Freitag, 15.12.2017
StartseiteWirtschaft und GesellschaftNicht ganz schlecht, nicht ganz gut26.06.2017

Zwischenbilanz FrauenquoteNicht ganz schlecht, nicht ganz gut

Tatsächlicher Erfolg oder Schönrechnerei? Der Anteil von Frauen in Führungspositionen ist seit der Einführung der Quotenregelung 2015 nur leicht gestiegen, in den Vorständen sitzen weiter meist nur Männer. Bundesfamilienministerin Katarina Barley und Bundesjustizminister Heiko Maas ziehen aber eine positive Bilanz.

Von Gudula Geuther

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Seit zwei Jahren gilt für gut 100 Firmen die gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent. (dpa/picture alliance/Wolfgang Kumm)
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Seit eineinhalb Jahren, seit dem 1. Januar 2016, gilt die gesetzliche Geschlechterquote in börsennotierten Unternehmen. Für Bundesfamilienministerin Katarina Barley und Bundesjustizminister Heiko Maas fällt die Bilanz positiv aus. 

"Die Quote wirkt, das ist klar. Der Kulturwandel in deutschen Unternehmen ist eingeleitet."

"Endlich passiert etwas in deutschen Unternehmen!"

Was die beiden SPD-Politiker als Erfolg feiern, lässt sich in Zahlen nüchterner an. Um gut zwei Punkte ist der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten im vergangenen Jahr gestiegen, von 25 auf 27,3 Prozent. Dabei geht es um die 104 Unternehmen, die sowohl börsennotiert sind als auch der paritätischen Mitbestimmung unterliegen. Für sie gilt eine gesetzliche Quote von 30 Prozent.

Firmen, die nur börsennotiert sind oder nur die paritätische Mitbestimmung haben, müssen sich eigene Zielvorgaben für die Aufsichtsgremien geben. Betrachtet man alle börsennotierten Unternehmen, fiel der Anstieg des Frauenanteils mit unter zwei Punkten geringer aus, von 19,5, auf 21,2 Prozent - nach wie vor ist also etwa jeder fünfte Aufsichtsratsposten mit einer Frau besetzt.

Ein zusätzliches Problem, so Barley: "Es gibt viele Menschen, die sehr viele Aufsichtsratsmandate wahrnehmen. Wir stellen das leider auch insbesondere bei den Frauen fest. Weil es ja natürlich auch dieses Tendenz gibt, die Frauen, die man ja schon kennt, dann auch in den nächsten Aufsichtsrat einzuladen."

"Bei den Vorständen hat sich kaum etwas bewegt"

Umso wichtiger nannte es die Bundesfamilienministerin, dass mehr Frauen auf allen Führungsebenen gefördert würden. Allerdings sieht es schon auf der Vorstandsebene weniger ermutigend aus:

"Bei den Vorständen hat sich kaum etwas bewegt. Der Frauenanteil dort beträgt nur 6,1 Prozent. Und es setzen sich nach wie vor überhaupt nur wenige Unternehmen das Ziel, überhaupt ein Frau für den Vorstand zu gewinnen."

70 Prozent der Unternehmen haben sich laut dem Bericht hier als Ziel für die Besetzung mit Frauen die Größe Null gesetzt. Ein möglicher Grund: In der bisherigen kurzen Frist habe kein Wechsel des Führungspersonals stattgefunden. 

"Meine Ambition ist, dass auf jeden Fall die Überprüfung in den nächsten ein bis zwei Jahren noch mal genau angeschaut wird und dann auch reagiert wird. Denn die Ausrede, sich eine 'Zielgröße Null' zu setzen, die hält nicht länger als ein Jahr."

Verhalten zufrieden zeigten sich beide Minister über die Besetzungspraxis des Bundes. Der muss bei Aufsichtsräten, in denen ihm drei Sitze oder mehr zustehen, mindestens 30 Prozent mit Frauen besetzen. Ab dem kommenden Jahr sollen es 50 Prozent sein. Derzeit ist bereits ein Anteil von 41 Prozent erreicht. Im höheren Dienst arbeiten zu über 30 Prozent Frauen. Auf Ebene der Referatsleiter spiegelt sich das noch wieder, weiter oben auf der Karriereleiter sinkt aber auch hier der Anteil. 

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