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StartseiteKultur heuteHommage an die Rebellion14.04.2018

Zum Tod des Filmregisseurs Miloš FormanHommage an die Rebellion

"Die Träume des Menschen müssen immer über seine Fähigkeiten hinauszielen", sagte Miloš Forman. In seinen Filmen erzählte er von den Träumen der Außenseiter und Rebellen. Nun ist der preisgekrönte Regisseur von "Einer flog über das Kuckucksnest" und "Amadeus" mit 86 Jahren gestorben.

Von Noemi Schneider

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Der Filmregisseur Miloš Forman, aufgenommen 2007 (imago/ZUMA Press)
Der tschechisch-amerikanische Filmregisseur Miloš Forman im Jahr 2007. (imago/ZUMA Press)
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1984 setzte Miloš Forman Mozart eine rosa Perücke auf und schuf ihm und seinem Gegenspieler Antonio Salieri mit "Amadeus" ein kongeniales filmisches Denkmal, in dem er eindrucksvoll demonstrierte, dass eine fast dreistündige "Komponistenbiographie" in historischem Gewand das Gegenteil von staubig und langweilig sein kann. Außenseiter, Künstler und Rebellen hatten es dem tschechisch-amerikanischen Regisseur seit jeher angetan. Diejenigen, die sich trauten, waren seine Helden, dass sei ganz natürlich, wenn man wie er, fast vierzig Jahre in totalitären Regimen gelebt habe, sagte er rückblickend.

Ein göttlicher Regisseur

Seinen Traumberuf fand Miloš Forman früh. Da sein älterer Bruder bei einer Tourneetheatertruppe als Bühnenbildner arbeitete, verbrachte der 10-jährige Miloš die Nächte bevorzugt in den Künstlergarderoben, wo er den Schauspielerinnen beim Umziehen zusah. Und feststellte, dass es einen Mann gab, zu dem die Schauspielerinnen alle aufsahen, als wäre er ein Gott. Er fragte seinen Bruder, wer dieser Mann sei. Der antwortete, das sei der Regisseur. Da wusste er, was er werden wollte, bekannte Forman anlässlich einer Retrospektive seines Werks 2009 in Minneapolis.

Zensur in der Tschechoslowakei und amerikanisches Exil

Sein Humor half ihm über die schweren Schicksalsschläge in seinem Leben hinweg. 1932 wurde Miloš Forman in der Tschechoslowakei als Sohn eines jüdischen Lehrers geboren. Seine Eltern starben im Konzentrationslager; die Kriegsjahre verbrachte er bei Verwandten; im Waiseninternat entdeckte er die Liebe zum Kino von Buster Keaton und Charlie Chaplin. Er absolvierte eine Ausbildung zum Drehbuchautor an der berühmten Prager Filmakademie und arbeitete beim tschechoslowakischen Fernsehen bevor er 1963 sein Spielfilmdebüt "Der schwarze Peter" drehte, eine, mit Laiendarstellern besetzte Komödie über einen sechzehnjährigen Lehrling. Formans filmische satirische Alltagsbeobachtungen waren den kommunistischen Machthabern in seiner Heimat ein Dorn im Auge, doch da die "Neue Tschechoslowakische Welle" internationale Aufmerksamkeit auf sich zog, war der Filmemacher eine Zeitlang vor der Zensur sicher. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 wurden seine Werke verboten und er emigrierte in die USA.

Durchbruch mit "Einer flog über das Kuckucksnest"

Sein erster amerikanischer Film "Taking Off" über ausgebüxte Hippie-Teenager und deren Eltern erhielt beim Filmfestival in Cannes den großen Preis der Jury, fiel beim Publikum jedoch durch. Anfangs habe er sich nicht sonderlich für Dramaturgie interessiert, sagte Miloš Forman. Seine frühen Filme hörten einfach auf, den amerikanischen Zuschauern war das zu avantgardistisch. Die zweite, große Chance erhielt er, als ihm der Produzent und Schauspieler Michael Douglas die Verfilmung des Romans "Einer flog über das Kuckucksnest" anbot, in dem sich ein Außenseiter in einer Psychiatrie versteckt. Dass Miloš Forman ausgerechnet mit diesem Film der Durchbruch gelingen würde, hätte er selbst nie für möglich gehalten. 1976 erhielt er seinen ersten Regie-Oscar. Drei Jahre später lies er die langhaarigen Hippies in "Hair" auf den Tischen tanzen. Den Unkonventionellen, Umstrittenen und Randfiguren widmete Miloš Forman seine Filme: Dem Hustler-Herausgeber und Milliardär Larry Flynt, dem Komiker Andy Kaufman und einer Muse Goyas; ein publikumswirksamer Geniestreich wie "Amadeus" gelang ihm nicht mehr.

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