Donnerstag, 25.02.2021
 
Seit 15:05 Uhr Corso - Kunst & Pop
StartseiteCampus & Karriere1,25 Millionen Euro für die besten Hochschulen18.04.2007

1,25 Millionen Euro für die besten Hochschulen

Wettbewerb von Stifterverband und Bundesbildungsministerium geht in die entscheidende Runde.

Mehr als 80 Hochschulen haben sich um den Preis des Stifterverbands und des Bundesbildungsministeriums beworben für besonders vorbildliche Kooperationen mit Industrie und Wirtschaft. Die nach der Vorrunde verbliebenen zehn Bewerber stellen sich heute in Berlin vor, am Abend will sich die Jury auf die fünf endgültigen Preisträger einigen, denen jeweils 250.000 Euro winken.

Von Markus Rimmele

Mit sehr unterschiedlichen Projekten sind die Finalteilnehmer angetreten.  (AP)
Mit sehr unterschiedlichen Projekten sind die Finalteilnehmer angetreten. (AP)

Er schickt Grafikfolien über die Wand, fährt ein kurzes Werbefilmchen ab, legt viel Überzeugung in die Stimme. Burkhard Rauhut strengt sich richtig an bei seinem Vortrag. Es geht um Geld und Prestige. Das zeigt schon der Veranstaltungsort dieser Wettbewerbsendrunde: die Hauptstadtrepräsentanz von Bertelsmann Unter den Linden Nummer 1. Burkhard Rauhut ist der Rektor der RWTH Aachen. Er versucht die Jury davon zu überzeugen, dass seine Hochschule die besten Konzepte hat, um Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubringen. Er spricht von den 11 Stiftungsprofessuren, den jährlich 20 Unternehmensausgründungen aus der RWTH, den An-Instituten, die in Kooperation mit Unternehmen entstanden sind. Und vor allem spricht er vom Projekt "RWTH Campus". Die Aachener Hochschule will das Gelände eines aufgegebenen Güterbahnhofs entwickeln:

" Ein Projekt, wo wir auf einer sehr großen Fläche Unternehmen und Hochschule gemeinsam ansiedeln, indem wir spezielle Branchen ansprechen, dass sie sich dort ansiedeln und gemeinsam mit uns beispielsweise Laboratorien und ähnliche Dinge betreiben. "

Und das bringt:

" Eine wesentlich schnellere Umsetzung der Ergebnisse, die die Universität erzeugt, indem nämlich die Leute Seite an Seite arbeiten und die Ideen sofort dann auch umgesetzt werden können von den Leute, die von der Vermarktung und dem Markt selbst deutlich mehr Ahnung haben. "

Über 80 Hochschulen haben sich um den Preis beworben. Das sind mehr, als die Auslober erwartet hatten. Die Jury wählte in einer Vorrunde zehn Bewerber aus, die sich heute in der Berliner Endrunde präsentieren. Jeder zweite davon wird zum Zuge kommen, fünf Preisträger soll es geben. Ihnen winkt ein Preisgeld von jeweils 250.000 Euro. Das Aachener Campus-Projekt umfasst eine Investitionssumme von einer Milliarde Euro. 250.000 sind da ein Tropfen auf den heißen Stein. Und doch möchte der Rektor gewinnen:

" Es ist tatsächlich die Motivation nach innen und natürlich die Reputation nach außen. So was wird ja unter anderem auch über die Medien verbreitet. "

Ein Preis auch zur Eigenwerbung. Das ist durchaus im Sinne der Erfinder. Die Auszeichnung soll die Hochschulen mobilisieren und die verschiedenen Konzepte publik machen. Und das ist nötig. Denn zu selten gelingt es, hierzulande Ertüfteltes in marktreife Produkte zu verwandeln. Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband:

" Was Quantitäten angeht der Zusammenarbeit zwischen Industrieforschung und Hochschulforschung, so kann man sagen, liegen wir im oberen Drittel der Industrienationen. Aber ich denke in der Qualität und in der Nachhaltigkeit der Kooperationen können wir noch aufholen! Da ist Amerika deutlich vor den deutschen Hochschulen. Das hat auch ein bisschen was mit der deutschen Hochschullandschaft zu tun, weil wir natürlich viele Anwendungsgebiete unserer Forschung auch in außeruniversitäre Forschung ausgelagert haben. Da müssen die Hochschulen aufholen, aber ich glaube, es ist ihnen auch bewusst. "

Mit sehr unterschiedlichen Projekten sind die Finalteilnehmer angetreten. Die Berliner Humboldt-Universität etwa plant in Kooperation mit der Charité ein Zentrum für Produktentwicklung im Bereich Lebenswissenschaften. Die Fachhochschule Lübeck möchte ein Kompetenzzentrum Kunststofftechnik aufbauen und damit den Praxisbezug der Lehre stärken. Die Münchener Hochschule für Fernsehen und Film will ein Studienzentrum für Filmtechnologie einrichten, das als Branchenforum für Technologiefirmen dienen soll. Und die Technische Fachhochschule Wildau hat vor, zum Motor der wirtschaftlichen Entwicklung in Ost-Brandenburg zu werden, will Unternehmen beraten und Know-how zur Verfügung stellen. Die Jury möchte besonders ungewöhnliche Ansätze prämieren, sagt Christoph Schneider von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Er ist Jury-Mitglied.

" Nehmen wir ein Beispiel: Natürlich haben alle eine Technologietransferstelle. Originalität ist zum Beispiel, wenn man sich für diese Stelle ein bestimmtes Tätigkeitsprofil, eine bestimmte fachliche Spezialisierung oder auch eine besondere Art der Aufhängung in der Hochschulorganisation ausdenkt und auf diese Weise zeigt, dass man nicht nur ganz allgemein die Kontakte mit der Wirtschaft verstärken will, sondern sich dazu eine Strategie oder ein bestimmtes Profil ausgedacht hat. "

Am Abend will sich die Jury auf die fünf Preisträger einigen. Am 10. Mai wird Forschungsministerin Annette Schavan die Preise in Stuttgart verleihen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk