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Zwischen bayerischer Blasmusik und Mozart

Die musikalischen Vorlieben des scheidenden Papstes

Von Christiane Florin

Die Feuilletonkatholiken lobten den Papst für seinen authentischen Musikgeschmack.  (picture alliance / dpa / Stephan Jansen)
Die Feuilletonkatholiken lobten den Papst für seinen authentischen Musikgeschmack. (picture alliance / dpa / Stephan Jansen)

Benedikt VXI. gehört zu den Menschen, für die gespielt wird, was sie sich wünschen. Mozart zum Beispiel, denn dessen Musik liebt der scheidende Papst. Doch wer Benedikt VXI. wirklich zum Weinen bringen wollte, musste ihm Musik aus der Heimat mitbringen.

Die Katholiken sind die Sex Pistols unter den Konfessionen. Das behauptet der katholische Abenteurer Matthias Matussek in seinem Buch "Das katholische Abenteuer". Mit Sex beschäftigt sich der Vatikan in der Tat häufiger, auch mit Pistolen kennt man sich dort aus. Aber von Benedikt XVI. ist nicht bekannt, dass er je eine Platte der britischen Punkrocktruppe gehört hätte. Schon der zahmere Bob Dylan war Joseph Ratzinger zu viel. Der durfte dann zwar doch vor Johannes Paul II. spielen, aber der Kardinal war dagegen.

Joseph Ratzinger liebt nämlich Mozart. Das hat er oft erzählt, das hat er geschrieben. Fast jedes Orchester, das vor ihm spielen durfte, griff deshalb für Gottes Statthalter zum Götterliebling. Jeder Knabenchor stimmte das "Ave verum" an. Weniger taktvolle Dirigenten schreckten nicht einmal vor Mozarts Requiem zurück. Trotz des hohen Alters des Beschenkten. Mozart wäre aufgrund seines bedenklichen Lebenswandels heute wohl kaum eine Anstellung in einem katholischen Kindergarten vergönnt gewesen. Man sah Benedikt beim Hören trotzdem lächeln.

Wer ihn gezielt zum Weinen bringen wollte, musste ihm Musik aus der Heimat mitbringen. Wenn er in der Sommerresidenz Castel Gandolfo mit Blasmusik an schneebedeckten Berge erinnert wurde, kamen dem bayerischen Buben die Tränen, so berichten Ohrenzeugen. Aber Originalinstrumente mussten es schon sein, nicht so was elektrisch Verstärktes wie bei Florian Silbereisen und Carmen Nebel.

Die Feuilletonkatholiken lobten den Papst denn auch für seinen authentischen Musikgeschmack. Johannes Paul II hatte ein Pop-Album aufgenommen. Die Wolferl-Perücke des Nachfolgers aber durchwehte kein Zeitgeist. Gott bewahre.

Noch immer wird über die wahren Gründe für den überraschenden Rücktritt spekuliert. Ist es eine Depression? Eine Demenz? Eine schlimmere körperliche Krankheit? Aus dem Vatikan verlautet, der Papst wolle nach dem Ende seiner Amtszeit ins Kloster gehen. Er möchte meditieren und beten.
Man könnte auch sagen: Er will endlich seine Ruhe! Nie wieder musikalische Mozartkugeln! Nie wieder Blaskapellen, die im Trachtengewand bloß nach seiner Rührung trachten!

Das Paradies stelle er sich so vor wie in seiner Kindheit, hat er einmal erzählt. Damals machte die Familie Ratzinger Hausmusik, der Vater spielte Zither spielte und die Söhne hörten zu. Kann man das glauben' Wer so zurücktritt wie Joseph Ratzinger, ist im Grunde seines Herzens ein Rocker. Er wird im Kloster nicht Oooohm säuseln, er wird "Highway to hell" auf seiner Zither spielen. Der Song ist zwar nicht von den Sex Pistols, sondern von AC/DC. Aber einer seiner Fans im Feuilleton kann ihm die Platte sicher vorbeibringen.



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