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StartseiteKalenderblatt17.5.1954 - Vor 50 Jahren17.05.2004

17.5.1954 - Vor 50 Jahren

Der US-Gerichtshof hebt die Rassentrennung an Schulen auf

Wenn Amerika die Meilensteine der Bürgerrechtsbewegung feiert - wie zum Beispiel im vergangenen August den 40. Jahrestag der "I have a Dream Rede" von Martin Luther King - dann ist der Tenor zunehmend gemischt ..."Ja - aber". Ja, es war eine grossartige Rede, aber was hat sie letzten Endes gebracht? Heute wird mit ähnlich bittersüßen Gefühlen des 50. Jahrestages der Urteilsverkündung im Rechtsstreit ' Brown vs. Board of Education' gedacht. Unter Brown waren Kläger aus fünf verschiedenen Schulbezirken zusammengefasst. Am 17. Mai 1954 erklärte der Oberste Amerikanische Gerichtshof 'Segregation', die Rassentrennung an Amerikas Schulen für verfassungswidrig. Laut Gesetz waren nach Rassen getrennte Schulen damit verboten, aber de facto sind Amerikas Schulen auch heute nicht gemischt, sondern so schwarz oder weiss als hätte es das historische Brown-Urteil nie gegeben.

Von Barbara Jentzsch

Gemeinsamer Schulunterricht nach der Aufhebung der Rassentrennung in den USA, September 1954 (AP Archiv)
Gemeinsamer Schulunterricht nach der Aufhebung der Rassentrennung in den USA, September 1954 (AP Archiv)

We conclude that in the field of public education, the doctrine of separate but equal has no place. Separate educational facilities are inherently unequal.

Der Anwalt Barrett Prettyman war bei der Urteilsverkündung dabei. Dem ganzen Gerichtssaal habe der Atem gestockt, erinnert er sich. Niemand hätte damals mit einer einstimmigen Entscheidung der neun Richter gerechnet.

And when he said the word 'unanimously' the entire courtroom went ....gasp. There was an audible draw-in of breath from the crowd, because that was the one thing that no one had expected, really.

Amerika hatte eher mit einem gegenteiligen Ausgang gerechnet, denn es war der Supreme Court, der Rassentrennung im Jahr 1896 abgesegnet hatte, als er befand, dass "separate but equal", das Prinzip "getrennt aber gleich behandelt" nicht das Gleichheitsgebot der Verfassung verletzte. Mehr als ein halbes Jahrhundert hielt der Oberste Gerichtshof an der Rassendiskriminierung fest, bevor im Herbst 1953 der neue, von Präsident Eisenhower ernannte Oberste Richter Earl Warren die Wende brachte. Selbst dem liberalen Warren war die Abkehr von "separate but equal" schwergefallen. Ausschlaggebend für sein letztendliches Umdenken war der wachsende Druck der schwarzen Bürgerrechtsbewegung NAACP sowie die veränderte politische Atmosphäre nach dem zweiten Weltkrieg. Nachdem 1948 die Rassentrennung innerhalb der Streitkräfte aufgehoben worden war, zeigten sich die aus dem Krieg gegen Nazi-Deutschland zurückgekehrten schwarzen GI's nicht mehr bereit, Amerikas Rassismus zu akzeptieren. Rassentrennung an Schulen und Universitäten stieß außerhalb der Südstaaten auf wachsenden Widerstand.

Mit der Urteilsverkündung war der Fall Brown keineswegs erledigt. Der Supreme Court hatte offengelassen, in welchem Zeitraum die Rassentrennung an den Schulen beendet werden sollte. Das war kein Versehen, sondern daraus sprach die Angst der Richter vor dem massiven Widerstand der Südstaatler gegen ein sofortiges Inkrafttreten des Urteils von Brown. Man wollte den Rassisten mehr Zeit lassen, und so wurde das wie und wann erst ein gutes Jahr später im Verfahren Brown II verkündet. Da hieß es dann sehr flexibel formuliert, dass gleiche Zugangsrechte für alle Schüler in allen Bundesstaaten," mit angemessener Geschwindigkeit" eingeführt werden sollten. Der Süden sah diese halbherzige Direktive als Chance, das verhasste Urteil zu sabotieren. 100 Kongressabgeordnete riefen zum offenen Widerstand gegen Brown und die Abschaffung der Rassentrennung auf. Schwarze Schüler und Eltern, die versuchten, weiße Schulen zu betreten wurden schikaniert, misshandelt und erhielten Todesdrohungen. Eisenhower wie auch Kennedy mussten mehrfach die Nationalgarde in Arkansas und Alabama einsetzen, um schwarze Schüler vor militanten Rassisten zu schützen.

Brown vs. Board of Education hat Amerikas politische und soziale Landschaft zweifellos entscheidend verändert. Jack Greenberg, vor 5o Jahren der führende Anwalt der NAACP im Fall Brown schreibt heute (Zitat Sprecher)

Brown war das Aufbruchsignal für die sit-ins und die Märsche der Bürgerrechtsbewegung. Wenn man Brown als den Eisbrecher betrachtet, der das gefrorene Meer aufbrach, dann hatten wir einen Riesenerfolg. Doch gemessen an der Wirkung auf die Leidtragenden, die schwarzen Schulkinder, ist Brown eine Enttäuschung, um nicht zu sagen ein Fehlschlag.

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