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StartseiteUmwelt und VerbraucherZu 90 Prozent wiederverwertbar23.05.2007

Zu 90 Prozent wiederverwertbar

Neues Verfahren zum Recycling von Handy-Akkus

Handy-Akkus älterer Modelle enthalten umweltgefährdende Stoffe wie zum Beispiel Schwermetalle. Aachener Forscher haben ein neues Recyclingverfahren entwickelt, bei dem der alte Akku zu 90 Prozent wiederverwertet werden kann.

Von Ingo Wagner

Handyschrott. (AP)
Handyschrott. (AP)

1700 Grad - diese Hitze bringt Metall zum Schmelzen, orange-rot glühend läuft es aus einem mannshohen Ofen heraus in eine Pfanne. Der Ofen steht in einer Werkshalle der Technischen Hochschule Aachen und dient dem Recycling von Handy-Akkus. Professor Bernd Friedrich überwacht die Arbeiten. Das von ihm und seinen Mitarbeitern am Institut für metallurgische Prozesstechnik und Recycling entwickelte Verfahren trennt in vier Stufen die verschiedenen Bestandteile der Handy-Akkus voneinander. Dann können sie wiederverwertet werden.

"Ja, es gibt derzeit kein Verfahren weltweit, das es ermöglicht, alle Wertkomponenten aus den Handybatterien zurückzugewinnen. Und wir haben uns zum Ziel gesetzt, genau diese Lücke zu schließen und eben möglichst viele dieser Wertkomponenten zurückzuholen."

Bei bestehenden Recyclingverfahren werden vor allem einzelne Bestandteile der Akkus wiederverwertet. So wird zum Beispiel Kobalt aus den Akkus entnommen und dann gleich wieder in der Produktion verwendet. Die anderen Materialien gehen dabei verloren. An einem umfassenden Verfahren wie es die Aachener Forscher unter Leitung von Bernd Friedrich entwickelt haben, war die Industrie bislang nicht interessiert.

"Ja, so eine Handybatterie ist ein sehr kompliziertes System und wir gewinnen inzwischen Metalle wie Aluminium, Eisen, Kobalt und sogar den Elektrolyten der Batterie zurück. Und wir haben inzwischen für all diese Stoffe eine Verwendung gefunden. Das wäre zum Beispiel: Die Kobalt-Legierung geht in so genannte Super-Legierungen, die dann in die Flugzeugindustrie hineingeht, die Aluminiumlegierung in den Automobilbau oder die Eisenwerkstoffe in den Stahl zurück."

Inzwischen können die Aachener Forscher 90 Prozent der metallischen Bestandteile der Handy-Akkus wiederverwerten. Diese Materialien sind eine Menge Geld wert. Doch das Recycling ist so aufwendig, dass Forscher wie der Ingenieur Jörn Böhlke schon heute damit rechnen, dass sich das Verfahren möglicherweise nicht selbst trägt.

"Ob das Verfahren durch die Metalle, die wir wiedergewinnen, wirtschaftlich ist, lässt sich im Moment noch nicht sagen. Und es wäre möglich, dass ein Pfand an die Industrie oder an den Verbraucher noch aufgeschlagen werden muss, um die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens zu sichern."

Doch ob mit oder ohne Pfand: Um das Recyclingverfahren wird man nicht herumkommen. Denn die Europäische Union hat im vergangenen Jahr eine neue Batterierichtlinie verabschiedet. Danach müssen bis spätestens 2009 mindestens 50 Prozent aller eingesammelten Handy-Akkus recycelt werden. Doch dabei bleibt ein großes Problem: das Einsammeln der Handy-Akkus.

Dabei glaubte man, dieses Problem schon vor Jahren hervorragend gelöst zu haben. Die deutschen Batteriehersteller hatten 1998 die Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem (GRS) gegründet. Seitdem stehen in fast allen Supermärkten und Kaufhäusern, die Batterien oder Akkus verkaufen, die grünen Batteriesammelbehälter. Handyakkus können also jederzeit mühelos entsorgt werden. Doch gerade Jugendliche, für die das Handy ein Prestigeobjekt ist und die deshalb in kurzen Abständen immer wieder neue kaufen, wissen oft nicht viel über umweltfreundliche Entsorgung.

"Ich habe, glaube ich, zu Hause noch drei oder vier alte Handys liegen."

"Ich habe noch sechs alte Handys zu Hause, im Zimmer liegen die alle rum so."

"Drei habe ich noch, und zwei sind ganz total kaputt. Jedes halbe Jahr kaufe ich mir ein neues Handy. Wie man die umweltfreundlich entsorgt, weiß ich nicht, vielleicht zum Verkäufer zurückschicken."

So bleiben die Handys einfach zu Hause liegen. Ein Problem, das auch Professor Friedrich beschäftigt.

"Es ist zum Beispiel ein Platzproblem bei Altglas, dass also wir jedes Wochenende dieses Glas zum Glascontainer bringen. Bei den Handypacks sieht das ganz anders aus. Sie sind klein, überschaubar, passen in jede Schublade. Man hat viel Geld dafür bezahlt, man hat das Gefühl, das hat ja noch einen gewissen Wert, so dass diese Handys einfach nicht da abgegeben werden, wo sie abgegeben werden sollen, sprich in den Supermärkten."

Inzwischen gab es auch schon mehrere Aktionen führender Handyhersteller in Zusammenarbeit mit Umweltverbänden, bei denen für die Abgabe alter Handys geworben wurde. Doch alle Maßnahmen konnten bisher nicht verhindern, dass in deutschen Wohnungen immer mehr Handys herumliegen. Nach Schätzungen von Experten lagern in Deutschland inzwischen rund 135 Millionen Althandys. Jedes Jahr kommen noch 35 Millionen hinzu.

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