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StartseiteVerbrauchertippSparen bei Medikamenten08.09.2017

ZuzahlungenSparen bei Medikamenten

Es gibt immer weniger zuzahlungsfreie Arzneimittel. 2,1 Milliarden Euro zahlen Versicherte in Deutschland im Jahr zu, um ihre Medikamente zu bekommen. Viele zahlen zu viel. Sich vorher genau zu informieren - etwa über günstige Alternativpräparate - kann sich lohnen.

Von Ursula Reinsch

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Zwei kleine bunte Pillen in der Innenhand eines Mannes (dpa / Daniel Reinhardt)
Klein, aber teuer: Medikamente. Es gibt immer weniger zuzahlungsfreie Mittel in Deutschland. Entsprechend ist die Summe der Zuzahlungen über die vergangenen zehn Jahre um eine halbe Milliarde Euro nach oben geschossen. (dpa / Daniel Reinhardt)
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Ob in der Apotheke, im Krankenhaus, im Sanitätshaus: Wer in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, muss fast überall zuzahlen. Und zwar immer mehr.

Deshalb kann es sich lohnen, den Apotheker immer nach kostengünstigen Alternativ-Medikamente zu fragen, zu denen man nichts oder weniger zuzahlen muss. Die meisten Patienten finden sich allerdings resigniert mit steigenden Zuzahlungen ab:

"Ich muss für einige Dinge zuzahlen, zum Beispiel Physiotherapie, gut, okay. Ist halt so. Aber ganz verstanden habe ich es nicht."

Zahlen, obwohl man nicht genau weiß, warum und wie viel. Doch immerhin kann bei Gesundheitsleistungen Geld sparen, wer sich genau informiert.

Zuzahlung: In der Regel zehn Prozent, maximal zehn Euro

Die Regeln seien allerdings schwierig und kompliziert, klagt Regina Behrendt, Gesundheitsexpertin von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen:

"Es gibt gesetzlich vorgeschriebene Zuzahlungen. Da kann man also nicht dran sparen. Man muss beispielsweise für Arzneimittel, für spezielle Therapien, wie die Physiotherapie muss man immer einen Beitrag dazuzahlen. Das sind in der Regel zehn Prozent der Kosten, aber nicht mehr als zehn Euro pro Leistung oder pro Produkt."

Der Unterschied zwischen Zuzahlung und Aufzahlung

Von der Zuzahlung zu unterscheiden ist die sogenannte Aufzahlung, erklärt Behrendt:

"Die Aufzahlung muss man dann leisten, wenn man mehr möchte als das, was die gesetzliche Krankenkasse vorsieht."

Also Zusatzleistungen. Das leuchtet ein. Aber schwierig wird es, wenn der Patient gar nicht weiß, dass er gerade eine Behandlung erhält, für die er aufzahlen muss, denn:

"Diese Aufzahlung ist auch bei allen Leistungen möglich. Die Krux dabei ist, dass die Patienten häufig nicht merken, dass sie hier den Bereich der Kassenleistung verlassen und eine oft unnötige Aufzahlung leisten, zum Beispiel kann das bei Hörgeräten der Fall sein, oder auch bei Verbandsmaterial oder Verbrauchsmaterialien."

Verbraucher beschweren sich über ungenügende Vorgespräche

Die Grenze zwischen Zuzahlung und Aufzahlung ist oft fließend und nicht immer leicht zu durchschauen, sagt Regina Behrendt:

"In der Praxis erleben wir es oft, dass sich Verbraucher sich beschweren, dass sie nicht vorab über die Kosten informiert worden sind und auch nicht dazu, wozu diese Leistungen überhaupt nutzt. Und dass sie hinterher auch privat zahlen mussten, am besten noch in bar, in der Praxis. Das ist eine Überrumpelungstaktik, die muss man sich nicht bieten lassen. Also wenn die Spielregeln nicht eingehalten werden, ist man auch nicht zur Zahlung verpflichtet."

Nicht schriftlich vereinbarte Zusatzleistungen muss man nicht zahlen

Wurde die Zusatzleistung vor der Behandlung nicht erläutert und schriftlich vereinbart, muss der Versicherte nicht zahlen.

Zuzahlen müssen Versicherte aber beim Zahnersatz. Und zwar grundsätzlich immer. Hier zahlen die gesetzlichen Krankenkassen nämlich nur das, was als ausreichende, notwendige und wirtschaftliche Basistherapie definiert ist. Und auch davon "zahlt die Krankenkasse nur maximal 50 Prozent der Leistung … hier kommt man um eine Zuzahlung nicht herum."

Belege zu sammeln, lohnt sich

Einkommensschwache Familien und chronisch kranke Menschen können die Zuzahlungen begrenzen. Auf Antrag kann man bei seiner Krankenkasse eine Befreiung von weiteren Zuzahlungen beantragen – auch im Nachhinein.

Schon allein deshalb kann es sich lohnen, Belege zu sammeln. Überdies: Besonders hohe Belastungen können bei der Steuererklärung geltend gemacht werden.

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