Donnerstag, 13.12.2018
 
Seit 19:15 Uhr Dlf-Magazin
StartseiteHintergrundTraumfabrik und Propagandamaschine17.12.2017

100 Jahre UFATraumfabrik und Propagandamaschine

Die "Universum Film AG" hat so manche cineastische Legende hervorgebracht. Doch die Nazis nutzen das Filmimperium vor allem für ihre Propaganda. Und so fällt die Bilanz zum hundertsten Gründungsjubiläum der UFA äußerst ambivalent aus.

Von Brigitte Baetz

Ein Besucher geht in Berlin im Museum für Film und Fernsehen an einem Großfoto vorbei, das Dreharbeiten aus dem Jahr 1929 aus dem Film "Asphalt" zeigt. (Maurizio Gambarini/dpa)
Ein Exponat der Ausstellung "Die Ufa - Geschichte einer Marke" im Berliner Museum für Film und Fernsehen. (Maurizio Gambarini/dpa)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Biografie über Willy Fritsch Der Charme eines vergessenen UFA-Stars

Filmproduzent Wolf Bauer "Scheinbar unpolitische Unterhaltung hat immer auch ein Wertebild"

Erfurter Kunsthalle Kunst und Kino - eine Beziehungsgeschichte

Roman über NS-Filmdreh Endzeitspiel mit Schwächen

Vor 25 Jahren Die DEFA-Filmstudios in Babelsberg werden verkauft

Hollywood Der Pakt zwischen Filmwelt und NS-Deutschland

Jüdische Medienmacher im Nachkriegsdeutschland Holocaust-Überlebende als Unterhaltungsstars

Es ist der 4. Juli 1917. Der Erste Weltkrieg geht in sein drittes Jahr. Die Deutschen haben sich von der Westfront zurückgezogen. Vorauskommandos der USA sind in Frankreich eingetroffen. Erich Ludendorff, Chef des Generalstabes des Feldheeres, schreibt einen Brief an das Kriegsministerium in Berlin:

"Der Krieg hat die überragende Macht des Bildes und Films als Aufklärungs- und Beeinflussungsmittel gezeigt. Gerade aus diesem Grunde ist es für einen glücklichen Abschluss des Krieges erforderlich, dass der Film überall da, wo die deutsche Einwirkung noch möglich ist, mit dem höchsten Nachdruck wirkt. Je länger der Krieg dauert, desto notwendiger wird die planmäßige Beeinflussung der Massen im Inland."

Doch für diese Beeinflussung ist es längst zu spät. Die Massen sind der Kämpfe müde - trotz der beschönigenden Wochenschauberichte, die in den mehr als 2500 Lichtspieltheatern Deutschlands vorgeführt werden und den Spielfilmen, die deutschen Aufopferungswillen feiern. Seit Anfang 1917 ist die Propaganda bereits im Bild- und Filmamt BUFA zentralisiert. Doch Ludendorff möchte die gesamte deutsche Filmindustrie vereinheitlichen - im Dienste der nationalen Interessen. Dass der Staat als Käufer auftritt, soll jedoch im jeden Preis verheimlicht werden.

Unter diesem Vorzeichen wird am 18. Dezember 1917 die Universum-Film AG gegründet - als Zusammenschluss privater Filmfirmen und unter Federführung der Deutschen Bank. Die Beteiligung der Reichsregierung und des Kriegsministeriums bleibt geheim. Doch je weiter sich Deutschland von einem Sieg entfernt, desto stärker setzen sich wirtschaftliche gegen propagandistische Interessen in der UFA durch. Durch den Importstopp ausländischer Filme hat das neue Konglomerat gute Chancen für eine Eroberung des deutschen Marktes, dessen Stars zu jener Zeit Henny Porten, Asta Nielsen und Paul Wegener heißen.

Große Filme der Weimarer Epoche

Schon wenige Monate nach ihrer Gründung verlegt die UFA ihren Schwerpunkt auf Unterhaltungsfilme. 1921 tritt die Reichsregierung ihre Anteile an die Deutsche Bank ab. Die UFA kauft das Filmgelände in Berlin-Babelsberg. 1923 wird Erich Pommer, der später auch in Hollywood Karriere machen wird, Mitglied im UFA-Vorstand. Er versammelt die großen Regisseure, Kameramänner, Architekten und Autoren um sich und produziert einige der großen Filme der Weimarer Epoche, die heute als Meilensteine der Filmgeschichte gelten: der "Letzte Mann" von Friedrich Wilhelm Murnau etwa, "Dr. Mabuse" und "Metropolis" von Fritz Lang.

