Sonntag, 21.01.2018
StartseiteBüchermarkt"Die Gefühle präzise in Erinnerung"04.01.2018

Zum Tode Aharon Appelfelds"Die Gefühle präzise in Erinnerung"

Seine Mutter wurde von Soldaten erschossen, den Holocaust überlebte er in den Wäldern: während seines bewegten Lebens wurde Aharon Appelfeld zum bedeutendsten Schriftsteller Israels. Er wurde 85 Jahre alt.

Jochanan Shelliem im Gespräch mit Jan Drees

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Der Autor Aharon Appelfeld im Juli 2012.  (imago)
Der Autor Aharon Appelfeld im Juli 2012. (imago)
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Der israelische Schriftsteller Aharon Appelfeld wollte nicht als nur Holocaust-Autor und -Überlebender gesehen werden. Dennoch war Appelfeld, so Autor und Journalist Jochanan Shelliem, der wichtigste Schriftsteller, der den Holocaust überlebt hat. Am 4. Januar 2018 ist Aharon Appelfeld im Alter von 85 Jahren gestorben. Sein Werk umfasst über 40 Romane und Essaybände, die in 35 Sprachen übersetzt wurden. In Deutschland erschien zuletzt sein Roman "Meine Eltern".

Appelfeld wurde am 16. Februar 1932 in der Nähe von Czernowitz, heutige Westukraine, in eine großbürgerliche Familie hineingeboren. Er selbst benutzte für sie den Begriff der "Upper middle Class".

Umbruch in die Grausamkeit

"Er beschrieb sehr oft seine Kindheit, diese Kindheit hatte er präzise in Erinnerung, er hatte auch die Gefühle präzise in Erinnerung", sagte Jochanan Shelliem im Dlf über ihn. Einen großen Unterschied, den Appelfeld von allen anderen israelischen Schriftstellern unterscheidet, sieht Shelliem darin, dass Appelfeld als Kind die Vorkriegszeit, das großbürgerliche K. und K.-Leben im säkularen Czernowitz erlebte. Den Umbruch in die Grausamkeit, den der Nationalsozialismus mit sich brachte, hatte der junge Appelfeld sehr intensiv erlebt.

"Er war danach verwundert, verwundert wie - jetzt kommt ein unpassender Vergleich - wie ein Kind, das in den Zirkus geht und sieht, wie da Menschen durch die Luft wirbeln und auf ihren Füßen wieder ankommen. Das ist alles ganz normal gewesen, insofern hat er auch nie zwischen gut und böse unterschieden - auch später nicht in der Literatur", so Shelliem.

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