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StartseiteAus Kultur- und SozialwissenschaftenWissenschaftler diskutieren über Ursachen und Auswirkungen der globalen Tragödie02.01.2014

100 Jahre nach Ausbruch des Ersten WeltkriegsWissenschaftler diskutieren über Ursachen und Auswirkungen der globalen Tragödie

Verdun, 22. September 1984. Der französische Staatspräsident François Mitterrand und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl reichen einander die Hand. Sie stehen in der Tradition von Charles de Gaulle und Konrad Adenauer, die die Urkatastrophe zweier Weltkriege im zweiten Jahrtausend überwinden und aus Feinden Freunde machen wollten.

Von Matthias Hennies und Barbara Weber

Soldaten der französischen Armee im Ersten Weltkrieg (1914-1918) in einem Schützengraben. (picture-alliance/ dpa)
Soldaten der französischen Armee im Ersten Weltkrieg (1914-1918) in einem Schützengraben. (picture-alliance/ dpa)

Doch auch 100 Jahre später hat der Erste Weltkrieg seinen Schrecken nicht verloren: In einer Materialschlacht bis dato nicht gekannten Ausmaßes starben 17 Millionen Menschen, vielfach unter furchtbaren Bedingungen durch den massiven Einsatz neuer Waffen wie Giftgas, Tanks und Kampfflugzeugen; gleichzeitig kämpften unterschiedliche politische Systeme in einer gigantischen Propagandaschlacht um die Vorherrschaft.

Wie konnte es so weit kommen? In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts standen die Ideen der Aufklärung noch hoch im Kurs - doch am Ende grassierten in Europa Imperialismus und Nationalismus, der Nährboden für die Katastrophe. Wie konnte das geistige Klima so radikal umschlagen? Woher kam es, dass im wilhelminischen Deutschland so viele, auch Intellektuelle, überzeugt waren, "am deutschen Wesen könne die Welt genesen"?

Viele Fragen sind auch 100 Jahre nach Kriegsausbruch im Jahre 1914 noch nicht endgültig beantwortet. Wissenschaftler diskutieren die Schuld am Ausbruch des Krieges neu. Das individuelle Schicksal rückt mehr in den Fokus der Betrachtung. Und noch etwas hat sich an der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Ersten Weltkriegs geändert: Immer stärker beziehen Historiker alle Beteiligten in ihre Forschung ein. Die globale Sicht ersetzt den nationalen Blick; lineare Schlussfolgerungen gelten als überholt und weichen systemischen Ansätzen.

Was die Wissenschaftler eint, ist die Überzeugung: Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs beeinflussen noch heute weltweit Politik und kriegerische Auseinandersetzungen. 

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