(Imago)Szene aus "Dr. Mabuse, Der Spieler" (Imago)

Dank der Größe der UFA und der künstlerischen Potenz der Goldenen Zwanziger Jahre kann der deutsche Film international mithalten - trotz der wirtschaftlichen Probleme, mit denen Deutschland nach dem 1. Weltkrieg zu kämpfen hat. 1925 eröffnet Außenminister Gustav Stresemann die Kinofotografische Ausstellung in Berlin - mittels einer Licht-Tonfilm-Aufnahme:

"Dass ich heute in der Lage bin, im Bilde zu Ihnen zu sprechen, ist ein lebender Beweis dieser Entwicklung und dieses Fortschritts auf diesem Gebiete. Mögen beide Industrien fortschreiten in dieser Entwicklung, möge es ihnen möglich sein, nicht nur in der Heimat, sondern auch draußen in der Welt, durch ihre Erzeugnisse ein Bild zu geben von deutscher Geistes- und Schaffenskraft und dafür zu sorgen, dass deutscher Geist und die Anerkennung deutscher Technik auf die Welt durchdringe."

Aufmunternde Worte - doch 1927 steht die UFA finanziell vor dem Ruin. Die Stabilisierung der deutschen Währung führt dazu, dass das Auslandsgeschäft unrentabel wird und die Amerikaner auf dem deutschen Markt stärker werden. Zudem ist die UFA durch Großprojekte wie Fritz Langs "Metropolis" hoch verschuldet. Als Retter in der Not bietet sich Alfred Hugenberg an. Der Vorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei ist längst ein einflussreicher Medienunternehmer mit dem Schwerpunkt auf Zeitungen und Presseagenturen. Sein erklärtes Ziel: die Abschaffung der Weimarer Republik.

Kino-Saalschlachten in Berlin

Hugenberg ist nur einer von vielen konservativen Unternehmern, die zwar keine Nazis sind, aber dem Nationalsozialismus den Weg bereiten. Auf seine Initiative hin trifft sich am 11. Oktober 1931 in Bad Harzburg die "Nationale Opposition" zu einer Großveranstaltung gegen "das System von Weimar": darunter Vertreter der NSDAP, des Stahlhelm und des von Hugenberg mitbegründeten Alldeutschen Verbandes. Am 28. Juli 1932 erklärt der Medienunternehmer im Rundfunk seine politischen Vorstellungen:

"Persönlichkeitswert und Führerverantwortlichkeit, die Grundlagen eines jeden gesunden Staatswesens, müssen die Parlamentsherrschaft ablösen. Den Parlamenten muss das Recht genommen werden, die Minister abzusetzen. Das Beamtentum sollte durch gründliche Reinigung von ungeeigneten Parteibuchelementen wieder zum Träger des Staatsgedankens werden. Die sicherste Gewähr für einen sauberen, starken und gerechten Staat liegt nach den Lehren unserer Geschichte im deutschen Kaisergedanken."

Berlin ist unterdessen zur Hauptstadt der großen Kino-Saalschlachten geworden. Die Feinde der Republik von links und rechts sprengen die Vorstellungen von Filmen, die nicht ihrer Ideologie entsprechen. Noch bietet die UFA Künstlern unterschiedlicher politischer Ansichten eine Heimat. Ein Film wie "Der Blaue Engel" nach dem Roman des Pazifisten Heinrich Mann hätte ansonsten nie entstehen können.

Das Hugenberg-Blatt "Berliner Illustriert Nachtausgabe" verbreitet, der UFA sei es gelungen, "aus dem Schandwerk von Heinrich Mann ein Kunstwerk zu machen". Die Bayernausgabe des "Völkischen Beobachter"  hingegen schreibt von "bewusst jüdischer Zersetzung und Beschmutzung deutschen Wesens": "Man darf nur die Namen der Macher des Ganzen durchgehen; nichts als Juden mit galizischen Visagen, die als Brechmittel wirken."

