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StartseiteCorsoSparsam gesetzte Töne04.09.2017

Zum Tod von Musiker Walter Becker Sparsam gesetzte Töne

Walter Becker, Mitbegründer der US-Band Steely Dan, starb am Wochenende im Alter von 67 Jahren. Dlf-Musikredakteur Tim Schauen würdigt den Musiker als großartigen Songwriter. Als Gitarrist und Bassist habe er den luftigen Sound von Steely Dan maßgeblich geprägt.

Tim Schauen im Gespräch mit Fabian Elsäßer

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Der US-Musiker Walter Becker, Mitglied des legendären amerikanischen Duos "Steely Dan", aufgenommen 1996 in der Frankfurter Festhalle.  (dpa / picture alliance / Oliver Berg)
Am Bass gegroovt: Walter Becker bei einem Auftritt 1996 in Frankfurt (dpa / picture alliance / Oliver Berg)
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Fabian Elsäßer: Zum Beginn dieser Sendung steht leider ein Nachruf. Gestern ist der US-amerikanische Musiker Walter Becker im Alter von 67 Jahren gestorben. Bekannt wurde er durch seine jahrzehntelange Arbeit mit Steely Dan. Eine Band, die kein einziges schlechtes Album gemacht hat – mit der Meinung stehe ich nicht alleine da. Außerdem sind Songs wie "Rikky, Don't Loose That Number" oder "Do It Again" echte Radioklassiker. Im Rampenlicht stand immer der Sänger und Keyboarder Donald Fagan, daher die Frage an Tim Schauen aus der Deutschlandfunk-Musikredaktion: Wie wichtig war Walter Becker denn überhaupt für Steely Dan?

Tim Schauen: Ziemlich wichtig, denn Steely Dan waren ja eigentlich nur in den ersten Jahren eine richtige Band. Später, so ab 1975 bis zum ersten Split, gab es nur noch diese beiden, Donald Fagen und Walter Becker, also eine zweiköpfige Band. Und sie haben wirklich die allermeisten Songs, bis auf ganz wenige Ausnahmen, immer zu zweit geschrieben. Und auch in den Texten hat er seinen Einfluss hinterlassen, denn er hat sich gegenseitig im Humor mit seinem kongenialen Songwriter Donald Fagen befeuert.

"Leichter, durchsichtiger Pop"

Elsäßer: Man könnte sagen, Steely Dan, das ist irgendwie gehobener Erwachsenen-Pop. Also die beiden berühmtesten Songs habe ich schon erwähnt. Da ist aber, glaube ich, noch mehr viel mehr drin. Und vor allem bei späteren Liveauftritten, also ab den 90er Jahren hat es die Band ja wieder gegeben, auch live – in den 70ern hatten sie ja irgendwann aufgehört, live zu spielen. Aber bei solchen späteren Liveauftritten, ich habe auch mal einen gesehen, da wirkten die fast wie eine Jazzband, voller entfesselter Improvisierer. War Becker im Herzen heimlich ein Jazzer?

Schauen: Das sicher auch, aber nicht nur. Es gibt ganz viele Einflüsse, die in Steely Dans Musik sich niederschlugen: Funk-Einfluss und R'n'B und Reggae auch – Walter Becker war ein großer Reggae-Fan -, natürlich der Jazz-Einfluss, der Westcoast Sound, der von Steely Dan so gut kopiert wurde, dass ja später die gesamte Westcoast Steely Dan kopierte eigentlich. Aber auch Rockelemente bis zu zweistimmigen Gitarrensoli-Linien à la der Allman Brothers Band in der Nummer "Reelin' In the Years". Aber die späten Werke, 2002 und 2003 erschienen die beiden letzten Platten von Steely Dan, die waren ganz, ganz hervorragend. Leichter, durchsichtiger Pop.

Dezent und präzise

Elsäßer: Wenn Fachblätter, ich weiß nicht, "Gitarre & Bass" oder was es da alles gibt, diese beliebten Listen aufstellen, so "Die besten Gitarristen", "Die besten Hardrock-Gitarristen" oder wie auch immer, dann findet man da oft die üblichen Verdächtigen. Aber wenn ich das so richtig im Kopf habe, taucht Walter Becker auf diesen Listen eher nicht auf. Eine unterschätzte Größe?

Schauen: Unterschätzt in Fachkreisen vermutlich nicht, aber in den Ranglisten taucht er nicht auf, weil er nicht so einen hohen Durchsatz an Noten produziert hat. Und gerade das macht seine Stilistik eben aus: die Luftigkeit, dass er wirklich wenig gespielt hat, aber genau wusste, welche Note, welcher Ton wohin gehört, sodass das ganze Element eines Gitarrensolos dem fantastischen Groove noch ein Tüpfelchen aufsetzt. Denn Walter Becker war ja eigentlich auch Bassist. Er hat auf vielen, vielen Steely-Dan-Aufnahmen und auch auf den legendären Soloscheiben seines Freundes Donald Fagan den Bass gespielt und so sehr, sehr gegroovt, was er dann mit punktierten kleinen Einwürfen der Gitarre noch gekrönt hat.

Elsäßer: Zum Tod von Walter Becker, dem Gitarristen, Komponisten, Bassisten von Steely Dan sprachen wir mit dem Kollegen Tim Schauen aus der Musikredaktion.

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