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StartseiteKommentare und Themen der WocheUmschlagplatz für unsere Daten04.09.2018

20 Jahre GoogleUmschlagplatz für unsere Daten

20 Jahre nach seiner Gründung ist Google in fast alle unsere Lebensbereiche vorgedrungen: Jede Suchanfrage formt mein Profil genauso wie jede meiner Bewegungen auf Google Maps und das YouTube Video, das ich gerade schaue. Das könnte ein Problem für unsere Gesellschaft werden, meint Stefan Fries.

Von Stefan Fries

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Zeichnung von zwei Reihen mit Büroangestellten, die an Computern mit Datenströmen arbeiten. (imago/Ikon Images)
Fast alle von uns nutzen täglich Angebote von Google - sei es auf der Arbeit oder auf dem eigenen Smartphone. Doch was der Konzern mit unseren Daten macht, hält er geheim. (imago/Ikon Images)
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Für viele ist Google eine Suchmaschine – für die allermeisten aber eine Findemaschine. Was auch immer es ist, Google findet fast alles. Dass es so groß geworden ist, liegt vor allem daran, dass es funktioniert. Diesen Erfolg hat sich Google verdient. Inzwischen ist Google einer der größten Tech-Konzerne weltweit. Die meisten Smartphones laufen mit seinem Betriebssystem Android. Das weltweit größte Werbenetzwerk gehört Google. Auch die größte Videoplattform YouTube. Der Mutterkonzern Alphabet entwickelt selbstfahrende Autos, investiert in Bio-Technologie und baut Thermostate. An der Börse steuert Alphabet auf einen Unternehmenswert von einer Billion Dollar zu.

Wer sucht, wird auch gefunden - in Form seiner Daten

Das ging nur, weil sich Google nicht nur fürs Finden interessiert hat, sondern vor allem fürs Suchen. Denn was ich suche, das sagt etwas über mich aus. Jede Suchanfrage formt mein Profil, jede Bewegung, die Google Maps aufzeichnet, jedes Video, das ich bei YouTube ansehe. Diese Daten nutzt Google für Werbung. Wenn ich nach Symptomen für eine Grippe suche, werden mir Medikamente angezeigt – wenn ich eine Matratze gekauft habe, noch mehr Matratzen. Zugegeben: Das erscheint widersinnig. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, wieviel Google tatsächlich über uns weiß. Allerdings: Das hält es geheim. Und auch, was genau es mit den Daten macht.

Die EU-Kommission hat schon zweimal Milliardenstrafen verhängt, weil Google seine Marktstellung missbraucht habe. Heute hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ein Gutachten entgegengenommen, in dem es um eine frühzeitige Regulierung von Digital-Unternehmen geht.

Google zeigt mir, was ich schon kenne

Ein Internet ohne Google ist heute nicht mehr vorstellbar. Ein Internet mit einem zu starken Google sollten wir uns aber auch nicht wünschen. Zwar hat das Unternehmen das Netz stark gemacht – wenn es zu dominant wird, schwächt es das Netz aber. Und das ist ein Problem für die Gesellschaft. Denn für viele ist Google der einzige Zugang zu Informationen. Leider zeigt es mir vor allem mehr von dem, was ich schon kenne – desto weniger erfahre ich Neues über die Welt. Das fördert Rechtspopulismus, stärkt Verschwörungstheoretiker, versammelt demokratiefeindliche Gruppen.

Ein Problem, das Google selbst nicht lösen wird, solange es nicht im Geschäftsinteresse ist. Die EU-Kommission kann Google regulieren. Der stärkere Regulator aber sind wir selbst  - die Nutzer. Wir können uns seinen Algorithmen entziehen, die immer mehr vom Gleichen bieten. Wir können Alternativen nutzen: eine andere Suchmaschine, einen anderen E-Mail-Anbieter, eine andere Videoplattform. Google lebt von den Daten seiner Nutzer – die Marktmacht liegt nicht nur beim Unternehmen, sondern auch bei uns.

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