Exodus der Besten und Begabtesten

Je mehr sich die politische Krise zuspitzt, desto stärker forciert die UFA die Produktion leichter Komödien wie "Die drei von der Tankstelle" oder "Der Kongress tanzt", dem ersten großen deutschen Musikfilm. Schaut man sich die großen Kassenschlager jener Zeit an, so wirkt es fast, als sei die Weimarer Republik in die Katastrophe "Drittes Reich" hineingetanzt. Doch die UFA dient sich schon den kommenden neuen Herren an. Das patriotische U-Boot-Drama "Morgenrot" feiert nur wenige Tage nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler Premiere. Camilla Spira, eine der Hauptdarstellerinnen, erinnert sich:

"Es ist eine Premiere wie sie überhaupt noch nicht da war. Das ganze Regime sitzt unten. Jedenfalls war es ein Riesenapplaus. Und von der Seite kamen zwei Diener und hängten jedem von uns einen Riesenlorbeerkranz um den Hals. Auf jedem war eine Schleife in Moiree, in verschiedenen Farben. Ich hatte eine grüne. Auf der stand in goldenen Buchstaben zu lesen: "Der Darstellerin der deutschen Frau. Die UFA."

Camilla Spira, bald als "Halbjüdin" diffamiert, muss Mitte der dreißiger Jahre emigrieren und entgeht nur knapp der Deportation nach Auschwitz - eine unter vielen verfolgten deutschen Filmstars. Die Säuberung von unliebsamen Elementen vollzieht sich in der UFA noch reibungsloser als in anderen Unternehmen des Dritten Reiches. Der Filmhistoriker Klaus Kreimeier vermutet deshalb, dass sie von langer Hand geplant war. Ein Exodus der Besten und Begabtesten ist die Folge.

Der neue starke Mann des deutschen Films heißt nun Joseph Goebbels. Der Reichspropagandaminister ist, das zeigen seine Tagebücher, vom Kino nahezu besessen. Zunächst sichert er sich seinen Einfluss über die 1933 errichtete Reichsfilmkammer. 1937 muss Hugenberg, der für wenige Wochen immerhin Reichswirtschaftsminister gewesen war, seine UFA-Aktien verkaufen. Die UFA ist damit verstaatlicht. Weitere Filmunternehmen - die Tobis, Terra und Bavaria, beispielsweise - folgen bis 1942. Goebbels hat 25 Jahre später erreicht, wovon Ludendorff träumte: ein staatliches Filmmonopol zu Propagandazwecken.

"Das, was der deutsche Film bis 1933 nur geahnt oder in den guten Stunden seiner Entwicklung auch schon zu verwirklichen versucht hatte, wurde von nun ab langsam Tatsache. Die modernste Kunst mit ihrer ungeheuren breiten und tiefen Wirkung wurde vom zeitnahen nationalsozialistischen Volksstaat zu einem der ersten Mittel der nationalen Volkserziehung und nationalen Volksführung erhoben. "

"Das Publikum sollte die Sorgen vergessen"

Einer der ersten Propagandafilme ist 1933 "Hitlerjunge Quex". Charakterdarsteller Heinrich George spielt den Vater des am Ende von Kommunisten ermordeten Jungen: "Unsere Fahne flattert uns voran. Unsere Fahne ist die neue Zeit.  Was singst Du denn da? Singen doch die Nazis, Mensch. Wo hast Du denn das gelernt? Nun lass doch den Jungen? Wenn hier was gesungen wird, dann singste: Völker hört die Signale, auf zum letzten… Nu sing mal mit. Völker hört die Signale, auf zum letzten…Kannst Du nicht singen, Du?"

Doch trotz des Erfolges an den Kinokassen: Goebbels findet den Film zu plump. Er will, dass das nationalsozialistische Gedankengut dem Zuschauer subtiler und raffinierter präsentiert wird. Zudem hat Goebbels, der auch regelmäßig in Filmdrehbücher hineinredigiert, die Wichtigkeit der Unterhaltung als Ablenkung vom Alltag erkannt. Etwa die Hälfte aller UFA-Filme der Nazi-Jahre sind Komödien und Revuefilme, die der beliebten Konkurrenz aus Amerika etwas entgegensetzen sollen. Fluchtmöglichkeiten aus der Wirklichkeit anbieten, während der 2. Weltkrieg immer näher rückt - der Regisseur Arthur Maria Rabenalt über die Vorgaben aus dem Propagandaministerium:

"Im Unterhaltungsfilm war uns verboten "Heil Hitler" zu sagen, sondern man sagte: "Grüß Gott" oder "Servus" oder alles Mögliche, nur nicht "Heil Hitler" und es war uns verboten, Hitler-Bilder aufzuhängen. Denn Goebbels war der Ansicht, und das ist ja nicht ganz von der Hand zu weisen, dass das Publikum sich im Film unterhalten soll. Es soll die Sorgen vergessen."

