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Zwischen Pressspanschränken leidenschaftlich Realitäten ignorieren

Setbesuch beim Film "Und Äktschn!" von Gerhard Polt

Von Susanne Lettenbauer

Der Kabarettist Gerhard Polt
Der Kabarettist Gerhard Polt (© Rat Pack Filmproduktion GmbH / Marco Nagel)

Der 70-jährige Kabarettist Gerhard Polt dreht seinen neuer Film "Und Äktschn!" im Grenzgebiet zwischen Österreich und Deutschland, im Grenzgebiet zwischen Wirklichkeit und Satire. Im Herbst soll er in die Kinos kommen.

"Ja, wir kamen hierher und das gehört der Evangelischen Kirche und das war uns vorgeschlagen als Location. Hat uns super gefallen, ich glaube, da war gerade die Aussiedlermuttergruppe hier."

Es ist wahr und doch irgendwie nicht: orangefarbene Vorhänge, hellbraune Pressspanschränke, sorgfältig geordnete Stuhlreihen, davor Regisseur Fredrick Baker, ganz aufgelöst angesichts dieses Drehorts. Fehlt nur noch das Abendläuten, hier in Freilassing, im Gemeindehaus der evangelischen Kirche. Drehort für Gerhard Polts neuen Film "Und Äktschn!". Der Meister selbst holt sich gerade Mohnstrudel vom böhmischen Mehlspeisencafé um die Ecke. Ein Traum, wie er hinterher sagt. Doch vorerst geht es mit Regisseur Fredrick Baker hinunter in den Keller des Gemeindehauses zum zweiten Set, vorbei an noch mehr Pressspanschränken:

"Nein, nein, das ist alles Original. Wir machen keine Komödie, sondern eine Realsatire. Wir nehmen Stücke aus der Wirklichkeit und tun sie ein bisserl verdrehen, heraus kommt eine Satire und ein bisserl der Humor. Aber uns ist ganz wichtig, dass das heute jetzt in richtiger Location passieren kann. Wir haben nur ein Set gebaut, ansonsten ist alles andere auffindbar."

Schlangen an Cineasten kommen einem in den Sinn. Die werden irgendwann einmal dieses Gemeindehaus staunend betrachten, wo Gerhard Polt in Cordhose und Weste 24 Tage lang seinen Film über das Filmen gedreht hat, über die fiktive Kleinstadt Neufurth, wo Menschen ihre Freizeit in örtlichen Filmklubs verbringen, alte Super-8-Filme tagelang in MP4-Formate konvertieren und sich mangels Geld mit Aufträgen für Werbefilmchen der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr über Wasser halten. Menschen wie Hans Pospiech alias Gerhard Polt:

"Ich hab das gehört von einem Menschen, ein leidenschaftliche Filmer, der zu mir gesagt hat, Polt hat er gesagt, für mich stand zu beantworten, Film oder Familie und ich hab mich für den Film entschieden. So ein Mensch bin ich. Ich filme alles in Grund und Boden."

In einem Hinterstübchen des gegenüberliegenden Weissbräu sind sie alle auf knarzenden Holzstühlen unter alten Ölbildchen versammelt, der Maxi Brückner, der Gerhard Polt, der Michi Ostrowski, den man schon als blasierten Regisseur in "Kokowääh 2" nicht versteht:

"Bei mir ist es so, ich spiele den Filialleiter einer Bank, Sparkasse darf man ja nicht mehr sagen. Ich bin jetzt schon Chef geworden und engagiere mich kulturell in der Stadt und möchte ein bisschen was Lässiges machen."

Brückner: "Ich hab noch nie so einen Film gedreht, also das ist sehr ... Gerade, weil der Gerhard so eine Stimmung am Set vermittelt, die für alle wahnsinnig angenehm ist, total freundlich, total nett, kein Stress. Er hat so eine Ruhe an sich. Also normal hüpfe ich immer, zack, zack, zack - und jetzt ist es ... Mach mal des, mach mal des, aber dann wird es effektiv."

Im Gemeindehaus gegenüber vom Weissbräu stürzt Maximilian Brückner alias Neffe Pospiech neben der Filmprojektor des Filmklubs vom Stuhl und dann noch mal. Noch ist es nur eine Probe. Später zofft er sich mit seinem Onkel, alias Gerhard Polt. Alles lacht. Dieses Lachen verfolgt die Proben bis zum Abend. Ein Drehbuch gibt es zwar, einen Anhaltspunkt. Aber wie Brecht schon sagte, irgendwas muss ja da stehen, meint Burgtheaterstar Nikolaus Paryla:

"Zum Teil ist es wörtlich, wie es da steht, hervorragend und das muss dann auch so sagen. Trotzdem ist es nicht sakrosankt dergestalt, dass man es nicht auch a bisserl auf sich adaptieren kann, damit es so wirkt, wie er es gemeint hat."

Gerhard Polt: "Das ist was Tolles. Es ist ja nicht so, dass ich einen Film machen muss, ich darf einen machen. Weil mich das interessiert hat, weil ich da viel Komik drin sehe, wie manche Menschen leidenschaftlich an etwas hängen. Und wie sie in der Lage sind, bestimmte Realitäten zu ignorieren, das ist wunderbar."

Sagts und schickt alle Beobachter vom Set. Jetzt wird gedreht und wie der Film wird, wissen höchstens die Schauspieler wie Maximilian Brückner:

"Keine Ahnung was dabei herauskommt. Das kann ich ihnen überhaupt nicht sagen."

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