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StartseiteKalenderblatt14.1.1904 - Vor 100 Jahren:14.01.2004

14.1.1904 - Vor 100 Jahren:

Cecil Beaton, Designer und Fotograf, geboren

Als Cecil Beaton 1955 seine erste Ausstattung für den Film My Fair Lady entwirft, ist er 51 Jahre alt, bekannt als Dandy und Photomane, Porträtist der britischen Königsfamilie, der Filmstars und Künstler. Geboren am 14. Januar 1904 in London Hampstead als Sohn eines Holzgroßhändlers, wollte er so bald wie möglich heraus aus der für ihn "vulgären Geschäftswelt". Cecil Beaton entdeckte seine Leidenschaft für die inszenierte, glanzvolle Fotografie bereits als Kind, auf dem Bett seiner Mutter:

Von Michaela Gericke

Ein Passantin betrachtet das Beaton-Foto "Mrs. Simpson, and the Duke of Windsor", London 1997 (AP Archiv)
Ein Passantin betrachtet das Beaton-Foto "Mrs. Simpson, and the Duke of Windsor", London 1997 (AP Archiv)

An diesem herrlichen Morgen fiel mein Blick auf eine Postkarte, die vor mir auf der rosaseidenen Daunendecke lag und deren Schönheit mein Herz höher schlagen ließ.
Es war eine Photographie von Miss Lily Elsie. .... Ich begann, Ansichtskarten von meiner Heldin zu sammeln.


Noch Jahrzehnte später prägen diese visuellen Eindrücke seine Arbeit als Ausstatter und Fotograf. Für die Dekoration einer Galavorstellung in Covent Garden aus Anlaß des Staatsbesuchs von Präsident Charles de Gaulle im Jahr 1960 verwendet er 25 000 rosa Nelken und 600 Meter Seide. Der Liebhaber künstlicher Effekte brauchte diese opulenten Ausstattungen: Zur Inszenierung seiner Porträt-Fotografie, in die er sich selbst auch gern einbezog. Elegant, schön und eitel sieht er aus auf den Bildern, und erinnert in seinem Habitus an den Surrealisten Salvador Dalí. Cecil Beaton, der von 1926 an die meisten Fotos mit seiner breiten, geschwungenen Signatur versah, galt bis in die 70er Jahre als Inbegriff des modernen Narziß. Der Spiegel wurde zu seinem Markenzeichen, und wenn es nur die polierte Oberfläche eines Flügels war. Auf dem Porträt von Picasso 1930, von Andy Warhol 1960: immer ist auch Cecil Beaton mit im Bild.

Die Fotografie ist für ihn auch ein Forum für private Verkleidungsscherze. Er zitiert historische Symbole oder Stile und liebt den Kitsch. Bis zur Groteske. Spielt mit Identitäten, nennt sich selbst Carlo Crivelli, nach einem venezianischen Künstler.
Mit Flitterglanz, Cellophan und romantischen Kostümen lässt Cecil Beaton seine Modelle – und sich selbst - in einem Licht erstrahlen, das in den 30er Jahren für einen Neuen Weg der Porträtfotografie steht.

Ich will meine Modelle so photographieren, dass sie von einer Aura des Lichts umflutet werden .... dass ihre Gesichter wie im Streiflicht von Reflexen aufscheinen.

Knapp zehn Jahre später allerdings - er ist inzwischen Hoffotograf der Königsfamilie und Fotograf der Royal Air Force - schwört er – zumindest für eine Weile - allem Luxus ab: Rückblickend nennt er 1942 im Tagebuch die Jahre zwischen den Kriegen:

Eine Periode, in der wir, ganz im Stile von Baldwin, auf Kostümbälle gingen, alles imitierten, Lindy Hop tanzten und überflüssigen Ballast mit uns herumschleppten.

Bußgedanken in Zeiten des Krieges. - Das Mädchen Eileen Dunne fotografiert Cecil Beaton 1940 in einem Londoner Krankenhaus: es sitzt mit einem Verband um den Kopf im Bett, die Puppe wie zum Schutz in den Armen, große Augen schauen traurig und erschrocken in die Kamera.
In Ägypten, Iran, Irak, Syrien und Jordanien wird Cecil Beaton mit der Kamera geradezu Dokumentarist. Seine Fotos sind hier vor allem sachlich realistisch. Aber auch in der Zerstörung findet er noch ästhetisches Bildmaterial.

Ein von Granaten zerfetztes Dach in Tobruk könnte eine räumliche Inszenierung aus seiner Hand sein; fasziniert nimmt er die herabhängenden, den Himmel freigebenden Deckenstücke auf. Für das Magazin Vogue steht die Schauspielerin Valerie Hobson 1941 im schlichten, eleganten Kostüm vor der Trümmerlandschaft eines alten Tempels. "Mode ist unzerstörbar" – so der Titel des Bildes. Und die Mode hat auch Cecil Beaton wieder, nach den Kriegseindrücken, die er in einem seiner Bücher festgehalten hat. Auf der Suche nach großen Stars begegnet er bald darauf in den USA auch Greta Garbo. Cecil Beaton, sonst eher homophil, entdeckt in ihr seine große, leider unerwiderte Liebe. Seitenweise vertraut er dem Tagebuch seinen Herzschmerz an, entwirft derweil weiter Bühnenbilder und Kostüme, arbeitet an seiner – wie er es nannte: "Photobiographie" und veröffentlicht Serien über Marilyn Monroe, Grace Kelly, Joan Crawford.

Cecil Beaton beschrieb sich selbst als einen "fanatischen Ästheten". Der sich aber auch für die Pop- und Hippykultur der 60er Jahre öffnete. Mick Jagger, Keith Richard, Twiggy heißen die Modelle in jener Zeit. In sein Tagebuch schreibt er:

Die jungen Leute kommen mir so anders vor, so schön und so energiegeladen. Wie Geschöpfe von einem anderen Stern.

1972 schlägt ihn Königin Elizabeth die II. zum Ritter. Und ritterlich übersteht er einen Schlaganfall; er fotografiert weiter. Für den Daily und den Sunday Telegraph und auch für Vogue. Bis zu seinem Tod, am 18. Januar 1980 in London.

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