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StartseiteCampus & KarriereZusammenarbeit rund um die Ostsee11.06.2007

Zusammenarbeit rund um die Ostsee

Die Länder im Norden kooperieren bei der Bildung

Elf Länder mit fast Hundert Millionen Einwohnern gruppieren sich rund um die Ostsee. Weil sie einzeln zu schwach sind, um im globalen Wettbewerb zu bestehen, bemüht man sich um Kooperation. Mit dem Slogan "On Top of Europe", an der Spitze Europas, demonstrieren die Ostseeländer Selbstbewusstsein.

Von Markus Rimmele

Rund um die Ostsee ist es nicht nur so beschaulich wie hier in Timmendorf auf der Insel Poel (dradio.de)
Rund um die Ostsee ist es nicht nur so beschaulich wie hier in Timmendorf auf der Insel Poel (dradio.de)

Für Dänemarks Bildungsminister ist internationale Wirtschaftskooperation ganz einfach. Die Arbeitslosen Nordostdeutschlands, sagt er in seinem Vortrag, seien herzlich willkommen in Dänemark. Sein Land brauche dringend Fachkräfte. Dem Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern mag das etwas unfreundlich vorkommen. Ein weiteres Ausbluten seines Landes kann wohl kaum das Ziel der Wirtschaftspolitik von Harald Ringstorff sein. Sein Akzent klingt entsprechend anders:

" Zusammenarbeit ist der Schlüssel zum Erfolg. Das gilt für Unternehmen wie auch für die Forschung. Zusammenarbeit hilft uns auch dabei, um im Wettbewerb um die besten Köpfe erfolgreich zu sein. Ich glaube, der Ostseeraum bietet hervorragende Voraussetzungen zur Profilierung einer europäischen Spitzenregion im Bereich der Biotechnologie, die mit den USA und Japan mithalten kann."

Da kündigt sich versteckt ein Konflikt an. Doch zunächst klingt alles sehr schön. Da haben einige Politiker und Wirtschaftsvertreter eine europäische so genannte Metaregion ausgerufen: den Ostseeraum. 11 Länder mit fast 100 Millionen Einwohnern gruppieren sich ums Wasser, sind, so der Slogan, "On Top of Europe", an der Spitze Europas. Es sind sehr wohlhabende Staaten darunter, viele mit einem hohen Bildungsniveau. Jedes Land für sich allein ist im globalen Wettbewerb zu schwach - daher die Zusammenarbeit. Vor allem in Zukunftsbranchen, etwa der Biotechnologie. Scanbalt heißt das vor fünf Jahren gegründete Netzwerk, das die verschiedenen Biotechnologiestandorte rund um die Ostsee miteinander verknüpft. Bo Samuelsson ist der Vorsitzende von Scanbalt

" Es fehlt an Konzentration. Wir müssen die Kompetenzen aus ganz Nordeuropa zusammenbringen, um sichtbarer zu werden. Wir müssen einsehen, dass dieser Teil der Welt ein sehr kleiner Teil ist verglichen mit den großen Einheiten in den USA oder Asien. Wir müssen uns deshalb gut organisieren, damit wir wettbewerbsfähig werden."

Scanbalt stellt den Mitgliedern eine gemeinsame Infrastruktur zur Verfügung, hilft Unternehmen etwa bei Fragen grenzüberschreitender Urheberschaftsrechte oder verknüpft Universitäten miteinander. Ein richtiger Ansatz, glaubt Börge Diderichsen, Vizepräsident von Novo Nordisk, Skandinaviens größtem Pharmaunternehmen. Europa stehe vor Problemen.

"China wird in den nächsten zehn Jahren seine Bildungsanstrengungen deutlich erhöhen. Zweitens müssen wir feststellen, dass unsere europäischen Universitäten nicht auf der Höhe sind. Auch hier kommt eine große Herausforderung aus Asien. Und verglichen mit den USA sieht es noch schlechter aus. Wir investieren zu wenig in Bildung und Talente. Europa versagt bei seiner Jugend."

Der Ostseeraum bildet da keine Ausnahme. Es wird deutlich: Wettbewerbsfähigkeit steht und fällt mit der Qualität der Arbeitskräfte, um so stärker in einer immer mehr auf High Tech spezialisierten Ökonomie. Und obwohl gerade die skandinavischen Länder hervorragend da stehen, geht auch bei Dänen, Schweden und Finnen die Angst vor dem Brain Drain um. Bo Samuelsson:

" Wir müssen dafür sorgen, dass die Studenten hier bleiben. Die sind oft versucht durch Angebote in den USA oder anderen Gegenden in Europa. Wir müssen unser Bildungssystem so gestalten, dass wir die Besten in der Region halten. Wir haben dafür ein Programm aufgelegt und ein anderes, um Leute aus dem Ausland wieder zurück zu holen. Wir sollten auch junge Leute davon überzeugen, Naturwissenschaften, Medizin etc ... zu wählen. So können wir am Ende die Firmen mit gut ausgebildeten Arbeitskräften versorgen."

Die internationale Kooperation soll dabei helfen. Doch schnell wird deutlich: die Solidarität innerhalb des Ostseeraums hat ihre Grenzen. Gewinner der engen transnationalen Kooperation könnten vor allem die starken Regionen in Skandinavien etwa sein. Das zeigt sich im Aufruf des dänischen Ministers an die Mecklenburger. Aber nicht nur: Börge Diderichsen von Novo Nordisk regt kurz darauf an, polnische Topleute sollten doch nach Kopenhagen kommen. Da gebe es viel attraktivere Angebote als in Polen. Der globale Kampf um die Talente findet eben auch an der Ostsee statt.

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