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Zurück in die gesetzliche Krankenkasse

Möglichkeit für privat Versicherte zu einem Wechsel

Von Klaus Deuse

Der Wechsel in die gesetzliche Krankenkasse ist nicht so einfach.
Der Wechsel in die gesetzliche Krankenkasse ist nicht so einfach. (AP)

Beinahe jedes Jahr flattert den derzeit etwa neun Millionen privat Krankenversicherten eine oft deutliche Beitragserhöhung ins Haus. Viele überlegen deshalb, in die gesetzliche Krankenkasse zu wechseln - doch das ist nicht so einfach.

"Ich bin momentan noch privat versichert, auch schon seit vielen Jahren. Und da sind doch in den letzten Jahren immer erhebliche Beitragssteigerungen gekommen. Und deswegen überlege ich mir schon seit einiger Zeit, ob ich nicht vielleicht von der Privaten in die Gesetzliche wechsele, um einfach da geringere, stabilere Beiträge zu erheben."

Philipp Nowak ist 47 Jahre alt und kann prinzipiell noch zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln, bestätigt die Versicherungsexpertin Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW.

"Für Arbeitnehmer kommt der Wechsel infrage, wenn der Arbeitnehmer das 55. Lebensjahr noch nicht gefeiert hat."

Aber auch vorher ist der Rückweg in die Gesetzliche mit Hindernissen gepflastert. So ist er nur möglich, wenn das Einkommen niedrig genug ist.

"Ich muss unterhalb der Pflichtversicherungsgrenze meinen Verdienst ansiedeln können. Im Jahr 2012 waren das 50.850 Euro und in 2013 wird es einiges mehr sein, da wird es um die 52.200 Euro liegen."

Einschließlich regelmäßig gezahlter Prämien sowie Weihnachts- und Urlaubsgeld. Dennoch ist die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung nicht grundsätzlich verbaut. Elke Weidenbach nennt Möglichkeiten.

"Angestellte können ihr Einkommen unter die Pflichtversicherungsgrenze drücken, indem sie zum Beispiel ihre Arbeitszeit reduzieren. Oder sie sammeln Guthaben auf ihrem Arbeitszeitkonto an, was sie sich vielleicht dann zu einem späteren Zeitpunkt auszahlen lassen. Oder sie nehmen dann vielleicht einmal ein soziales Jahr, ein Sabbatjahr, frei."

Auf diese Weise lässt sich das Einkommen vorübergehend senken. Der Höchstbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung liegt 2013 bei rund 610 Euro, wobei der Arbeitnehmerbeitrag etwa 330 Euro beträgt. Ein ganz bestimmter Kreis bleibt übrigens grundsätzlich von einer Rückkehr ausgeschlossen.

"Diejenigen Arbeitnehmer, die sich mal haben befreien lassen von der Pflicht, in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert zu sein, können definitiv nicht mehr zurückkehren in die gesetzliche Krankenversicherung. Diese Befreiung von der Versicherungspflicht gilt, solange sie Arbeitnehmer sind."

Mit einer Ausnahme, auf die Elke Weidenbach hinweist:

"Es gibt auch für Studenten die Möglichkeit, sich von der gesetzlichen Krankenversicherung befreien zu lassen. Haben sie das während ihres Studiums dann durchgeführt, können sie aber später problemlos wieder über die gesetzliche Krankenversicherung versichert werden."

Für Selbstständige gestaltet sich eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung fast aussichtslos, nicht nur wegen der Altersgrenze.

"Vor seinem 55. Geburtstag sollte sich der Selbstständige entweder dann ein Jahr anstellen lassen. In dieser Tätigkeit müsste er dann unterhalb der Pflichtversicherungsgrenze verdienen. Oder er sollte wirklich ein Jahr nichts tun."

Was sich kaum jemand leisten kann. Ehemals Selbstständige, die sich über den Ehepartner in der gesetzlichen Krankenversicherung versichern lassen wollen, müssen ein Einkommen von unter 375 Euro nachweisen, also maximal einem Minijob nachgehen. Darum rät die Expertin der Verbraucherzentrale NRW bei der Wahl der Krankenversicherung mit dem Blick aufs unvermeidliche Älterwerden vorsorglich:

"Junge Leute sollten sich auf jeden Fall vor einem Wechsel in den privaten Krankenversicherungsbereich sehr wohl überlegen, was das bedeutet und auch auf Jahre bedeutet."

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