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21.1.1804 - Vor 200 Jahren

Moritz von Schwind, Maler und Zeichner, geboren

<em> Am 21. Jänner des Jahres 1804 wurde dem k.u.k. Hofsekretär und Legationsrat Johann Franz von Schwind und seiner adeligen Gattin Franziska zu Wien ein Bub geboren, der in der Taufe den Namen Moritz erhielt und als liebenswürdiges, phantasiebegabtes Kind heranwuchs. Der junge Herr von Schwind beschloss, Künstler zu werden, und verdiente alsbald seinen Lebensunterhalt mit dem Zeichnen von Neujahrskarten und Buchillustrationen. Abends aber saß er oft im Freundeskreis bei Schubert, Lenau und Grillparzer… </em>

Wien, die Geburtsstadt von Moritz von Schwind (AP)
Wien, die Geburtsstadt von Moritz von Schwind (AP)

Mit diesen wie aus der Spätromantik herüber wehenden Worten begann 1954 die Erinnerung des Hamburger Pressedienstes an den 150. Geburtstag des Malers und Zeichners Moritz von Schwind. Und wirklich, bis in die 50er Jahre hinein schmückten Schwinds altdeutsch-märchenhafte Bilder zu "Des Knaben Wunderhorn", "Rübezahl" oder "Gestiefeltem Kater" hierzulande die Lesebücher. Nachdem Schwind, der populäre Zeitgenosse Ludwig Richters und E.T.A Hoffmanns, nach seinem Tode ein wenig in Vergessen geraten war, besann man sich seiner nach der Katastrophe des 2. Weltkriegs noch einmal neu, als einer versöhnlichen Gestalt aus besseren deutschen Tagen. Biedermeier und Wirtschaftswunder – das passte irgendwie zusammen.

Erstes Vorbild des Autodidakten Moritz von Schwind ist der sanfte Wiener Nazarener Ludwig Schnorr von Carolsfeld. Doch schon bald geht Schwind nach München, um – wie Peter Cornelius – große Wandbilder zu schaffen. Der gestrenge Deutschrömer äußert sich zwiespältig über die zierlichen Federzeichnungen des begabten jungen Mannes:

Wie von einem Frauenzimmer gemacht!.

Dennoch vermittelt Cornelius ihm einen Auftrag zur Ausmalung des Bibliothekszimmers der bayrischen Königin. 1835 hat von Schwind sich seine Italienreise verdient; und als er zurückkommt, hat er sogleich einen neuen ambitionierten Großauftrag: Wandbild-Entwürfe für die Münchner Residenz. Und bald liebt ihn auch das bessere Publikum. Mit leichter Hand illustriert er "Robinson Crusoe" ebenso wie deutsche Heldensagen und Hausmärchen oder die Geschichten aus 1001 Nacht. In Betrachtung derselben sagte der alte Goethe anerkennend:

Es möchte schwer sein, die guten Eigenschaften dieser Arbeiten in wenig Worte zu fassen. Wie mannigfaltig bunt die Tausendundeine Nacht selbst sein mag, so sind auch diese Blätter überraschend abwechselnd, rätselhaft aber klar, phantastisch ohne Karikatur, wunderlich mit Geschmack…

Doch zu Hause war Moritz von Schwind bei den heimischen Melusinen und Feen, Hexen und Waldgeistern; sie bevölkern seine Bilder reichlich - und immer wieder wackere Rittersmänner und zarte Burgfräuleins auf hoher Zinne, umgeben von malerisch-deutschem Waldesdunkel und Eichendorffschem Hörner- und Mandolinenklang. – 1840 zieht Moritz von Schwind nach Karlsruhe, wo er die Freskoausschmückung für das Treppenhaus und die Erdgeschoss-Säle der Akademie übernimmt. Hier lernt er Louise Sachs kennen; 1843 heiraten sie.

Bis 1844 lebt und arbeitet Moritz von Schwind in Karlsruhe. Nach einem Intermezzo als Lehrer für Historienmalerei am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt erhält er 1847 eine Professur an der Münchner Akademie. In dieser Zeit entsteht das berühmte Bild "Symphonie", ein vielteilig erzählendes Gemälde nach Beethovens "Phantasie für Orchester und Chor in C-Dur".

Ich kann ohne Musik nicht leben!

Das war Moritz von Schwinds Credo. Die Musik Schuberts und Beethovens, Mozarts und Mendelssohns versuchte er zeitlebens in Bilder zu gießen. Er war ein Künstler des poetisch-heiteren Kammertons, des Volksliedhaften Plauderns. Er entwarf zwar gern Kirchenfenster oder Bilder für Hochaltäre schließlich gar für die Wiener Hofoper. Doch große Gesten und Staatsaktionen schätzte er nicht. Richard Wagner war ihm ein Gräuel. Ihm widmete er das zauberhaft-ironische Albumblatt seiner "Katzensymphonie". Mit dem politischen Alltag seiner Zeit wollte er nichts zu tun haben. Angesichts der Revolution von 1848 seufzte er nur:

Gottlob, dass unser Schicksal nicht in Menschentatzen sondern in der Hand Gottes ruht. Nur das Allerinnerlichste gibt jetzt ein Gleichgewicht gegen den Taumel, der sich aller Köpfe bemächtigt hat. Ins Wirtshaus gehe ich gar nicht mehr, ich kann das politische Geschwätz nicht aushalten.

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