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StartseiteHintergrundZwischen Alarmismus und Wirklichkeit21.03.2010

Zwischen Alarmismus und Wirklichkeit

Eine Bilanz zur Schweinegrippe

Warum wurde die sogenannte Schweinegrippe vor einem Jahr zur gefährlichen Pandemie erklärt, obwohl sie zehnmal weniger tödlichen Erkrankungen verursacht hat als eine normale Wintergrippe? Kritiker werfen der WHO vor, nur darauf gewartet zu haben, eine über Jahre aufgebaute Maschinerie in Gang zu setzen.

Von Ilka Münchenberg

Zuerst trat die Neue Grippe in Mexiko auf. (AP)
Zuerst trat die Neue Grippe in Mexiko auf. (AP)

"In Deutschland sind die Fälle sprunghaft angestiegen, mehr als 100 Menschen wurden angesteckt" ... "Weltweit warnen Experten vor Panikmache wegen des neuen Grippevirus. Es sei Vorsicht angebracht, für Hysterie gäbe es keinen Grund. " ... "Deutschland ist nach Einschätzung der Bundesregierung gut aufgestellt."

Schweinegrippe - Saison 2009, 2010: Deutschland zwischen Medienspektakel und Massenhysterie. Vor rund einem Jahr, im April vergangenen Jahres, versetzt ein aggressives Grippevirus die Weltöffentlichkeit in Aufregung. In rasantem Tempo breitet es sich aus - zunächst weit weg in Mexiko. Dann bahnt es sich seinen Weg nach Nordamerika, nach Europa.

Die Krankheit greift um sich und mit ihr die Angst. Die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf befürchtet den Beginn einer verheerenden Pandemie mit weltweit Millionen Todesopfern. Auch in Deutschland war die Sorge groß, betont Professor Reinhard Burger, Vizepräsident und Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten am Robert-Koch-Institut in Berlin:

"Es war zu dieser Zeit nicht absehbar, ob das Virus, wie wir jetzt wissen, zu überwiegend milden Verläufen führte. Es mussten also Vorkehrungen getroffen werden. Und man muss sich klar machen, dass doch eine beträchtliche Zahl an Todesfällen auftrat, schwere Verläufe, die eine intensive Behandlung erforderten."

H1N1, ein Mischvirus, bestehend aus Genmaterial von Erregern, die normalerweise entweder Schweine, Vögel oder den Menschen angreifen. Anders als bei einer normalen saisonalen Grippe trifft die Schweinegrippe häufiger junge Menschen. Ähnlich wie bei der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 bis zu 50 Millionen Menschen tötete.

Wie groß die anfängliche Verunsicherung über die Lage ist, drückt auch die damalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt zu Beginn der Grippewelle in Deutschland aus:

"Hier findet eine stärkere Ausbreitung statt als jemals zuvor in allen Situationen, die wir gehabt haben. Und deshalb müssen wir wachsam sein. Ich bin nicht in Panik, aber schon in Sorge und rechne schon damit, dass wir in den kommenden Wochen mehr Fälle haben werden."

Es ist nicht das erste Mal, dass die WHO und die Gesundheitsbehörden in der Welt mit einem solch aggressiven Erreger zu tun haben. 2003 taucht in Asien eine neue Lungenkrankheit auf und verbreitet sich in zuvor nie da gewesener Geschwindigkeit: ein Schweres Akutes Atemwegssyndrom, kurz SARS. Experten beschwören das Szenarium eines weltweiten wirtschaftlichen Zusammenbruchs. In 29 Ländern erkranken rund 8000 Menschen an SARS, jeder Zehnte stirbt. Der WHO wird später zögerliches Handeln vorgeworfen. Die Grippewelle ebbt ab.

2005 ein neues Virus: die Vogelgrippe. Auch sie verläuft glimpflicher als zunächst befürchtet. Seitdem liegen hierzulande ausgearbeitete Notfallpläne bei Bund und Ländern vor, wie bei einer Pandemie vorzugehen wäre.

