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StartseiteKalenderblattMaler der idealen Momente des Glücks03.12.2019

100. Todestag von Auguste RenoirMaler der idealen Momente des Glücks

Einer der berühmtesten Impressionisten war der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Auguste Renoir. Seinen Aufstieg vom Porzellanmaler zum Porträtisten großbürgerlicher Kunden verdankte er seinem Talent und seiner Zähigkeit. Sein Werk allerdings war stark vom schönen Schein geprägt.

Von Carmela Thiele

Der französische Maler Auguste Renoir in seinem Atelier auf einem Foto von 1912 (picture-alliance / akg-images)
Der französische Maler Auguste Renoir in seinem Atelier auf einem Foto von 1912 (picture-alliance / akg-images)
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Kann ein Künstler zugleich Erneuerer und Traditionalist sein? Obwohl Pierre-Auguste Renoir zu den Impressionisten gehörte, die mit ihrem tupfenden Farbauftrag flirrende Lichtwirkungen erzielten, war er stark in der erzählerischen Bildtradition verwurzelt.

Inszenierung wird sichtbar

Renoir arbeitete am liebsten mit einem weiblichen Modell. Zu Beginn war es seine Lebensgefährtin, die Wäscherin Lise Tréhot, die der Maler für seine Zwecke in eine Dame verwandelte. Einmal stattete er sie mit einem kostbaren Ohrgehänge, einem mondänen Hütchen und feinen Wildlederhandschuhen aus und setzte sie in einen Gartenstuhl. Vor ihr auf dem Tisch lag ein Veilchensträußchen, das auf ein Rendezvous hindeutete.

Nina Zimmer, Direktorin des Kunstmuseums Bern: "(Und) der Blick in ihren Augen verrät schon eine gewisse Langeweile, ein gewisses Warten, eine gewisse Erschöpfung in der freudigen Erwartung. Diesen leichten Bruch dieser idyllischen Szene, der ist eigentlich das Interessante an diesem Bild und diese leichte Brüchigkeit der Figur der Lise, die ja nie das körperliche Ideal erfüllt, was man für ein solches Modell erwarten würde. Dieser leichte mismatch, den finde ich das Hinreißende an diesen Gemälden, wo er die Inszenierung eben (dadurch) sichtbar werden lässt." 

Ein Bild des französischen Impressionisten Pierre-Auguste Renoir (dpa / picture alliance / Michael Reynolds)Ein Bild des französischen Impressionisten Pierre-Auguste Renoir (dpa / picture alliance / Michael Reynolds)

Auguste Renoir stammte im Gegensatz zu seinen Impressionisten-Freunden aus äußerst bescheidenen Verhältnissen. Er wurde am 25. Februar 1841 in Limoges als sechstes von sieben Kindern eines Schneiders und einer Näherin geboren. Die Familie zog vier Jahre später nach Paris. 

Nina Zimmer "(Aber) die Wohnung der Eltern lag nur wenige Meter hinter dem Louvre in Paris und damals war der Louvre gratis. Und er konnte quasi anstatt auf dem Hinterhof (zu spielen), zwischen den antiken Skulpturen spielen. Und hat dadurch ganz nebenbei einen Zugang bekommen zu einer ganz anderen Welt." 

Renoir, der Verführer

Nach einer Lehre als Porzellanmaler, schlug er sich als Fächer- und Stoffmaler durch und malte Cafés aus. Als Renoir 19 Jahre alt war, erhielt er die Erlaubnis im Louvre Gemälde zu kopieren. Er bewunderte die Szenen der Leichtigkeit und des Glücks, wie sie Vorläufer wie Antoine Watteau oder François Boucher gemalt hatten. Um sich weiterzubilden besuchte Renoir das Atelier von Charles Gleyre, wo er Claude Monet, Alfred Sisley und Frédéric Bazille kennenlernte. 1874 gründeten die Freunde mit anderen die Société anonyme des artistes, die Keimzelle des Impressionismus. Während dieses Jahrzehnts war Renoirs Palette heller geworden, seine Malweise lockerer. "Das Frühstück der Ruderer" von 1881 zeigt eine lichtdurchflutete Tischszene auf der Terrasse eines Ausflugslokals. 

Ausschnitt aus dem Gemälde "Ruderer in Chatou" von Pierre Auguste Renoir (1879)  (picture alliance / dpa / Studio A)Ausschnitt aus dem Gemälde "Ruderer in Chatou" von Pierre Auguste Renoir (1879) (picture alliance / dpa / Studio A)

Nina Zimmer "Renoir wollte verführen, verzaubern, Oberflächen schaffen. Er wollte Vergnügen. Und die Widersprüche, gerade die riesigen Widersprüche zu seinem eigenen Leben, wollte er damit auch überspielen. Er hat sich nie für eine Malerei interessiert, die gesellschaftliche Realitäten zeigt. Er hat sich interessiert für eine Malerei, die die idealen Momente eines Glücks in der Gesellschaft inszeniert." 

Während dieser Phase zunehmenden Erfolgs hatte Renoir seine künftige Frau, die Näherin Aline Charigot, kennengelernt. Doch machte dem nun über 50-Jährigen eine rheumatische Erkrankung zu schaffen. 1895 zog er sich mit seiner Familie in die Provence zurück, wo sein Alterswerk entstand.

Am 3. Dezember 1919 starb Auguste Renoir in Cagnes-sur-Mer im Alter von 78 Jahren. Im selben Jahr hatte er sich im Rollstuhl noch einmal durch die Säle des Louvre fahren lassen, wo nun auch Bilder von seiner Hand von der Magie der Farbe und der Malerei kündeten.

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