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2. Kölner Forum für Journalismuskritik"Wir kritisieren aus Liebe"

Moderator Hektor Haarkötter, Bettina Schmieding (CvD Deutschlandfunk), Holger Kreymeier (fernsehkritik.tv), Maren Müller (Ständige Publikumskonferenz), Silke Burmester (Journalistin, taz) (Deutschlandradio/Jessica Sturmberg)
Moderator Hektor Haarkötter, Bettina Schmieding (CvD Deutschlandfunk), Holger Kreymeier (fernsehkritik.tv), Maren Müller (Ständige Publikumskonferenz), Silke Burmester (Journalistin, taz) (Deutschlandradio/Jessica Sturmberg)

Der Journalismus muss derzeit viel Kritik einstecken – auch und vor allem im Netz. Welche Vorwürfe treffen ihn zu Recht? Und wie sollten Redaktionen damit umgehen? Beim 2. Kölner Forum für Journalismuskritik trafen Kritiker und Journalisten aufeinander.

Auf dem Podium saß unter anderem Maren Müller, Initiatorin der StändigenMaren Müller (Deutschlandradio/Jessica Sturmberg)Maren Müller (Deutschlandradio/Jessica Sturmberg)
Publikumskonferenz, die regelmäßig offizielle Programmbeschwerden bei öffentlich-rechtlichen Sendern einreicht und durch ihre Online-Petition gegen Markus Lanz bekannt geworden war. "Die Programmbeschwerde ist ein legitimer Weg," so Müller. Es gehe ihr dabei nicht ums "Gewinnen gegen die Gremien" – sondern um Fehler, die gemacht würden. So etwa bei Übersetzungen oder falschen Bildern, insbesondere bei der Berichterstattung über die Ukraine-Krise: "Russland ist der Feind, das wurde so kommuniziert."

Silke Burmester: "Wir kritisieren aus Liebe!"

DLF-Redakteurin Bettina Schmieding begrüßt die Kritik grundsätzlich: "Man muss sich mit dem Publikum auseinandersetzen. Jeder, der uns kritisiert, muss erstmal ernst genommen werden." Sie kritisiert allerdings, dass von der Ständigen Publikumskonferenz auch Beschwerden veröffentlicht würden, die Journalisten krude Dinge unterstellen würden; so sei einem DLF-Korrespondenten vorgeworfen worden, mit seiner Berichterstattung einen Angriffskrieg zu fördern. Davon distanzierte sich Müller. Bei der Ständigen Publikumskonferenz würden viele Beschwerden von extern eingereicht. Die Initiative versuche, nicht in die Ecke von Verschwörungstheoretikern oder Extremisten gestellt zu werden.

Silke Burmester (Deutschlandradio/Jessica Sturmberg)Silke Burmester (Deutschlandradio/Jessica Sturmberg)Einen gemischten Eindruck von der Ständigen Publikumskonferenz hat auch die Journalistin Silke Burmester, die bei der Berliner Tageszeitung "taz" eine Medienkolumne schreibt. "Generell finde ich es super, was Frau Müller macht – im Einzelfall habe ich bei einigen Menschen in dem Verein den Eindruck, sie bräuchten eine Therapie."  Sie verteidigte die Medienkritik aus dem Netz aber grundsätzlich: "Wir kritisieren ja nicht, weil wir die Medien hassen – wir kritisieren aus Liebe!" Ihre Arbeit würde oft belächelt – und zwar von denen, die ihre Pfründe davonschwimmen sähen. Dabei betreibe sie ihre Kolumne vor allem auch, um "es auszuhalten": "Wie soll ich das Fernsehen, das Radio und alles andere ertrage, ohne mich darüber lustig zu machen? Die, die mit ihrer Kritik ins Netz gehen, machen das, um nicht verrückt zu werden."

Brauchen wir Zuschauerparlamente?

Vierter Teilnehmer auf dem Podium war Holger Kreymeier, der das Blog Holger Kreymeier (Deutschlandradio/Jessica Sturmberg)Holger Kreymeier (Deutschlandradio/Jessica Sturmberg)fernsehkritik.tv betreibt – und darin nicht nur Privatprogramme wie RTL ("der Sender ist scheiße") kritisiert, sondern auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk: "Die Verantwortung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens der Bevölkerung gegenüber ist ein wichtiges Thema, auf das man sich konzentrieren sollte", sagte Kreymeier. Er zeigte sich besonders über die sogenannten Check-Sendungen in der ARD enttäuscht, in denen große Unternehmen auf dem Prüfstand stehen. "Das sind Dauerwerbesendungen für die Unternehmen", so Kreymeier. Im Fall einer Fastfood-Kette sei das Privatfernsehen der ARD voraus gewesen: RTL habe die schlechten Arbeitsverhältnisse der Kette aufgedeckt, während man sich bei der ARD lediglich auf Nährwerte konzentriert habe.

Am Ende der Diskussion stellte sich noch eine Frage: Braucht es Zuschauerparlamente,  die das Programm zusätzlich zu den Aufsichtsgremien überwachen? Auch hier gingen die Meinungen von Journalisten und Kritikern auseinander: Bettina Schmieding sieht dafür keine Notwendigkeit – Maren Müller beantwortete die Frage mit einem klaren Ja.

(cvo/stfr)

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