Im Fall der Schweinegrippe will die WHO beweisen, dass sie vorbereitet und handlungsfähig ist. Obwohl die Fallzahlen der südlichen Welthalbkugel zeigen, dass es nur eine geringe Zahl an schwerwiegenden Erkrankungen und Todesfällen gegeben hat, erklärt sie am 11. Juni 2009 die Schweinegrippe zur Pandemie. Und ruft die höchste Alarmstufe 6 aus. Es ist das erste Mal seit rund 40 Jahren. Generalsekretärin Margaret Chan:

"Wir gehen von einer weiteren Ausbreitung aus. Deshalb habe ich entschieden, die Pandemiestufe von 5 auf 6 hoch zu setzen. Die Welt kann nun davon profitieren, dass sie sich über fünf Jahre lang auf eine Pandemie vorbereitet hat. Das bringt uns in eine starke Position."

Warum aber wurde die Verbreitung eines neuen Influenzavirus zur gefährlichen Pandemie erklärt, das nicht einmal ein Zehntel jener tödlichen Erkrankungen verursacht hat, wie es bei der normalen Wintergrippe der Fall ist? Wieso wurde gerade jetzt eine so große Impfkampagne gestartet? Kritiker werfen der UN-Organisation vor, nur darauf gewartet zu haben, eine über Jahre aufgebaute Maschinerie in Gang zu setzen.

Ende Januar dieses Jahres befragt der Gesundheitsausschuss des Europarates in Straßburg die WHO und Pharmaindustrie zur Schweinegrippe. Bereits vor Ausrufung der Pandemie habe es Verträge mit einzelnen Regierungen für den Ankauf von Impfstoffen gegeben, betont der Arzt Wolfgang Wodarg, ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter, bei der Anhörung:

"Eine ganze normale, eine stinknormale Grippe zu einer Pandemie hoch zu stilisieren: Was dazu geführt hat, dass die Geschäfte dann plötzlich anfingen, zu laufen. Und dass das, was die pharmazeutische Industrie die ganze Zeit vorbereitet hatte, dann endlich auch in bare Münze umgesetzt werden konnte."

Bis Anfang Mai 2009 war auf der WHO-Internetseite zu lesen: Eine Pandemie sei die Ausbreitung eines neuen Influenzavirus, das - so wörtlich - "zu weltweiten Epidemien mit enormen Zahlen von Toten und Kranken führt". Diese Definition wurde abgeändert. Nun kommt es nicht mehr so sehr darauf an, ob ein Virus tödlich sein kann, sondern ob es sich rasend schnell verbreitet. Die Ausrufung der weltweiten Ausbreitung der Schweinegrippe sei zurecht erfolgt, heißt es in einer schriftlichen Erklärung der WHO.

Dennoch bleibt der Vorwurf bestehen, dass die Pharmalobby eine wichtige Rolle gespielt haben könnte. Viele Grippeforscher, die als Experten in maßgeblichen Kommissionen mitbestimmen, seien eng mit der Pharmaindustrie verbunden, beschreibt die Organisation Transparency International den Zusammenhang:

"Was wir immer kritisch überprüfen, ist die Unabhängigkeit von medizinischen Sachverständigen. Und da stellt sich heraus, auch in Deutschland, bei der Arzneimittel-Kommission der deutschen Ärzteschaft beispielsweise, dass man eben kaum Sachverständige findet, die nicht auch als Sachverständige von der entsprechenden Herstellerindustrie in Anspruch genommen werden","

sagt Anke Martiny, Vorstandsmitglied der Anti-Korruptionsorganisation. Sie fordert die Offenlegung von Interessenkonflikten:

Tatsache ist: Die Pharmaindustrie verdient bestens am Pandemiealarm der WHO. Allein die Bundesländer bestellten 50 Millionen Impfstoff-Ampullen. Die Kosten: rund eine Milliarde Euro. Vor allem drei große internationale Pharmaunternehmen haben sich den lukrativen Markt gesichert: der britische Konzern GlaxoSmithKline, die Schweizer Novartis und die französische Sanofi.

Größter Gewinner ist GlaxoSmithKline, der weltweit zweitgrößte Pharmakonzern. Anfang Februar gab er ein kräftiges Umsatzplus bekannt. 2009 steigerte das Unternehmen seinen Gewinn um 20 Prozent auf 5,5 Milliarden Pfund - auch dank der Schweinegrippe. Dass die Aufträge vor allem an GlaxoSmithKline gingen, lag laut Professor Barbara Sickmüller, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Pharmazeutische Industrie, vor allem an der Tatsache:

""Dass zu der Zeit, als die ersten Diskussionen über eine Pandemie erfolgten, natürlich noch nicht genügend Impfstoffe zur Verfügung standen und insoweit die Auswahl natürlich eingeschränkt war. Und da war halt die Firma SmithKline, die die Produkte hatte. Und insoweit war natürlich die Auswahl auch auf diese Firma fokussiert."

Seit Sommer 2009 arbeitet GlaxoSmithKline mit Hochdruck an einem Impfstoff. Im Oktober ist das so genannte "Pandemrix" verfügbar, der Ansturm enorm. Von regionalen Engpässen ist die Rede: Ärzte, die impfen wollten, müssen ihre Patienten wegen ausbleibender Lieferung der Impfdosen auf einen späteren Zeitpunkt vertrösten. Vor manchem Gesundheitsamt stehen Menschen Schlange.

Doch zugleich wird die Unsicherheit gegenüber einer Impfung immer größer. So fehlt ein unbedenkliches Präparat für Schwangere. Und Mediziner streiten darüber, ob die Impfung gegen die Schweinegrippe überhaupt sinnvoll ist. Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittel-Kommission der deutschen Ärzteschaft, beklagt:

"Man sollte zunächst einmal betonen, dass diese Impfstoffe im Rahmen der Zulassungsuntersuchungen nur an relativ wenigen Probanden untersucht werden. Andererseits muss man diese Information jeden, der sich impfen lassen will, transparent machen; Das heißt, man muss ihm sagen: Wir können nicht sagen, ob schwere, unerwünschte Wirkungen auftreten. Und wir können angesichts des sehr gutartigen Verlaufs der Schweinegrippe überhaupt nicht sagen, ob eine Impfung notwendig ist."

Für Aufregung sorgt auch ein angeblich besserer Impfstoff für Politiker, hohe Beamte und Bundeswehrsoldaten. Im Gegensatz zu "Pandemrix" enthält der Impfstoff "Celvapan" des US-Pharmakonzern Baxter keine sogenannten Wirkstoffverstärker und verursacht dadurch möglicherweise weniger Nebenwirkungen wie Schwellungen oder Fieber. Allerdings fällt laut Robert-Koch-Institut ohne diesen Verstärker auch der Impfschutz schwächer aus. Bei den Bürgern bleibt dennoch der Eindruck, für sie stehe nur ein Impfstoff zweiter Klasse zur Verfügung.

Trotz aller Beteuerungen durch das für die deutschen Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut in Langen, dass alle Impfstoffe sicher seien: In der Öffentlichkeit scheint die Angst vor dem Impfstoff bei manchem größer zu sein als die Sorge vor einer Infektion. Der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Burger, übt Selbstkritik:

"Offensichtlich war die Informationspolitik nicht gut genug. Die Informationen waren zum Teil widersprüchlich, von sehr unterschiedlichen Seiten, in zum Teil entgegengesetzter Form vermittelt."

"Das gehört auch zu den Punkten, die man im Nachhinein wird auswerten müssen, dass die Bevölkerung zum Teil ja auch verunsichert worden ist, dass die Impfbereitschaft am Anfang niedrig war und im Verlauf auch nicht wirklich gestiegen ist. Das hat ja auch damit zu tun: Wie geht man öffentlich mit so einem Thema um? Und das ist sicherlich etwas, wo die Länder und alle sonstigen Verantwortlichen etwas lernen können für die Zukunft",

zieht Katrin Lompscher Bilanz, Senatorin für Gesundheit in Berlin. Ab morgen wollen sich alle Beteiligten - darunter Vertreter des Bundesgesundheitsministeriums, der Bundesländer, des Robert-Koch-Instituts - in Berlin zusammensetzen. Bei einer zweitägigen Konferenz wollen sie aufarbeiten, was schief gelaufen ist. Etwa beim Thema Impfstoffe: Seit dem Sommer vergangenen Jahres hatten sich die Bundesländer mit möglichst vielen Impfdosen eingedeckt - vor allem auf Drängen der Bundesregierung:

"Die Entscheidung der Länder über die Menge der zu bestellenden Menge des Impfstoffes stand sehr eindeutig unter einem deutlichen Primat dessen, was die Bundesregierung nicht nur wünscht, sondern was sie auch erwartet von den Ländern. Deshalb sind die Länder immer noch ihrerseits gemeinsam der Auffassung, dass sich der Bund hier an den Kosten beteiligen muss. Allerdings besteht hier immer noch keine Einigung."

Als sich herausstellt, dass eine einmalige Impfung völlig ausreicht und sehr viel weniger Menschen als erwartet sich impfen lassen, wird klar, dass die georderten 50 Millionen Pandemrix-Dosen zu viele sind. Nach hartem Ringen einigen sich bei einem Treffen im Januar die Bundesländer mit dem Pharmakonzern GlaxoSmithKline darauf, rund ein Drittel weniger Schweinegrippe-Impfstoff abkaufen zu müssen als ursprünglich geplant. Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Mechthild Ross-Luttmann, zeigt sich zufrieden:

"Ich danke auch GlaxoSmithKline, die dann nach harten Verhandlungen auch bereit waren, einen fairen Kompromiss, der sowohl die Interessen der Bundesländer, aber auch die Interessen des Unternehmens zufriedenstellt, abzuschließen."

"Mit der Einigung, die Menge auf 70 Prozent der ursprünglich bestellten Menge zu reduzieren, haben wir eine akzeptable Lösung, die Zugeständnisse von allen Seiten erforderte. Also, es ist sicherlich auch eine Schmerzgrenze für uns erreicht worden. Ich möchte aber betonen, dass wir uns immer als konstruktiver Gesprächspartner gesehen haben und wir jetzt Kulanz zeigen",

betont Bettina Brennecke, Sprecherin von GlaxoSmithKline. Überschüssigen Impfstoff wollen die Bundesländer darüber hinaus ins Ausland verkaufen. Etwa nach Pakistan, mit dem derzeit verhandelt wird. Doch all das ändert nichts an der Tatsache, dass die Länder auf den meisten Impfdosen sitzen bleiben werden. Beim Preis von acht Euro pro Dosis könnte sich der Verlust für die Länder am Ende auf mehr als 200 Millionen Euro belaufen. Noch schlummern viele unbenutzte Impfdosen in den Kühlschränken der Ärzte. Wenn sie nicht bald aufgebraucht sind, müssen sie vernichtet werden. Barbara Sickmüller vom Bundesverband Pharmazeutische Industrie:

"Da ist natürlich zu beachten, das alle Arzneimittel, alle Impfstoffe Verfallzeiten haben. Sie sind nicht unendlich haltbar. Die Verfallzeiten sind eine Auflage der Zulassungsbehörden. Und wenn die abgelaufen sind, kann man leider auch die Impfstoffe dann nicht mehr benutzen."

Nicht einmal jeder zehnte Deutsche hat sich gegen Schweinegrippe impfen lassen. Die Zahl liegt deutlich unter der Impfrate einer normalen Grippesaison von rund 20 Prozent. Und niemand glaubt mehr, dass sich an diesem Ergebnis noch viel ändern könnte. Auch Vizepräsident Reinhard Burger vom Robert-Koch-Institut hatte sich weitaus mehr erhofft:

"Das geht besser, das lehrt uns beispielsweise die Erfahrung aus Schweden, wo 50, 60 Prozent der Bevölkerung geimpft wurden. Da man nicht weiß, wie sich das entwickelt mit diesem Virus, wäre es uns lieber gewesen, mehr Personen wären geimpft. Influenza-Viren haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie sich verändern können, sie können also stärker krank machend werden. Sie können sich auch verändern, dass die frühere Begegnung keinen weiteren Schutz liefert. Das ist auch der Grund, warum man jährlich neu impfen muss."