Filmmaterial aus der Zeit des 1. Weltkrieges liegt am 06.01.2014 im Filmarchiv des deutschen Filminstituts in Wiesbaden (Hessen) auf einem Leuchttisch. Foto: Daniel Reinhardt/dpa (zu dpa «Im Ersten Weltkrieg wurde der Film als Propaganda-Instrument entdeckt» vom 20.01.2014) (picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)Filmmaterial aus der Zeit des 1. Weltkrieges (picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)

Die UFA erlebt im Dritten Reich eine neue - finanzielle - Blütezeit: zum einen, weil sie kaum Konkurrenz besitzt und zum anderen, weil der deutsche Vormarsch in Europa nach 1939 neue Absatzmärkte erschließt. Die großen Stars heißen Hans Albers und Zarah Leander, letztere ein phänotypischer Ersatz für Marlene Dietrich, die dem Werben der Machthaber widerstanden hat.

Je weiter der Krieg fortschreitet, je schwerer sich der deutsche Vormarsch tut, desto mehr Propagandafilme kommen in die Kinos. Streifen wie "Stukas" oder "Kampfgeschwader Lützow" verherrlichen den Heldentod fürs Vaterland. Bestbezahlter Regisseur der UFA ist jedoch Veit Harlan. Als einziger Filmschaffender im NS-Staat wird er nach dem Krieg in der Bundesrepublik vor Gericht gestellt und muss sich für seine Filme verantworten. Vor allem für den antisemitischen Propagandastreifen Jud Süß, der parallel zu den ersten Transporten deutscher Juden in den Osten in die Kinos kommt.

Phantastisches Märchenland im Krieg

Wie immer die Lage an der Front sich entwickelt: die Filmproduktion läuft und läuft und läuft - auch wenn die Bedingungen immer schwieriger werden. Schließlich ist Berlin schon seit 1940 immer wieder Ziel von Bombardierungen und nicht alle Mitarbeiter beim Film gelten als unabkömmlich.

"Zum Arbeitseinsatz eingezogene Frauen betreten zum ersten Mal ein Rüstungswerk. In einem Berliner Rüstungswerk ist das Deutsche Filmballett geschlossen eingesetzt. Vor kurzem bewegten sich diese Mädchen noch in den Filmateliers. Die Arbeit der Hände hat die Tätigkeit der Beine abgelöst. Sie haben nach wenigen Tagen festgestellt, dass die Angst vor der Fabrik unbegründet war."

1942 wird für 6,6 Millionen Reichsmark der Prestigefilm "Münchhausen" produziert - in Farbe. Zum 25-jährigen UFA-Jubiläum soll nach innen und außen die Leistungsfähigkeit des deutschen Films demonstriert werden. Während in der Schlacht um Stalingrad mehr als 700.000 Menschen ihr Leben verlieren, entwerfen die Filmleute ein phantastisches Märchenland. Der eigentlich mit Berufsverbot belegte Erich Kästner verfasst mit Goebbelsscher Sondergenehmigung als Berthold Bürger das Skript und versteckt ein paar subversive Zeilen:

"Entweder, Ihre Uhr ist kaputt, Herr Baron, oder… - Oder? Die Zeit selber. Die Zeit ist kaputt. Es wird Abend. Man kann auch sagen: es wird Herbst."

Letztes cineastisches Aufbäumen des Dritten Reichs

Als "Münchhausen" am 3. März 1943 seine Uraufführung in Berlin erlebt, liegen Teile der Reichshauptstadt bereits in Schutt und Asche. Der totale Krieg, den Goebbels in seiner berüchtigten Sportpalast-Rede ausgerufen hat, erzwingt auch von der Filmindustrie Anstrengungen bis zum bitteren Ende. "Im Dienst unserer geistigen Kriegsführung", wie er es nennt, gibt Goebbels bei Veit Harlan ein letztes Großprojekt in Auftrag - den Durchhaltefilm "Kolberg". In der Hauptrolle des unbeugsamen Bürgerrepräsentanten Nettelbeck - Heinrich George:

"Es hat keinen Sinn mehr, wir können die Stadt nicht halten. (Kanoneneinschläge) – Und? Übergabe. Ach, wie in Magdeburg, Erfurt, Küstrin, Spandau? Alles ist umsonst gewesen? Am Ende Schande? Das ist doch keine Schande? Wenn Soldaten ihre letzte Kugel verschossen haben. Auch Blücher hat kapitulieren müssen. Ja, aber wir haben unsere letzte Kugel noch gar nicht verschossen, Herr Kommandant!"

Am 30. Januar 1945, der Berliner UFA-Palast ist schon zerstört, wird "Kolberg" im Tauentzien-Palast und in der Atlantikfestung La Rochelle aufgeführt- ein letztes cineastisches Aufbäumen des untergehenden Dritten Reiches. Als russische Truppen am 24.April Babelsberg erreichen, treffen sie auf eine immer noch funktionierende und aktive Filmproduktionsstätte.

Die Geburt des Trümmerfilms

Auch die Alliierten wissen natürlich um die Kraft filmischer Propaganda. Der sowjetischen Militärregierung ist nach der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches an einem raschen Wiederaufbau der deutschen Filmindustrie gelegen, zu der auch die Studios in Babelsberg gehören - unter ihrer Aufsicht. Der erste deutsche Nachkriegsfilm entsteht deshalb unter dem Dach der 17.Mai 1946 in Ostberlin gegründeten DEFA -  das Heimkehrerdrama "Die Mörder sind unter uns" unter der Regie von Wolfgang Staudte:

"Wir haben nicht das Recht zu richten. Nein, Susanne. Aber wir haben die Pflicht, Anklage zu erheben. Sühne zu fordern im Auftrage von Millionen unschuldig hingemordeter Menschen. "

Eine Einfahrt mit einem Schild mit der Aufschrift "DEFA". (picture alliance / dpa / Hubert Link)Der Eingang zur ostdeutschen Filmstadt Babelsberg bei Potsdam, dem Sitz der DEFA, aufgenommen am 17.5.1991. (picture alliance / dpa / Hubert Link)

Das Genre des deutschen Trümmerfilms ist geboren - und wird vor allem im Ausland mit guten Kritiken zur Kenntnis genommen. Die westlichen Besatzungsmächte gehen einen anderen Weg als die Russen: sie möchten eine zentralisierte Filmindustrie verhindern und den deutschen Markt für ihre eigenen Produkte offenhalten. Nach einem komplizierten und langwierigen Entflechtungsverfahren wird 1956 die Bavaria ausgegliedert und die Rest-UFA privatisiert. Und wieder ist es die Deutsche Bank, die die Federführung für eine neue Universum-Film AG übernimmt. 

Künstlerisch bleibt die neue UFA allerdings über Jahrzehnte weitgehend bedeutungslos. 1964 wird sie vom Bertelsmann-Konzern übernommen. Heute ist die UFA das größte deutsche Film- und Fernsehproduktionsunternehmen - und versucht sich u.a. mit "Fernsehevents" wie "Die letzte Fahrt der Wilhelm Gustloff" und Mehrteilern wie "Unsere Mütter, unsere Väter" auf ihre Weise an einer AUFArbeitung der deutschen Geschichte. Wolf Bauer, Mitgeschäftsführer der UFA:

"Es ist ein großes Thema: die Wirkungsmacht von bewegten Bildern, bis heute übrigens, bis hin zu den Online-Medien, wo wir heute diese Wirkungsmacht wieder betrachten können. Die scheinbar unpolitische Unterhaltung hat immer auch ein Wertebild, hat immer ein Menschenbild zur Grundlage, zeigt immer auch eine Haltung zur Welt. Die Erkenntnis, die man daraus gewinnen kann, ist, dass alles, was wir Produzenten, Autoren, Regisseure kreieren an Filmen, Erzählungen, Geschichten, selbst an Showformaten, tragen bei zu der Art und Weise, wie unsere Zuschauer die Welt sehen und wie sie die Welt interpretieren."

Der Mythos UFA bleibt jedoch untrennbar mit dem Kino der Weimarer Republik und des Dritten Reiches verbunden. Die Rechte an den alten Filmen liegen bei der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden. Sie wacht auch über die so genannten "Vorbehaltsfilme", die Propagandastreifen wie Jud Süß, die bis heute nur mit besonderer Genehmigung und mit begleitender historischer Einordnung gezeigt werden dürfen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk