenden Rufe von Tier zu Tier und von Situation zu Situation Unterschiede auf. Doch wer verstehen will, wie die Wölfe über das Geheul miteinander kommunizieren, muss typische Muster innerhalb der Klänge erkennen können. Der Zoologe Arik Kershenbaum von der University of Cambridge setzt dabei auf Computer-Algorithmen.

"Wenn man heulenden Wölfen zuhört, so ist jedes Geheul immer etwas unterschiedlich. Es ist eine große Herausforderung, die Unterschiede zu quantifizieren und Trends herauszufinden. Beim menschlichen Gehör gibt es das Problem, dass es sehr subjektiv ist. Was wir hören, hängt stark von der persönlichen Erfahrung und Interpretation jedes einzelnen ab. Wir wollten ein objektives System und nutzen deshalb Computer-Algorithmen anstatt einfach nur hinzuhören und zu sagen, was wir meinen gehört zu haben."

Überraschende Struktur und Regelmäßigkeit

Computer mit passenden Programmen können Klänge analysieren und wiederkehrende Muster darin erkennen. Arik Kershenbaum hat solche Verfahren bei der Erforschung von Wolfsgeheul im großen Stil angewendet. Er sammelte 2.000 Audioaufnahmen des Geheuls von Wölfen aus der ganzen Welt, das heißt auch unterschiedlicher Wolfsarten und Unterarten. Der Computer verglich die Frequenzverläufe aller Rufe und suchte nach Ähnlichkeiten. Am Ende gruppierten die Algorithmen das weltweite Wolfsgeheul in 21 Klassen.

"Es war überraschend zu sehen, wie viel gemeinsame Struktur und Regelmäßigkeit im Wolfsgeheul zu finden ist. Vor allem aber hat mich überrascht, dass sich die Rufe verschiedener Wolfsgruppen deutlich unterscheiden. Ich hatte erwartet, dass sich die Heultypen zwischen den Populationen viel stärker überschneiden. Aber sie sind offenbar recht verschieden."

Kommunikation der Wölfe könnte Hinweise auf universelle Muster liefern

Arik Kershenbaum beschreibt das so, als heulten die Wölfe in verschiedenen Sprachen oder Dialekten. Das könnte bedeuten, dass eine Wolfsart eine andere gar nicht versteht. Möglicherweise gilt das sogar für einzelne Rudel einer Region. Interessant sind solche Erkenntnisse mit Blick auf Versuche, Wölfe gewaltfrei zum Beispiel von Schafsherden fern zu halten. Dabei werden Aufnahmen von Wolfsgeheul über Lautsprecher abgespielt, um den echten Wölfen Konkurrenten vorzugaukeln und sie abzuschrecken. In der Praxis hat sich das bisher aber als wenig erfolgreich erwiesen.

"Ein möglicher Grund, warum das keinen Erfolg zeigte, liegt darin, dass das Abspielen eines zufällig ausgewählten Geheuls andere Wölfe nicht unbedingt abschrecken muss. Es könnte ja sein, dass dieses Heulen dazu diente, andere Tiere zu sich zu rufen anstatt sie fernzuhalten. Wir müssen erst einmal verstehen, welches Verhalten ein Heultyp tatsächlich auslöst, bevor wir das Geheul zum Konfliktmanagement einsetzen."

Für Arik Kershenbaum ist die Analyse des Wolfsgeheuls noch unter einem anderen Blickwinkel interessant. Wölfe sind sehr intelligente und soziale Tiere. Ihre Kommunikation könnte Hinweise auf universelle Muster liefern, wie sich im Zuge der Evolution die Grundlagen von Sprache entwickeln. Der Forscher hat beobachtet, dass Delphine als ebenso intelligente wie soziale Tiere in ihren Klangmustern erstaunliche Parallelen zu den Wölfen aufweisen. Wenn man das hohe Pfeifen eines Delphins verlangsamt abspielt, klingt es ganz ähnlich wie ein Wolfsgeheul.

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