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StartseiteCorsoDer "Rote Teppich"-Händler02.02.2021

18 Jahre BerlinaleDer "Rote Teppich"-Händler

"Das Kino wird ein großes Comeback haben." Davon ist der langjährige Berlinale-Chef Dieter Kosslick trotz geschlossener Säle überzeugt. Nach seinem Rückzug von der Festivalleitung im Jahr 2019 hat Kosslick nun seine Memoiren veröffentlicht.

Dieter Koslick im Corsogespräch mit Kolja Unger

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Abschluss der 69. Berlinale: Der scheidende langjährige Festivaldirektor Dieter Kosslick zeigt sich am roten Teppich mit einem Portrait von sich - natürlich ganz in rot (dpa / Jens Kalaene)
Abschluss der 69. Berlinale: Der scheidende langjährige Festivaldirektor Dieter Kosslick zeigt sich am roten Teppich mit einem Portrait von sich - natürlich ganz in rot (dpa / Jens Kalaene)
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Als "lebende Imagekampagne für den Kinofilm" hat ihn die Schauspielerin Maria Furtwängler bezeichnet. In seinen Memoiren "Immer auf dem Teppich bleiben" erzählt Kosslick über das Zusammenspiel von Kino und Politik, von nachhaltiger Filmförderung und Kulinarik.

Nie habe er gedacht, dass bis zu 500.000 Menschen kommen würden, als er sich anschickte, die Berlinale wieder zu einem Publikumsfestival zu machen. Wer ein erfolgreiches Festival machen wolle, der müsse auch das darin enthaltene "Fest" ernst nehmen, Spaß sei ein entscheidender Faktor. 

Pfannen und Pannen

Zum Erfolg eines Festivals trügen natürlich auch Stars bei, die nicht nur ihren Werbeverpflichtungen nachkommen. Sein Vorteil sei gewesen, dass er sich immer gut mit allen verstanden habe, dazu habe auch sein Englisch beigetragen. Oft habe man seine fremdsprachlichen Ausführungen als deutschen Humor verstanden. Darauf bezieht sich auch ein Kapitel seiner Memoiren, das den Titel "No more pans" trägt. Dieter Kosslick meinte mit diesem Ausspruch "Keine Pannen mehr", in den USA verstand man "Pfannen", was natürlich zu jeder Menge Lachern führte. 

Versuch es weiter

Nicht ohne Selbstironie verrät der ehemalige Festivalmacher, wie er Clint Eastwood mit immer neuen Einladungen bombardierte und der Schauspieler ihn ermutigte, es weiter zu versuchen, auch wenn er zum gewünschten Zeitpunkt regelmäßig zum Golfen gehe. Aber, schloß Eastwood die Begegnung ab, "don't stop pushing me", hör nicht auf es zu versuchen. Was letztendlich zum Erfolg führte.

Auf dem Teppich geblieben

Seine Beharrlichkeit und seinen Erfolg führt Dieter Kosslick auch auf seine Herkunft zürück. Er stamme aus "einfachen Verhältnissen" und habe schon früh den Rat bekommen, "auf dem Teppich zu bleiben". Das habe bis heute seine Bodenhaftung garantiert, ihn aber auch zum "Rote Teppich"-Händler gemacht.

Das Kino wird ein großes Comeback haben

Angesichts der derzeitigen Situation werde es nach der Pandemie ein großes Comeback des Kinos geben, weil - so der Kulturmanager - "wir alle merken, wie sehr wir Kultur, und vor allem auch Filmkultur und Kinokultur vermissen." 

Dieter Kosslick: "Immer auf dem Teppich bleiben – von magischen Momenten und der Zukunft des Kino"
Hoffmann und Campe, 336 Seiten

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