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"Zum Lügen verpflichtet"

Dopingjäger Werner Franke verliert vor Gericht gegen Ex-Olympiaarzt Georg Huber

Von Thomas Kistner

Doping-Aufklärer Werner Franke (picture alliance / dpa /Roland Wittek)
Doping-Aufklärer Werner Franke (picture alliance / dpa /Roland Wittek)

Dopingexperte Werner Franke hat am Freiburger Landgericht eine Niederlage erlitten. Er darf weiter nicht behaupten, der ehemalige Olympiaarzt Georg Huber aus Freiburg habe Radrennfahrer gedopt – obwohl dies von Betroffenen genauso behauptet wird.

Der Spruch ist bizarr. Doch es geht um Formaljuristerei, die Doping-Frage ist hier nachrangig. Franke hatte einen Vergleich mit Huber aus dem Jahr 2007 angefochten. Damals verpflichtete er sich, nicht zu behaupten, Huber habe Radfahrer in den Achtzigern mit leistungssteigernden Mitteln versorgt. Benutzen durfte er nur Huber Formulierung, dieser habe das Testosteron-Präparat Andriol aus Therapiezwecken verabreicht.

Franke focht diesen Vergleich jetzt an. Er berief sich auf den Ex-Bahnradfahrer Robert Lechner, der 2008 in Medien und 2011 auch vor der Großen Kommission zur Untersuchung der Freiburger Uni-Sportmedizin dargelegt hatte, wie Huber ihm seinerzeit Dopingmittel verabreicht habe - darunter das starke Anabolikum Stromba.

Diese Doping-Frage aber spielte für das Landgericht keine Rolle, es ging gar nicht darauf ein. Die Richter entschieden formalistisch, Franke habe den Vergleich mit Huber zu spät angefochten, also nicht binnen eines Jahres nach Bekanntwerden von Lechners Aussagen 2008. Die Frist sei vorbei.

Franke widerspricht. Er sagt, Lechners Vortrag 2008 in den Medien sei nur Verdachtsberichterstattung gewesen, erst dissen Aussage vor der Großen Kommission, in der Franke selber sitzt, schuf eine klare Beweislage. Er beruft sich dabei auf ein Urteil im Fall Jan UIllrich, in dem ihm als Dopingexperten aufgetragen wurde, er dürfe nur recherchierte Fakten verbreiten, keine Verdachtsberichterstattung. Trotzdem entschied die Kammer gegen ihn.

"Dieses Urteil verpflichtet mich zur Lüge!" zürnte Franke am Donnerstag. Er werde die Causa bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen. Die Frage für den Heidelberger Zellforscher lautet nun: "Darf man gerichtlich zur Lüge gezwungen werden?" Das könnte noch spannend werden.

Eine direkte Reaktion schickte er nach Freiburg: Seine Austrittserklärung aus der Großen Kommission. Komissionschefin Letizia Paoli teilte er mit, er komme ihrer Rücktrittsforderung nach, die sicherlich auch im Sinne des Uni-Rektors erfolgt sei. Franke schreibt, er könne für sich "die Geheimhaltung vieler strafwürdiger Delikte" im System der damaligen Freiburger Sportmedizin nicht weiter verantworten.

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