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StartseiteKultur heuteKollektiv hinter der Kamera15.04.2018

Zum Tod des Filmemachers Vittorio TavianiKollektiv hinter der Kamera

Mit "Cäsar muss sterben" feierte Vittorio Taviani seinen letzten großen Erfolg: 2012 wurde der Film auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Jetzt ist Taviani im Alter von 88 Jahren gestorben. Mit seinem Bruder habe er abwechselnd Regie geführt, berichtet DLF-Filmkritiker Rüdiger Suchsland.

Rüdiger Suchsland im Gespräch mit Kathrin Hondl

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Die Brüder sitzen nebeneinander auf Treppenstufen, Vittorio winkt, Paolo lacht (AFP/Tiziana Fabi)
Die Brüder Vittorio (l) und Paolo Taviani im Jahr 2012 (AFP/Tiziana Fabi)

Der italienische Regisseur Vittorio Taviani ist tot. Der 88-Jährige, der als Filmemacher stets an der Seite seines jüngeren Bruders Paolo arbeitete, starb nach langer Krankheit in Rom. Auch im hohen Alter wurden die beiden ihrer Berufung und der Teamarbeit nicht müde: Im vergangenen Jahr lief der letzte Film der "fratelli" in den italienischen Kinos.

Immer gemeinsam am Set

"Es gibt keinen Film den einer von den beiden allein gemacht habe. Beide waren immer für Regie und Drehbuch verantwortlich - man kann gar nicht sagen, wer was genau geschrieben hat zum Beispiel beim Drehbuch", meint DLF-Filmkritiker Rüdiger Suchsland. "In diesem Fall haben sie offenbar so Regie geführt, dass sie zusammen immer am Set waren, der eine eine Szene inszeniert hat, der andere war dabei, hat aber nicht kommentiert - vielleicht später beim Abendbrot - und dann war der andere dran." Noch in den 70er Jahren galten die beiden als überzeugte Marxisten, und laut Suchsland versuchten die beiden Brüder, auch in ihrem Werk ein "Kollektiv" zu leben.

Die Zusammenarbeit zwischen den Brüdern wird als perfekte Symbiose beschrieben - und auch äußerlich waren die beiden schwer auseinanderzuhalten. Gilt Paolo aber als mondän und etwas egozentrisch, wurde Vittorio als sein bedächtiges Gegenstück beschrieben. Vittorio sagte selbst über sich und seinen Bruder: "Wir haben unterschiedliche Charaktere, aber die gleiche Natur. Unsere Entscheidungen im Leben und in der Kunst sind die gleichen".

Internationaler Durchbruch mit Padre Padrone

Vittorio Taviani wurde 1929 im toskanischen San Miniato geboren, in eine "bürgerliche Familie", so Suchsland. Mit 20 Jahren brach der Sohn eines Anwalts sein Jurastudium ab und zog nach Rom. Zu Beginn ihrer Karriere fanden die Brüder für ihre stark ideologisch geprägten Regiekonzepte keinen Produzenten und machten ihre ersten Filme für den italienischen Fernsehsender Rai. International berühmt wurden sie mit "Padre Padrone" ("Mein Vater, mein Herr"), für den sie 1977 die Goldene Palme von Cannes gewannen.

Zu den erfolgreichen Werken der Männer zählt auch das Anti-Nazi-Drama "Die Nacht von San Lorenzo". Der jüngste große Erfolg liegt mit "Cäsar muss sterben" (2012) noch gar nicht lange zurück: Das Doku-Drama wurde auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

Filmkritiker Rüdiger Suchland beschreibt den typischen Taviani-Film so: "Zunächst sind es oft Literaturverfilmungen - Shakespeare, Goethe. Die zweite Kontinuität ist, dass es sehr oft um historische Stoffe geht. Das ist wieder ein sehr marxistischer Blick." 

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