Rund 226.000 Menschen sind laut Robert-Koch-Institut bislang in Deutschland an Schweinegrippe erkrankt. Die Dunkelziffer liegt weitaus höher. Da der Verlauf der Grippe milde ist, werden Tests - auch aus Kostengründen - kaum mehr durchgeführt. Und viele Menschen gehen gar nicht erst zum Arzt. Mancher zeigt nicht einmal Symptome. Offenbar ist das Virus H1N1 für das Immunsystem vieler, gerade älterer Menschen, kein völlig Unbekannter.

246 Menschen sind im Zusammenhang mit der neuen Influenza hierzulande gestorben. Im Vergleich: Ein normaler saisonbedingter Grippeverlauf kostet jährlich zwischen 7.000 und 10.000 Menschen das Leben. Weil die Schweinegrippe in diesem Winter möglicherweise die gefährlichere Saisongrippe verdrängt hat, betrachten manche Experten den Krankheits-Erreger als eine Art "viralen Glücksfall".

Zumindest in diesem Winter entpuppte sich die Schweinegrippe als eher harmloser Virenstamm. Was aber ist, sollte sich das ändern? Die Pharmaindustrie bereitet sich inzwischen schon auf die Herstellung des neuen Impfstoffs für den nächsten Herbst vor. Barbara Sickmüller vom Bundesverband Pharmazeutische Industrie setzt auf die allerneueste Kombination:


"Die Weltgesundheitsorganisation WHO gibt immer im Frühjahr bekannt, wie denn die Grippeimpfung für den folgenden Winter zusammengesetzt sein soll. Und da wird genau definiert, welche Viren da in die Impfung mit hineinkommen sollen. Und der Vorschlag ist, dass hier auch die Schweinegrippe mit hineinkommen soll. Das wird in Deutschland noch durch die ständige Impfkommission begutachtet, aber die folgt üblicherweise der WHO-Empfehlung."

Doch wie werden die Behörden in Zukunft reagieren bei der Abwägung zwischen Alarm und Fehlalarm? Bei der Einstufung der Gefährlichkeit von Viren? Der Virologe Christian Drosten glaubt:

"Die WHO hat sicherlich jetzt daraus gelernt, dass man das nicht alles so formal über einen Kamm scheren kann. Und es wird sicherlich nicht immer wieder in nächster Zeit dazu kommen, dass Pandemiewarnungen der Stufe 6 herausgegeben werden, mit Konsequenzen für die Öffentlichkeit. Wenn auch nur für die öffentliche Diskussion, Sondern man wird das sicherlich in Zukunft differenzierter betrachten müssen."

Die Unsicherheit bleibt. Und die Frage, ob die Menschen einem erneuten Aufruf zur Impfung folgen würden. Anke Martiny, Vorstandsmitglied von Transparency International, ist eher skeptisch:

"Impfung ist ja im Grunde etwas Vernünftiges, und man muss alles daran setzen, dass die Bevölkerung die entsprechenden Stellen, die so etwas dann durchsetzen müssen, nicht in Zweifel zieht. Sondern, dass man Vertrauen hat in Entscheidungen der Regierung. Und dieses Vertrauen ist jetzt gründlich in den Eimer gegangen durch die Machenschaften um die Schweinegrippe."

Während sich die Aufregung in Deutschland um die Schweinegrippe längst gelegt hat, gilt nach wie vor weltweit die Pandemiestufe 6. Das Robert-Koch-Institut gibt noch keine Entwarnung. Schließlich zirkuliere das Virus noch in verschiedensten Regionen Europas und der Welt. Doch allen Beteiligten ist klar: Dieses Mal war der Verlauf der Neuen Grippe eher milde. Dieser Umstand müsse genutzt werden, fordert Katrin Lompscher, Senatorin für Gesundheit in Berlin:

"Was wir natürlich im Ergebnis der Neuen Grippe auswerten müssen: Haben sich die Strukturen, in denen die Entscheidungen getroffen werden, bewährt? Hat sich die Entscheidung in der Sache als richtig erwiesen? Was lernt man sozusagen aus dieser Situation?"

Im Klartext: Beim nächsten Ernstfall müsste das Krisenmanagement deutlich besser sein.

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