• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 06:50 Uhr Interview
StartseiteForschung aktuellZukunft der Bioenergie03.12.2010

Zukunft der Bioenergie

Göttinger Forscher starten Millionenprojekt

Umwelt. - Mais gehört zu den wichtigen Ackerfrüchten hierzulande. Der Grund: Biogasanlagen. Das Projekt Best der Universität Göttingen soll jetzt neue Pflanzen für die Produktion von Bioenenergie anbauen und erforschen. Das Projekt steht noch am Anfang, zunächst einmal muss eine geeignete Anbaufläche in der Nähe der Uni Göttingen gefunden werden.

Von Katja Siebert

Mais ist die Energiepflanze. (AP)
Mais ist die Energiepflanze. (AP)

Mitten auf einem Feld im Landkreis Göttingen. Zwei Wissenschaftler hämmern einen Bohrstock in den Boden.

"Das reicht."

Sie ziehen den Stab wieder heraus und betrachten die Bodenprobe:

"Sand sieht anders aus – ist lehmig."

Zum Glück ist es lehmig – denn einen sandigen Boden können die Forscher nicht gebrauchen. Sie suchen einen Acker für das Forschungsvorhaben Best. Mit vier Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium sollen die Göttinger neue Wege finden, um aus Biomasse Energie zu erzeugen. Auf dem Acker, den sich die Wissenschaftler gerade ansehen, soll zum Beispiel eine"Kupp" entstehen – eine Kurzumtriebsplantage – erklärt der Forst- und Bodenwissenschaftler Professor Norbert Lamersdorf:

"Kurzumtriebsplantagen sind Anlagen bei uns mit meist Pappel und Weiden. Kurzumtrieb heißt, die Pappel und Weiden werden gesteckt in normale ackerbauliche Flächen und treiben dann im ersten Jahr aus und wachsen sehr schnell. Das heißt, sie haben ein sehr schnelles Jugendwachstum und können dann mit zwei bis drei Jahren das erste Mal geerntet werden."

Aus der Ernte entstehen Hackschnitzel, mit denen dann umweltfreundlich geheizt werden kann. Zunächst aber muss der richtige Standort für die zukünftige Plantage gefunden werden. Professor Lamersdorf :

"Also einmal gucken wir einmal von dem Landwirtschaftsaspekt her, wie ist die Fläche arrondiert in welcher Umgebung liegt sie, dann gucken wir ganz hart betriebswirtschaftlich, lohnt sich das überhaupt so eine Fläche zu bewirtschaften, kommt man da überhaupt mit den Erntemaschinen dran, die Pflanzmaschinen, dann gucken wir natürlich auf die Bodeneigenschaften. Und dann gucken wir natürlich in der Nachbarschaft, was sind die Alternativen. Gibt es ähnliche Nutzungsformen, mit denen man das vergleichen kann? Deshalb würden wir auf dem Nachbaracker Mais anpflanzen, um den direkten Vergleich zu haben."

Denn erforscht werden soll auch, wie sich die Kurzumtriebsplantagen im Vergleich zum Mais auf die Umwelt auswirken. Beim Mais kritisieren ja mittlerweile die Umweltverbände, dass die erzeugte Energie zwar umweltfreundlich ist, aber die Tierwelt mit den riesigen Monokulturflächen wenig anfangen kann. Beim Best-Projekt soll das anders aussehen, sagt Professor Michael Bredemeier. Er ist ebenfalls für die Fakultät Forstwissenschaft und Waldökologie an dem Forschungsvorhaben beteiligt:
"Da es ja solche Anbaumodelle in der Landschaft noch gar nicht großflächig gibt – es ist wirklich Neuland, was da erforscht wird. Aber es ist eigentlich nach dem, was bekannt ist, damit zu rechnen, dass sich durch die Erhöhung dieser Habitat-Vielfalt, dieser verschiedenen kleinen Nischen, auf engen Raum in der Landschaft,auch die Biodiversität also die Vielfalt der Lebensformen dann erhöhen."

Die Flächen sollen möglichst klein sein und neben den Plantagen sollen Grünlandflächen entstehen. Die Idee: Wiesen, die immer weniger Landwirte für ihre Kühe brauchen, könnten für Bioenergie verwertet werden. Aus Gras wird Biogas.Auch das wird wissenschaftlich begleitet. Zum Beispiel untersuchen die Wissenschaftler,ob sich eine Grünlandfläche auch wirklich – so wie erwartet - positiv auf die Artenvielfalt auswirkt und wie effizient es überhaupt ist Gras zu Gas zu machen. Hackschnitzel aus Holzplantagen und Biogas aus Gras – das sind zwar zwei der wichtigsten Projekte des Forschungsvorhabens Best – aber längst nicht alle. 21 Abteilungen der Universität Göttingen sind beteiligt - außerdem gibt es zehn weitere externe Partner. Angebaut wird auf Flächen im Landkreis Göttingen und im benachbarten Thüringen. Professor Michael Bredemeier:

"Dieses Projekt Best ist ausgesprochen breit angelegt das ist eine Forderung, die aus dem Förderprogramm direkt hervorgeht, dass man eben die Grenzen überwinden soll zu den anderen Fachdisziplinen und Kollegen, um eben gemeinsam aus einem anderen Blickwinkel solche Lösungen darzustellen."

Zum Beispiel aus dem Blickwinkel des Landwirtes: Lohnt es sich überhaupt für ihn Bäume anzupflanzen? Eine andere Fragestellung, die untersucht wird, ist: Kann man das Holz vielleicht zweifach verwerten – also: zuerst Paletten daraus herstellen und die hinterher als Holzpellets noch einmal verbrennen? Nach vier Jahren soll es möglichst viele Antworten auf ganz verschiedene Fragestellungen geben. Am Ende des Projektes schreiben die Wissenschaftler dann einen praxisnahen Leitfaden. Für alle, die daran interessiert sind aus Gras und jungen Bäumen Bioenergie zu erzeugen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk