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StartseiteKalenderblattDas Ende einer fantastischen Symphonie08.03.2019

150. Todestag von Hector Berlioz Das Ende einer fantastischen Symphonie

Visionär oder Genie? Bei seinen Zeitgenossen löste Hector Berlioz häufig Unmut aus. Heutzutage gilt er als einer der wichtigsten französischen Komponisten des 19. Jahrhunderts. Am 8. März 1869 starb Berlioz.

Von Michael Stegemann

Der französische Komponist Hector Berlioz in einer zeitgenössischen Darstellung (picture-alliance / dpa)
Der französische Komponist Hector Berlioz (picture-alliance / dpa)
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Die vier Männer, die den schwarz drapierten, mit einem Silberkranz verzierten Sarg auf dem Cimetière de Montmartre zu Grabe geleiteten, hatten nicht schwer zu tragen: Der Tote war klein und zierlich gewesen, gerade einmal 1,63 Meter groß.

Und doch war es ein "Riese", der da am 8. März 1869 gestorben war, mit 65 Jahren: Hector Berlioz – der größte französische Komponist seiner Zeit, Klang-Visionär und Orchester-Genie in seinen Werken wie als Dirigent, Romantiker par excellence.

"Mein Leben ist ein Roman, der mich sehr interessiert…"

…hatte er in seinen Memoiren geschrieben, die sich bis heute ebenso unterhaltsam lesen wie seine Hunderte von Feuilletons, die mit spitzer Feder das Pariser Musikleben kommentierten und mit denen er lange seinen Hauptverdienst bestritt.

Eine klingende Autobiografie

Als Sohn eines Arztes war Berlioz am 11. Dezember 1803 in La-Côte-Saint-André, 70 Kilometer südöstlich von Lyon, zur Welt gekommen, hatte in Paris Musik studiert und war schon früh mit Werken aufgetreten, die in ihren Besetzungen und ihrer radikalen Modernität die Musiker ebenso irritierten und schockierten wie das Publikum. Zum Beispiel Friedrich Zelter, den Goethe um sein Urteil über die Huit Scènes de Faust gebeten hatte – Berlioz' Opus 1, das er ihm zugesandt hatte.

"Gewisse Leute können […] ihren Anteil nur durch lautes Husten, Schnauben, Krächzen und Ausspeien zu verstehen geben; von diesen einer scheint Herr Berlioz zu sein."

Goethes Faust und Shakespeares Romeo, Hamlet und King Lear, Vergils Æneas, Lord Byrons Child Harold und der Florentiner Goldschmied Benvenuto Cellini – alle Helden, die Berlioz in Musik setzt, spiegeln ihn selbst wider; jede "Episode aus dem Leben eines Künstlers" – so der Untertitel der berühmten Symphonie fantastique – ist Teil einer klingenden Autobiografie, die einer "fixen Idee" folgt, einer idée fixe.

Größenwahnsinniger Irrer

In Paris galt Berlioz als größenwahnsinniger und gefährlicher Irrer, der von einem Orchester mit mehr als 450 Musikern träumte…

"...mit 250 Streichern, 30 Harfen, 30 Klavieren, 120 Bläsern und 20 Schlagzeugern!"

Ungleich größer war die Begeisterung, die er als Dirigent und Komponist fast 25 Jahre lang auf seinen Konzertreisen nach Deutschland, Österreich, Russland, London, Prag und Budapest erlebte.

Berlioz war der "Erfinder" des modernen Orchesters, dessen Grundlagen er in einer (bis heute gültigen) Instrumentationslehre festlegte – das Vorbild der Symphonischen Dichtungen Liszts und der Leitmotivik Richard Wagners. Ein Visionär und Schwärmer, dessen Träume und Leidenschaften freilich an der Realität zerbrachen. Der ständige Kampf um Anerkennung, zwei unglückliche Ehen und der Gelbfieber-Tod seines 33 Jahre alten Sohnes Louis im fernen Havanna brachen schließlich seinen Lebensmut und –willen. Oder wie es in Shakespeares Macbeth heißt, in einem von Berlioz' Lieblings-Zitaten:

"Aus, kleines Licht!"

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