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StartseiteCampus & KarriereAttraktive Karrierewege20.05.2016

1.000 Tenure Track-ProfessurenAttraktive Karrierewege

Nachwuchswissenschaftler in Deutschland hangeln sich oft von einer Stelle zur nächsten ohne Aussicht auf eine Professur. Ein gemeinsames Bund-Länder-Programm soll nun 1.000 "Einsteige-Professuren" schaffen und damit die Professorenschaft verjüngen und dem wissenschaftlichen Nachwuchs die Familienplanung erleichtern.

Von Christiane Habermalz

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am 29.01.2016 in Berlin bei der Pressekonferenz zur Evaluation "Wie geht es weiter mit der Exzellenz-Initiative für Wissenschaft und Forschung?" (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Bildungsministerin Johanna Wanka will mit der Schaffung der Tenure Track-Professuren erreichen, dass die besten jungen Wissenschaftler gern im Hochschulbereich in Deutschland bleiben. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
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Deutschland hat im Wettbewerb um die besten Köpfe in der Wissenschaft international oft das Nachsehen – Grund sind die unsicheren Karriereaussichten für junge Wissenschaftler, die lange in befristeten Verträgen arbeiten und oft erst in ihren 40ern Aussicht auf eine Professur bekommen. Dies soll sich nun ändern – mit einem gemeinsamen Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Mit einer Milliarde Euro sollen über einen Zeitraum von 15 Jahren Eintausend zusätzliche Tenure-Track-Professuren geschaffen werden. Das sind so etwas wie "Einsteige-Professuren", die geringer dotiert sind als normale Professuren. Nach einer 6jährigen Bewährungsphase gehen sie in aller Regel in eine Lebenszeitprofessur über.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka sieht die Tenure Track-Professur als wichtiges Mittel, um die Professorenschaft zu verjüngen. Karriereentscheidungen müssten früher fallen können, dies sei gerade in der Familiengründungsphase wichtig.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen

"Das heißt wir möchten, dass die Karrierewege so attraktiv sind, dass die jungen Leute, die besten, gerne im Hochschulbereich bleiben, und dass sie natürlich auch, wenn sie ins Ausland gehen, was wir wollen, Lust haben, wieder zurückzukommen."

Finanziert wird das Programm zu 90 Prozent vom Bund und zu zehn Prozent von den Ländern. Außerdem haben die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern sich noch auf ein weiteres Förderprogramm für die Hochschulen geeinigt. Mit dem Programm "Innovative Hochschule" sollen kleine und mittelgroße Universitäten sowie Fachhochschulen mit 550 Millionen Euro für zehn Jahre bezuschusst werden, deren Forschungen für Wirtschaft oder Gesellschaft besonders relevant sind.

"Es soll vor allen Dingen die regionalen Kooperationen stärken. Es soll die Zusammenarbeit zwischen Fachhochschulen als auch Universitäten ermöglichen. Und es soll natürlich das Innovationspotential, das in Fachhochschulen und kleineren Universitäten besteht, auch im Austausch mit der Wirtschaft an der Stelle stärken."

Erklärte die Bremer Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt. Erst vor vier Wochen hatten Bund und Länder sich auf die Neuauflage der Exzellenzinitiative geeinigt, mit der die Spitzenforschung pro Jahr mit einer halben Milliarde Euro gefördert wird.

Kleine und mittlere Universitäten müssen attraktiver werden

Mit dem jetzt aufgelegten Programm wollen die Wissenschaftsminister Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, die darauf hinwiesen, dass kleine und mittlere Universitäten im Wettbewerb um Spitzenförderung nahezu chancenlos seien. Die Grünen sprachen in einer ersten Reaktion von einem "Trostpflaster" für die Kleinen.

"Es stehen nur 550 Millionen Euro verteilt auf 10 Jahre zur Verfügung – etwa genauso viel, wie die Exzellenzinitiative jährlich kostet.", sagte der hochschulpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Kai Gehring.

Über die Ausgestaltung des Paktes für wissenschaftlichen Nachwuchs hatten SPD und Union lange gestritten. Die Sozialdemokraten hatten bessere Karrierewege in Form von unbefristeten Stellen nicht nur für angehende Professoren, sondern auch für den Mittelbau gefordert. Davon ist jetzt nur noch wenig geblieben.

SPD: Guter Kompromiss zur Förderung des Nachwuchses

Immerhin konnte die SPD durchsetzen, dass es pro Tenure Track-Professur einen "Strategieaufschlag" von 15% obendrauf geben soll - die von den Ländern für die Schaffung von unbefristeten Stellen auch in anderen Personalkategorien verwendet werden "können". Verbindlich festgeschrieben ist dies jedoch nicht. Andreas Keller von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

"Es ist den Universitäten letztlich freigestellt, wofür sie diese Gelder einsetzen. Ob sie damit wirklich Dauerstellen schaffen oder nicht, steht also in den Sternen. Hinzu kommt natürlich, dass ich davon ausgehe, dass viele Unis das Geld nutzen, um auch eine Tenure Track-Professur attraktiv auszustatten. Und auch eine Tenure Track-Professorin oder ein Professor, der hat vielleicht dann auch Interesse an Hilfskraftmitteln oder an Doktorandenstellen, das sind nun eben nicht die Dauerstellen, die wir brauchen."

Die Sozialdemokraten sprachen dennoch von einem guten Kompromiss für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

"Das Programm ist ein wichtiger Baustein, dem nun weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Karriereperspektiven im Mittelbau folgen müssen", sagte die SPD-Bildungspolitikerin Simone Raatz.

Programmtipp
Was bringt der Nachwuchspakt von Bund und Ländern jungen Wissenschaftlern? Darüber wird diskutiert bei Campus und Karriere am 21. Mai 2016 um 14:05 Uhr

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